Auf den ersten Blick hat der Zusammenschluss rechts der Mitte funktioniert: Die Kandidierenden von CVP, LDP und FDP schafften ihre Wahl in den Riehener Gemeinderat im ersten Wahlgang. Beachtlich insbesondere das Resultat von Neuling Daniel Hettich, der den LDP-Sitz zu verteidigen vermochte. Und auch der SVP-Kandidat Felix Wehrli hat nach wie vor gute Chancen, gewählt zu werden. Er lauert nur knapp hinter den Bisherigen Annemarie Pfeifer (EVP) und Guido Vogel (SP).

Das Aber kommt aus der GLP. Katja Christ legte als Parteipräsidentin einen überzeugenden Wahlkampf hin. Das verhalf ihr zu einem Sitz im Einwohnerrat – doch sie will mehr. «Ich bin es meinen Wählern schuldig, im zweiten Wahlgang noch einmal anzutreten», bestätigt sie gegenüber der bz, was sie gestern bereits auf dem Kurznachrichtendienst Twitter ankündete. Sie rechnet sich Erfolgschancen aus, «sonst würde ich nicht antreten.»

Wenn Pfeifer reüssiert wirds eng

Bürgerlichen Strategen dürfte dies noch Kopfzerbrechen bereiten, denn jetzt sind verschiedenste Konstellationen denkbar, wie die beiden verbleibenden Sitze verteilt werden. Die beste Ausgangsposition hat Annemarie Pfeifer, die ihre Wiederwahl nur um 150 Stimmen verpasste. Im zweiten Anlauf müsste sie es schaffen, alles andere wäre eine Überraschung.

Das wiederum bedeutet: Vogel, Wehrli und Christ müssen den Kampf unter sich ausmachen – ein Linker, eine in der Mitte, einer rechts. Doch während für Vogel sowohl seine Partei als auch Bündnispartnerin EVP mobilisieren wird, steht Wehrli etwas alleine da. Schliesslich haben FDP, CVP und LDP ihre Ziele in trockenen Tüchern.

Zudem zeigte sich schon im ersten Umgang: Die drei anderen Kandidierenden lagen nahe beisammen – der Abstand zu Wehrli war aber trotz sehr gross. Etwa jeder sechste bürgerliche Wähler hat Wehrli von seinem Wahlzettel gestrichen. Die Meinung von Mitte-Links war deshalb im Wahlforum schon am Sonntagnachmittag gemacht: Der SVP wird es wieder nicht reichen. Nun, nach Christs Ankündigung, haben bürgerlich Wählende sogar noch eine Alternative. Die Kombination der eher konservativen Annemarie Pfeifer und Katja Christ könnte sich für Mitte- und bürgerliche Protestwähler als attraktive Variante entpuppen.

Dem widerspricht der Riehener SVP-Präsident Eduard Rutschmann: «Die anderen bürgerlichen Parteien sind von sich auf uns zugekommen und haben gesagt, dass sie uns unterstützen wollen im zweiten Wahlgang.» Er wertet das als deutliches Zeichen, dass ihre Wähler kaum zu Hause bleiben würden, wenn es nun um die Interessen der SVP geht. «Die Chance für Felix Wehrli, gewählt zu werden, ist gross», sagt Rutschmann. Ohnehin habe er dessen Resultat in etwa so erwartet.

Katja Christ selbst will sich keine derlei Gedanken machen. «Ich bin keine Rechnerin», sagt sie. Zudem könne ihre erneute Kandidatur auch der Linken schaden, «ich habe eine breite Wählerbasis und hole in beiden Lagern Stimmen.»

Dass die kantonale Politik genau auf Riehen schaut, zeigte sich am Sonntag in der Alten Kanzlei: Alle kantonalen Parteipräsidenten waren zugegen. Der Erfolg der bürgerlichen Allianz wird bestimmt auch Thema, wenn es um die nationalen Wahlen geht.