«Wenn man sich erst einmal an die Idee gewöhnt hat, findet man plötzlich den herkömmlichen Abfall eklig», meint Laura Osbaldeston. Wenn sich Leute für ihre Arbeit interessieren, zeigt sie ihnen ein Foto und wartet auf die Reaktion: «Wenn sie zurückschrecken, ist es wahrscheinlich nichts für sie», lacht sie. Osbaldeston ist Expertin für Wurm-Kompost. Hunderte der kleinen Tierchen winden sich in einer Holzbox, gefüllt mit Küchenabfällen, Papierstreifen und vor allem viel Erde.

Das, weil die Würmer bereits fleissig an der Arbeit waren: «Viele Leute meinen, Kompost würde stinken, aber die Würmer fressen so schnell, dass es gar nicht erst anfangen kann zu stinken», erklärt Osbaldeston. Doch auch wer sich keine neuen Haustiere zutraut, braucht aus Angst vor Gestank nicht aufs Kompostieren zu verzichten: «Ich friere meinen Kompost immer ein, wenn ich ihn nicht zeitnah zur Bioklappe bringen kann», empfiehlt Carole Schante vom Verein «Zero Waste Basel». Für jeden Geschmack gibt es den passenden Kompost.

Kompostieren lohnt sich

Wer mit Kompostieren beginnen will, hat daher die Qual der Wahl. Für Familien und Menschen, die sich gerne gemeinschaftlich engagieren, sind Kompostgruppen geeignet. Wer hier seinen Bio-Abfall vorbeibringt, verpflichtet sich gleichzeitig, an ein paar Tagen im Jahr die manuelle Arbeit zu leisten, die ein funktionierender Kompost erfordert. Wem es dafür aber an zeitlichen Ressourcen fehlt, für den sind Bioklappen ideal.

Hier kann man seine Küchenabfälle zu jeder Tag- und Nachtzeit vorbeibringen. Anders als bei Kompostgruppen, die klare Regeln dafür aufstellen, was in die Behälter darf und was nicht, oder bei den Würmern, deren Diät zum Beispiel keine Zitronen oder Zwiebeln enthält, darf alles in die Bioklappe; auch Knochen und gekochte Essensresten. Osbaldeston, eine mittlerweile routinierte Kompost-Nutzerin, glaubt, dass es nicht nur der Umwelt dient, sondern sich ein Kompost auch für Privatpersonen lohnt: «Wer kompostiert, gibt kaum mehr Geld aus für die Müllabfuhr. Und wer die Erde dann auch noch nutzt, wird in seinem Garten den Erfolg ernten können.»

Das grosse Anliegen von Zero Waste, einer Organisation, die in der ganzen Schweiz tätig ist, ist allerdings der Schutz der Umwelt: «Recycling gibt es schon seit einiger Zeit, doch die Lage unseres Klimas zeigt, dass das alleine nicht ausreicht», erklärt Schante.

Ungenutztes Potenzial

Zero Waste hat es sich deshalb zum Ziel gemacht, mit verschiedenen Events die Öffentlichkeit aufzuklären, wie sie ihren Abfall reduzieren und kreativ nutzen kann. Heute findet unter dem Titel «Composting in the City» eine Abendveranstaltung statt, die Interessierten Theorie und Praxis des Kompostierens näher bringen soll. Auch der aussergewöhnliche Wurmkompost wird dabei vorgestellt: «Besonders Kinder finden die Würmer grossartig», erzählt Osbaldeston. Das Interesse sei aber auch sonst gross, besonders in Basel. Hier sei die Bevölkerung bereit, für die Umwelt Neues zu wagen. Innovationen wie das kompostierende Toilettensystem «Kompotoi» stossen deshalb auf viel Anklang.

Dennoch könnte auch Basel eine kompostierfreundlichere Stadt werden. Aktuell kann man sich beim Basler Amt für Umwelt erkundigen, welche Kompoststelle oder Bioklappe am nächsten liegt. Doch es ginge noch praktischer: «Ideal wäre natürlich eine Abfuhrmöglichkeit für biologischen Abfall», meint Schante. In gewissen Städten sei das Kompostieren sogar rechtlich verordnet. In der Schweiz gäbe es diesbezüglich noch viel ungenutztes Potenzial. Ein Drittel aller Haushaltsabfälle wären kompostierbar.

Weitere Informationen zum Event und zum Thema: www.zerowasteswitzerland.ch und www.wurmbox.land