Öffentlicher Verkehr
Kehrtwende: Hochrheinstrecke soll doch elektrisch werden

Gute Kunde aus Bern: Der Nationalrat will die Hochrheinstrecke elektrifizieren. Bundesrätin Doris Leuthard hatte sich vehement gegen dieses Vorhaben gewehrt. Dass es nun anderskommt, freut den Basler Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels besonders.

Drucken
Teilen
Laut und luftverschmutzend: Noch fahren auf der Hochrheinstrecke Dieselzüge, doch diese haben keine Zukunft mehr.

Laut und luftverschmutzend: Noch fahren auf der Hochrheinstrecke Dieselzüge, doch diese haben keine Zukunft mehr.

Zur Verfügung gestellt

«Ich freue mich riesig. Das ist nun wirklich ein überraschender Entscheid», freut sich der Basler Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels. Der Grund für seinen Jubel: Die Hochrheinstrecke zwischen Schaffhausen und Basel soll elektrifiziert werden. Der Nationalrat hat gestern überraschend einen entsprechenden Beitrag im Rahmen der Fabi-Vorlage gutgeheissen. Dies auf Antrag von Thomas Hurter (SVP, SH) und im Gegensatz zum Ständerat: Die kleine Kammer hatte den Beitrag abgelehnt.

Schneller nach München

Mit 102 zu 82 Stimmen bei 3 Enthaltungen nahm der Nationalrat überraschend den Antrag Hurter an. Die vorberatende Kommission und Verkehrsministerin Doris Leuthard wehrten sich vehement gegen das Vorhaben. Für die Mehrheit sorgten schliesslich grössere Teile der SVP, SP und Grünen.

Nach dem Entscheid des Nationalrats sollen 100 Millionen Franken für den Ausbau der hauptsächlich auf deutschem Gebiet liegenden Strecke gesprochen werden. Die Mittel stammen nicht direkt aus dem Kredit für die Fabi-Vorlage, sondern aus einem früheren Kredit, mit dem der Anschluss an das europäische Hochgeschwindigkeitsgesetz (HGV) gewährleistet werden soll.

Hurter begründete seinen Antrag damit, dass die Elektrifizierung der Hochrheinstrecke eine Verbindung der beiden Kantonshauptorte Basel und Schaffhausen bringe. Das habe eine Verkehrsentlastung im Raum Zürich zur Folge. Die Hochrheinstrecke verbinde die Nordwestschweiz zudem direkt mit der Ostschweiz und verbessere die Verbindung nach München.

Ständerat könnte es noch kippen

Hans-Jürg Fehr (SP, SH) machte klar, dass die Strecke heute wenig bringt: «Die Strecke wird von der Deutschen Bahn betrieben, mit lauten, die luftverschmutzenden Diesellokomotiven. Es gibt laufend Betriebsstörungen, und das Angebot ist ungenügend.» Gemessen an dem, was man sich in der Schweiz gewohnt sei, liege es weit unter dem Standard. «Das muss geändert werden. Das heisst: Die Strecke elektrifizieren und sie dann den SBB übergeben, das Ganze in den schweizerischen Tarifverbund integrieren und ein wesentlich besseres Angebot bereitstellen.» Die Elektrifizierung sei der wichtigste Schritt und die Voraussetzung für alles andere.

Doris Leuthard warnte vergeblich davor, dass das Projekt auf deutscher Seite keine Priorität habe. Üblicherweise würden solche Finanzierungen ausserdem im Rahmen von rückzahlbaren Darlehen ausbezahlt. Zum Kredit muss sich allerdings noch der Ständerat äussern.

Der Basler Nationalrat Daniel Stolz ist deshalb noch nicht sicher, dass das Geschäft in trockenen Tüchern ist. «Im Ständerat sind die Politiker mehr auf ihre Kantone fixiert.» Weil von diesem Projekt die Romandie, die Zentralschweiz oder das Tessin nicht profitieren, könnten diese Ständeräte versucht sein, doch noch Nein zu sagen. (ZDR/MKF/SDA)

Aktuelle Nachrichten