Im Moment läuft der ASE-Prozess, in dem die Basler Kantonalbank (BKB) eine unrühmliche Rolle spielt. Unter anderem seien Warnsignale nicht oder zu wenig ernst genommen worden, heisst es in den Plädoyers. Könnte der Nachhaltigkeits-Beirat der BKB einen ASE-Fall verhindern? Die Frage bleibt offen. Sicher ist, dass er nicht in das operative Geschäft dreinredet. Der Beirat kann am ehesten mit einer Art Antikörper verglichen werden. Dies sagt der Vorsitzende des Beirats, Kaspar Müller.

Müller ist unabhängiger Finanzexperte und Fachmann im Bereich nachhaltiger Finanzierungen und Corporate Governance. Er war bis 2015 Präsident der Stiftung Ethos und ist Mitglied des Beirates des «Center for Corporate Responsibility and Sustainability» der Universität Zürich.

Herr Müller, wird der Beirat Nachhaltigkeit Vorkommnisse wie den ASE-Fall verhindern können?

Kaspar Müller: Um es ganz klar zu sagen: der Beirat hat mit der operativen Tätigkeit der Bank nichts zu tun. Der Beirat ist kein Bankorgan und wird nicht in das tägliche Geschäft der Bank dreinreden. Er kann das nicht, er will das nicht, und er darf das auch nicht. Wir ziehen eine klare Trennung zwischen Ausführung und Kontrolle. Fehler können wir nicht verhindern. Aber wir können mit unserem kritischen Blick dafür sorgen, dass die Bank eine Kultur der Nachhaltigkeit verfolgt, die diesen Namen verdient. Ein Beirat ist dazu da, um die vom Bankrat verabschiedete Strategie kritisch zu durchleuchten und mit der tatsächlich gelebten Kultur in der Bank abzugleichen .

Wie verhindern Sie, dass der Beirat als ein Feigenblatt missbraucht wird?

Das würde nicht der DNA der heutigen Basler Kantonalbank entsprechen. Zudem ist die Ausgangslage gut, denn ich wurde von Bankpräsident Andreas Sturm persönlich angefragt, im Beirat mitzuwirken. Wir haben uns lange über die Funktion dieses Beirats unterhalten. Dabei habe ich bemerkt, dass die Kantonalbank diese Herausforderung geradezu sucht. Das hat sich auch an unserem ersten Beiratstreffen mit Andreas Sturm, Guy Lachapelle, Konzernchef der BKB, und Hanspeter Ackermann, Bank-Coop-CEO, bestätigt. Meine Einschätzung deckt sich mit dem heutigen Selbstverständnis der Bank, die unbestritten eine schwierige Zeit hinter sich hat. Doch die BKB ist heute sehr gut aufgestellt. Es beweist schon eine grosse Portion Mut, wenn sich eine Bank einen Beirat aufhalst, dessen Berufung sozusagen die Ausübung von Kritik ist. Ich bin überzeugt, wir werden kein Alibi-Beirat sein.

Was macht Sie da so sicher?

Was ich aufgrund meiner Erfahrung feststelle, ist, dass dieser Beirat ernstgenommen wird. Wir werden uns als erstes in die Nachhaltigkeitsstrategie einarbeiten, unseren kritischen Blick auf diese werfen und Anregungen formulieren. Das kann Themen betreffen, die in der Strategie bereits erwähnt oder bislang nicht behandelt worden sind.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Wir stehen erst ganz am Anfang unserer Tätigkeit, da kann ich natürlich noch nicht so viel sagen.

Sie haben sich doch früher viel mit nachhaltigen Anlagen befasst, oder etwa nicht?

Ja, und auch die Basler Kantonalbank und die Bank Coop arbeiten an diesem Thema. Die beiden Banken bieten beispielsweise nachhaltige Anlagefonds an, die einer besonderen Prüfung bezüglich Nachhaltigkeit unterzogen werden. Dabei wird unter anderem der Umgang der Fonds mit aus Sicht der Nachhaltigkeit kontroversen Investitionsthemen wie beispielsweise Rohstoffen oder die Landwirtschaft überprüft. Aufgabe des Beirats ist es, diese Kontroversen zu thematisieren und den Prüfprozess kritisch zu durchleuchten.

Wie läuft die Kommunikation nach aussen? Sind Sie unabhängig von der Bankleitung?

Das ist eine wichtige Frage. Wir haben festgelegt, dass die Kommunikation nach aussen mit den Banken abgesprochen wird. Aber der Beirat ist völlig frei in der Gestaltung seiner Agenda, und er berichtet auch ungefiltert an die Oberleitungsgremien beider Banken.

Die BKB-Tochter Bank Coop hat einen solchen Beirat schon seit 2003. War dieser eine Vorlage?

Das kann man so sagen. Entscheidend ist jedoch, dass die BKB eine Konzernstrategie hat, die unter anderem beinhaltet, dass Synergien auf der Ebene der Gesamtbank genutzt werden. Weil die BKB eine auch bezüglich der Nachhaltigkeit auf Konzernebene einheitliche, konsistente Strategie verfolgt, ist es logisch, dass auch bei der kritischen Begleitung der Strategieumsetzung die gleichen Massstäbe gelten und angewendet werden.

Nicht alle Bank-Coop-Beiratsmitglieder sind bei der BKB dabei.

Im Beirat der Bank Coop hatten auch Mitglieder des Managements Einsitz. Die Mitglieder des neuen Beirats sind alle unabhängig und frei von Interessensverflechtungen. Der Beirat muss vom Management unabhängig sein. Das war auch der Geschäftsleitung sofort völlig klar. Das Bankmanagement nimmt zwar als Beisitzende an den Sitzungen teil, aber diese haben kein Stimmrecht. Der Beirat kann bei kritischen Fragen auch ohne die Beisitzenden tagen. Zudem wählt er künftig seine Mitglieder selbst.

Wie werden die Beiräte bezahlt?

Es gibt eine Grundentschädigung von 2000 Franken, der Vorsitzende erhält 3000 Franken pro Jahr. Es gibt ein Sitzungsgeld von 500 Franken pro Mitglied und Sitzung. Nicht zu viel, nicht zu wenig. Wäre die Entschädigung zu hoch, bestünde die Gefahr der Abhängigkeit.