Ausstellung

Kein Bock auf Böcklin

Die «Sitzung der Kunstkommission» in der Ausstellung «Hell Dunkel» in der Galerie Müller in Basel. (zvg)

Die «Sitzung der Kunstkommission» in der Ausstellung «Hell Dunkel» in der Galerie Müller in Basel. (zvg)

Die Ausstellung «Dunkel – Hell» vermittelt einen spannenden Einblick in die Basler Kunstszene des frühen 20. Jahrhunderts.

Es sieht aus wie eine Adaption von Rembrandts berühmten Anatomen: Eine Gruppe älterer Herren beugt sich vor düsterem Hintergrund über ein Blatt Papier. Es handelt sich um das gut 2 auf 2,5 Meter grosse Bild «Sitzung der Kunstkommission» von Jean-Jacques Lüscher.
Das 1930 gemalte Werk aus der Sammlung des Basler Kunstkredits hängt im Zentrum der Ausstellung «Dunkel – Hell. Ein Kapitel Basler Kunst» in der Basler Galerie Müller. Mit der Gegenüberstellung beleuchtet die Galerie, ausgehend vom 100. Geburtstag des Basler Kunstkredits, ein spannendes Kapitel der Basler Kunstgeschichte und -szene.

Dieses war von einem konservativen Geist geprägt. Das zeigt sich im beschriebenen Werk Lüschers, aber auch in weiteren dunkeltonigen Gemälden von Numa Donzé, Paul Basilius Barth oder Otto Roos.

Diese Maler waren gefangen vom stilistischen Erbe des grossen Basler Meisters Arnold Böcklin (1827 – 1907), wie der spätere Kunstmuseumsdirektor Georg Schmidt damals noch als Kunstkritiker feststellte. Die Avantgarde, die in der Kunsthalle sehr wohl zu sehen war, liessen sie links liegen und orientierten sich nach dem Realismus eines Gustave Courbet.

Diese konservative Zurückhaltung war auch eine Folge der für die Künstlerschaft überlebenswichtigen Vergabepolitik der Kunstkreditkommission, die ab 1919 mit ihren öffentlichen Aufträgen das konservative Basler Publikum nicht brüskieren wollte. Die gegenüber der Moderne aufgeschlossenen Künstler, die sich unter anderem zur expressionistischen Gruppe Rot/Blau zusammengeschlossen hatten, wurden bei den Wettbewerben nicht berücksichtigt. In der Galerie Müller werden nun die Werke von Rot/Blau unter dem Stichwort «hell» den dunklen Bildern ihrer Zeitgenossen gegenübergestellt. Es sind vor allem Ölgemälde und Holzschnitte der beiden Hauptvertreter Albert Müller und Hermann Scherer zu sehen, die sich deutlich von Ernst Ludwig Kirchner beeinflussen liessen.

Der stilistische Kontrast ist frappant. Er wird durch die stimmige Hängung sehr augenscheinlich präsentiert. So hängt neben der im klassisch-realistischen Stil dargestellten «Sitzung der Kunstkreditkommission» eine Gruppe von Holzstichen von Scherrer, die diese wohl als nicht zumutbar zurückgewiesen hätte.

Es ist dem Galeristen Dominik Müller hoch anzurechnen, dass er eine Verkaufsausstellung einmal mehr in einen anschaulichen kunsthistorischen Kontext stellt. Und dass er die zum Kauf angebotenen Bilder mit Referenzwerken aus öffentlichen und privaten Sammlung ergänzt, die wohl zum Bedauern einiger Kunstsammler nicht verkäuflich sind.

Nicht zuletzt ist es der Verdienst der Galerie, den recht zurückhaltend begangenen 100. Geburtstag des Kunstkredits mit einer kleinen historischen Rückschau zu ergänzen. Zwar hat der Kunstkredit anlässlich des Jubiläums einen Teil seiner Sammlung online öffentlich zugänglich gemacht. Aber eine direkte Begegnung mit Originalbildern kann das natürlich nicht ersetzen.

 

«Dunkel – Hell»
Galerie Müller

bis 2. November 2019
www.galeriemueller.com

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