Corona

Kaum mehr Neuansteckungen in Basel – wie geht es jetzt weiter?

Die Fallzahlenkurve ist deutlich abgeflacht, erneut wurden keine Neuinfizierten in der Region registriert – Entwarnung gibt es aber keine. Im Gegenteil, mit einem erneuten Anstieg wird wegen der Lockerung gerechnet.

Der behördliche Kampf gegen die unkontrollierte Ausbreitung des Coronavirus mit strengen Massnahmen zeigt seit Tagen erfreuliche Auswirkungen. Am Mittwoch wurden in Basel erneut keine Neuinfektionen mit dem Virus registriert.

Seit Mitte April ist zudem das gelungen, was in Dauerschleife gepredigt wurde: Die Kurve der Fallzahlen und die der Neuansteckungen ist mehr als deutlich abgeflacht. Stand Dienstagmorgen zählte Basel-Stadt total 970 Coronafälle, wovon 894 Personen mittlerweile als geheilt gelten. Das sind über 90 Prozent. Das Baselbiet verzeichnet zurzeit 837 Fälle und 789 Geheilte. Auch hier wurden in den vergangenen zwei Tagen keine neuen positive Testergebnisse registriert.

Corona: Die Fallzahlen in Basel-Stadt

Corona: Die Fallzahlen in Baselland

Entsprechend äussert sich der Basler Kantonsarzt Thomas Steffen zurückhaltend, aber positiv: «Es kann demnach angenommen werden, dass der erste Lockerungsschritt am 27. April bisher keinen unmittelbar, ungünstigen Einfluss auf den Verlauf der Neuinfektionen hatte.» Diese Erkenntnis sei allerdings mit ausdrücklicher Zurückhaltung zu interpretieren: «Man muss im Moment sehr vorsichtig sein und die weitere Entwicklung in den nächsten Monate insbesondere nach den weiteren Lockerungsschritte gut beobachten.» Mit den erneuten Lockerungsmassnahmen sei wahrscheinlich ein «gewisser» Anstieg der Zahlen zu erwarten, so Steffen. «Wobei man sich hier nur mit der nötigen Vorsicht vortasten kann, damit dieser Anstieg moderat bleibt.»

Alltag normalisieren, Virus maximal einschränken

Wie und ob sich die Lage einpendeln wird, hängt laut Steffen wesentlich davon ab, wie gut die Bevölkerung mit den Lockerungsschritten umgeht. «Die Herausforderung ist dabei, wieder in einen den Umständen entsprechenden normalisierteren Alltag zu kommen und gleichzeitig dem Virus die Ausbreitung maximal zu erschweren.» So argumentierte am Dienstag auch der Basler Epidemiologe und Pandemie-Experte Marcel Tanner in einem Interview mit der bz.

Auch Kantonsarzt Steffen weist zurzeit auf einen Lichtblick hin, wenn auch mit starken Einschränkungen: «Gelingt es uns dies so gut hinzubekommen, wie die Umsetzung der ersten Massnahmen bei Anstieg der Fallzahlen, sollte sich die Situation auch längerfristig stabilisieren lassen.»

Entsprechend hat sich die Situation im Gesundheitssystem leicht entspannt. Dennoch steht insbesondere das Basler Universitätsspital bereit, seine Kapazitäten für Coronafälle umgehend wieder hochzufahren, wenn sich die Lage verschlimmert.

Massnahmen kappen Kapazitäten am Unispital

«Da wir keine Überkapazitäten wegen Corona aufbauten und schrittweise hochgefahren sind, können wir nun auch schrittweise in eine Art Normalbetrieb kommen», sagt Nicolas Drechsler, Sprecher des Unispitals. Wobei zu beachten sei, dass wegen der allgemeinen Schutzmassnahmen wie Abstandhalten das Spital zurzeit nur auf rund 80 Prozent der Normalkapazität betrieben werden könne. Hinzu kommt, dass das Unispital Ressourcen in Bereitschaft halten muss, um wieder eingreifen zu können, sollte sich die Zahl der Neuinfektionen wieder erhöhen. Dies führt dazu, dass viele Eingriffe nach Priorität terminiert werden müssen.

Etwas mehr Ruhe kehrt zurzeit auch im Testzentrum in der Basler Predigerkirche ein. Bis dato wurden 9000 Personen auf eine Infektion mit Corona getestet, bei rund 9 Prozent fiel der Test positiv aus. Die Zahl fällt wesentlich höher aus als die Fallzahl in Basel-Stadt, da in der Predigerkirche auch viele Ausserkantonale getestet wurden. Da zurzeit noch zwischen 60 und 80 Personen täglich das Testzentrum aufsuchen, überdenkt das Unispital die Bereitschaftszeiten in der Kirche. «Klar ist aber, dass der Test-Betrieb vorläufig so weitergeht», sagt Drechsler: «Die Einrichtung ist als Boje zu verstehen, die uns vor dem nächsten Tsunami warnt.»

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