Erstmals seit fünf Jahren gilt am Samstag im Joggeli die höchste Sicherheitsstufe. Die Polizei begründet die Einstufung damit, dass es bei Begegnungen der beiden Fussballclubs immer wieder zu Ausschreitungen oder Störaktionen ums und im Stadion gekommen sei.

Speziell erwähnt sie die Ausschreitungen am 10. April 2016, bei denen auf der Event-Plattform mehrere Personen – darunter auch Polizisten – verletzt wurden.

Nach dem Spiel FCB-FCZ am 10.4.2016: Fussballfans wüten vor dem Basler St.Jakob-Park.

Nach dem Spiel FCB-FCZ am 10.4.2016: Fussballfans wüten vor dem Basler St.Jakob-Park.

Auch das Hinrunden-Spiel der aktuellen Saison wird genannt, als FCZ-Fans auf der Rückfahrt beim Bahnhof Pratteln mehrfach die Notbremse gezogen hatten. Nicht erwähnt wird ein weiteres Spiel im Joggeli gegen den FCZ, nämlich der Cup-Viertelfinal vor einem Jahr, als es zu keinen nennenswerten Zwischenfällen kam. Und auch nicht erwähnt wird, dass es sich bei den Ausschreitungen auf der Plattform um ein Aufeinandertreffen zwischen FCB-Anhängern und der Polizei kam.

Polizeisprecher Martin Schütz sagte auf Anfrage der bz , dass es keine anderen Gründe als die genannten gebe und dass die Einstufung «schon vor einigen Wochen» geschah. Er bestätigt jedoch auch, dass Gespräche mit Szenekennern stattgefunden haben, die in die Lagebeurteilung eingeflossen seien.

Polizist zieht Dienstwaffe

Fakt ist, dass die Zürcher Fussballszene aktuell ein Gewaltproblem hat. In einem im Dezember 2017 im «Tages-Anzeiger» erschienen Bericht mit dem Titel «Die junge Ultra-Welle» wird ein Vorfall geschildert, der an den Überfall auf der Kickboxer-Crew um Paulo Balisha auf die Reinacher Kampfsportschule von Shemsi Beqiri erinnert. Das wöchentliche Kampfsport-Training einer GC-Fangruppierung sei von «zwei Dutzend vermummten» FCZ-Fans überfallen worden, was folgte, war eine Schlägerei mit zehn Verletzten, schreibt die Zeitung.

Eine weitere Eskalationsstufe ereignete sich letzten Samstagabend, am Vortag des Stadtzürcher-Derbys. Dabei wurden zwei Zivilpolizisten von Fussball-Fans durch Flaschen- und Steinwürfe zunächst in eine Ecke gedrängt und danach durch Faustschläge traktiert, sodass einer von ihnen zur Notwehr seine Dienstwaffe ziehen, der andere sich durch einen Sprung aus vier Metern Höhe retten musste, wie einer Polizeimitteilung zu entnehmen ist.

Bemerkenswert: Der Vorfall ereignete sich nicht im Rahmen eines Spiels, sondern während eines «Umzugs» durch die Stadt am Vorabend des Derbys, wie die Polizei schreibt. Auch am Spieltag selbst suchten rivalisierende Fangruppierungen sowohl vor als auch nach dem Spiel die Konfrontation, was die Polizei zu einem Einsatz von Gummischrot sowie zu 13 vorläufigen Festnahmen zwang. Zum nächsten Rencontre der beiden Stadtclubs kommt es bereits heute Abend im Cup-Halbfinal (ebenfalls als Hochrisikospiel eingestuft).

Inwiefern auch die aktuelle spielerische Negativserie des FCB die Situation beeinflusst, bleibt ebenfalls Spekulation. Ex-FCB-Präsident Bernard Heusler sagte in einem älteren Artikel zum Thema gegenüber der «Basler Zeitung», dass «die Situation auch immer stark ereignisabhängig sei und mit der Ausgangslage zusammenhänge. So sei in der Endphase der Meisterschaft die Stimmung generell gespannter als zu Beginn.» Auch am Samstag kann die Ausgangslage einiges an Frustpotenzial bieten – etwa dann, wenn dem FCZ heute Abend im Gegensatz zum FCB der Einzug in den Cupfinal gelingen sollte.

Zwei Stunden vorher kein Bier

Während die Polizei weder über Zusatzkosten noch Einsatzdetails informiert, kommuniziert sie das bei Hochsicherheitspartien vorgesehene Alkohol-Regime aktiv. Dieses sieht vor, dass im Stadion kein alkoholhaltiges Bier verkauft wird und Verkaufsstände rund ums Stadion zwei Stunden vor Matchbeginn den Verkauf von Alkoholika einstellen.

Für den FCB ist die Situation mit Champions-League-Spielen vergleichbar, an denen im Stadion auch kein Alkohol ausgeschenkt werde, wie Sicherheitschef Beat Meier auf Anfrage sagt. Neu sei nur, dass auch im Perimeter ums Stadion kein Alkohol verkauft werde. Ob und zu wie hohen Einnahme-Einbussen die Massnahme führt, wird nicht kommuniziert.