Aufstand der Eltern

Kaum waren die Streifen weggefräst, wurden sie wieder aufgemalt

Bei der Kaserne im Kleinbasel führt der Weg zum Glück über gelbe Farbe in Form eines frisch gemalten Fussgängerstreifens.

Bei der Kaserne im Kleinbasel führt der Weg zum Glück über gelbe Farbe in Form eines frisch gemalten Fussgängerstreifens.

Kaum war die Fräsmaschine ausgekühlt, regte sich der Widerstand und Eltern rebellierten. Ihr Kampf hat sich gelohnt. Jetzt ist der Zebrastreifen zwischen Sperrstrasse und Kaserne wieder da. Von allen weggefrästen wurde er am meisten vermisst.

Regelrecht eingeimpft wurden sie einem, die Wörter «Luege, lose, laufe». Jeder, der hierzulande zur Schule ging, weiss, was sie zu bedeuten haben. Und jetzt soll plötzlich alles anders werden? Jetzt ist plötzlich Eigenverantwortung gefragt? Und «Luege, lose, laufe» soll überall passieren, auch fernab eines Zebrastreifens? So ist es. Was wie Anarchie klingt, basiert auf einer Verordnung über Begegnungszonen, die im ganzen Lande gilt – und auch in Basel korrekt angewendet wird.

Fussgängerstreifen haben in Tempo-30-Zonen nichts zu suchen. Und wenn doch, dann nur in begründeten Ausnahmen. Nämlich bei Heimen und Schulen. Punkt.

Aufs Fräsen folgte der Widerstand

So mussten Mitarbeiter des Bau- und Verkehrsdepartements Ende vergangenen Jahres Zebrastreifen rund um die Kaserne im Kleinbasel entfernen. Sie frästen die gelben Linien weg – und schwarz war der Boden auch in dieser verkehrsberuhigten Zone: Etliche Strassen im Geviert wurden mit dem Verkehrskonzept Innenstadt zu Tempo-30-Zonen, entsprechend waren die Zebrastreifen mit wenigen Ausnahmen nicht mehr erwünscht. Insgesamt deren 16 wurden allein im Kleinbasel entfernt.

Kaum war die Fräsmaschine ausgekühlt, regte sich aber Widerstand. Der Verkehrs-Club, Anwohner und als Stimme aller das Stadtteilsekretariat Kleinbasel monierten den Wegfall der Zebrastreifen. «Viele Anwohner waren aufgeschmissen, als die Fussgängerstreifen plötzlich weg waren», sagt Heike Oldörp vom Stadtteilsekretariat. Also habe man sich mit dem Amt für Mobilität in Verbindung gesetzt.

Neue Gruppe «Schulwegsicherheit»

Der Kampf hat sich gelohnt. Jetzt ist der Zebrastreifen zwischen Sperrstrasse und Kaserne wieder da. Von allen weggefrästen wurde er am meisten vermisst. Zwar wurde er nicht am exakt selben Ort aufgemalt, doch nur wenige Meter daneben bei der Traminsel können Quartierbewohner die Strasse wieder sorglos passieren. Die Verantwortlichen akzeptieren die Kritik aus dem Quartier, es sei besonders für Kinder und Betagte schwierig, die Strasse mit all den Trams, Autos und Velos zu überqueren. Zumal in Tempo-30-Zonen, im Gegensatz zu Tempo-20-Zonen, kein Fussgängervortritt gilt. Das allein wäre allerdings kein Grund, einen Zebrastreifen neu zu malen: Gemeinhin wird davon ausgegangen, dass Autofahrer in verkehrsberuhigten Gebieten vorsichtig fahren und Fussgängerstreifen daher überflüssig sind.

Der Sieg der Anwohnerschaft ist auf die «besonderen Vortrittsbedürfnisse» bei der Kaserne mit all ihren Angeboten für Kinder und Familien zurückzuführen. Kinder halten sich allerdings auch an Orten auf, an denen neu kein Zebrastreifen mehr ein Gefühl von Sicherheit vermittelt. Im Erziehungsdepartement ist man jedoch darum besorgt, dass sich Kinder nicht nur sicher fühlen, sondern es auch sind. Um dies weiter gewährleisten zu können, trifft sich seit vergangenem September regelmässig eine Gruppe mit Vertretern aus den involvierten Departementen. Dabei ist auch ein Mitarbeiter der Verkehrsprävention aus dem Justiz- und Sicherheitsdepartement. Alles rund ums Thema «Schulwegsicherheit» wird in der Gruppe viermal pro Jahr besprochen. In der März-Sitzung dürfte unter anderem diese Frage diskutiert werden: Wie wirken sich die Tempo-30-Zonen und das damit verbundene Wegfallen von Zebrastreifen auf Schulwege aus?

Die Verkehrsprävention trägt ihren Teil bereits dazu bei. Die Stichwörter «Warte, luege, lose, laufe» werden auf der Website durch den Zusatz «mit Fussgängerstreifen und ohne Fussgängerstreifen» ergänzt.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1