Verregneter Sommer

Kaum zu glauben, aber es gibt auch Sonnenseiten des schlechten Wetters

Grau in grau: Wer den Sommer 2014 in Basel verbringt, ist sich dieses Bild gewohnt.

Grau in grau: Wer den Sommer 2014 in Basel verbringt, ist sich dieses Bild gewohnt.

Das Wetter ist momentan Thema Nummer 1. Sich über die schlechte Witterung zu beklagen, ist en vogue, doch es gibt auch die, die davon profitieren. Einzelne Geschäftsbereiche sind sogar regelrecht froh um die kühlen Temperaturen und auch um den Regen.

Nachdem der Juni noch dem Fussball gehörte, hat der Juli einen ganz eigenen Volkssport: Über das Wetter zu jammern. Die Daheimgebliebenen, die Rückkehrer, aber auch jene, die die Ferien noch vor sich haben, alle wissen sich zu beschweren. Selbst wenn der August noch einmal warm wird und die paar Tage mit quasi-äquatorialen Temperaturen vom Juni noch blass in Erinnerung sind, muss man wohl festhalten: 2014 wird als Schlechtwettersommer in Erinnerung bleiben. Dazu braucht es die gestern verschickte Medienmitteilung des Bundesamtes für Meteorologie und Klimatologie mit dem Titel «Enorme Niederschlagsmengen und kaum Sonne – der Juli 2014 bricht Rekorde» gar nicht. Bilder von Hochwasser, vom Kulturfloss an Land und wolkenverhangenen Juli-Abenden werden haften bleiben.

Ganz vergessen geht dabei, dass das schlechte Wetter nicht nur negative Aspekte hat. Einzelne Geschäftsbereiche sind sogar regelrecht froh um die kühlen Temperaturen und auch um den Regen. So etwa die Kinos: «Selbstverständlich ist schlechtes Wetter für Kinos ‹gutes› Wetter und deshalb zeigt sich das auch an den Zuschauerzahlen», sag Romy Gysin von der Basler Kinokette Kultkino.

Besuchersprung in den Museen

Für die Kinobetreiberin kommt der nasse Sommer besonders gelegen: «Wegen des schönen Mais und des Fussball-Junis waren die Eintritte derart zurückgegangen, dass der Juli für uns bisher gut aussieht und die Leute wieder an Kino denken und uns mehr besuchen.» Ganz ähnlich sieht es bei den Museen aus. Die Richter-Ausstellung in der Fondation Beyeler konnte gestern bereits ihren 100 000sten Besucher begrüssen. Renate Müller vom Naturhistorischen Museum vergleicht den letztjährigen Sommer mit dem diesjährigen. Vom 23. Juli bis 30. Juli 2013 wurden 724 Besuche gezählt. In derselben Zeitspanne dieses Jahr waren es 2219.

Auch die Reisebüros freuen sich über mehr Kundschaft. Denn wenn die Sonne hier schon nicht scheint, fliegt man halt in ein Land, wo sie dies auch wirklich tut. Jürg Meier, Inhaber des Reisebüros Basilisk, sagt: «Es ist mehr Nachfrage da.» Allerdings nicht unbedingt nach kurzfristigen Sommerferien. «Wenn es jetzt schon keine Wärme hat, wollen die Leute wenigsten im Herbst so richtig weg», sagt Meier.

Wir alle profitieren – ein bisschen

Und auch in der Stadt geht es weniger hitzig zu als auch schon. Die Staatsanwaltschaft vermeldet allgemein sinkende Kriminalitätszahlen. Auch mussten bis jetzt tendenziell weniger Menschen aus dem Rhein gerettet werden – einfach weil der Fluss mit seiner Strömung dem Treibholz derzeit kein Schwimmen zulässt. Und während sich im letzten Sommer ganz Basel über die von unvorsichtigen Grilleuren verursachten Brandlöcher in den städtischen Rasen enervierte, sucht man diese heuer vergebens. «Es ist so: Wenn es regnet, hat es weniger Leute auf der Strasse. Dann gibt es auch weniger Konfliktpotenzial», sagt Andreas Knuchel von der Basler Polizei. Nicht umsonst hat der sogenannte «Kommissar Regenass» bei den Polizisten einen ganz besonders guten Ruf.

Und wenn wir ganz ehrlich sind: Auch für unser aller Alltag hat das triste Wetter nicht nur Nachteile. Der Rasen und die Balkonpflanzen wässern sich derzeit von alleine. Sonnencrème und Après-Soleil bleiben im Schrank. Und wer es trotz aller guter Vorsätze nicht geschafft hat, sich eine optimale Badi-Figur anzutrainieren, kann den Winterspeck bequem unter weiten Kleidern verstecken und für die kältere Jahreszeit konservieren. Schlechtes Wetter? Es ist eben alles eine Frage der Einstellung.

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