Ach, wie schön es doch wäre. Ein «idyllisches Plätzchen», wie es den Befürwortern vorschwebt, im letzten Abschnitt der inzwischen belebten Rheingasse; ein Ort zum Verweilen am altehrwürdigen Antonierhofbrunnen in unmittelbarer Nähe zum Restaurant Linde. Doch seit Jahrzehnten blockiert eine Mauer zwischen Rheingasse und Utengasse jenen Ort, der ein Platz sein könnte. Lange war das allen wurscht, weil in der düsteren Gasse eh nichts lief.

Als vor gut zweieinhalb Jahren aber die Autos verbannt wurden und plötzlich Tische und Stühle die Parklücken der Rheingasse füllten, wurde die Mauer zum Thema. Weg soll sie, abgerissen werden, dies zugunsten eines «Dorfplatzes». Dies forderten Wirte und Rheingasse-Beleber Tino Krattiger. Selbst die Verwaltung fand die Idee gut, so gut, dass Baudirektor Hans-Peter Wessels im März 2015 zur bz sagte: «Die Idee, die Mauer zugunsten eines neuen Freiraumes in der dicht bebauten Altstadt abzureissen, klingt auf den ersten Blick bestechend. Noch ist aber nichts vertieft. Wir müssen die Idee prüfen.»

Die Euphorie ist weg

Wessels stand mit seiner Begeisterung nicht allein da in der Verwaltung: Auch das Arbeitsamt, das von der Mauer umgeben ist, war angetan von der Idee. Einem allfälligen Abriss würde man nicht im Wege stehen, hiess es damals. Und heute? Ist die Mauer noch da. Und die Euphorie hat sich gelegt – zumindest aufseiten der Verwaltung.

Es war nicht Wessels’ Departement, das die Sache prüfte, sondern das Finanzdepartement. Als Eigentümervertreter hat Immobilien Basel-Stadt (IBS) jedoch festgestellt: Ein Abriss der Mauer entspricht keinem Bedürfnis, wie Christian Schuster von IBS sagt. «Laut der Denkmalpflege handelt es sich bei der Mauer um einen schützenswerten Bau.» Bei den Anwohnern habe es ähnlich geklungen, wenn auch aus anderen Gründen. «Die Mehrheit der Anwohner sieht keinen Anlass, die Nutzung der Rheingasse auszudehnen», sagt Schuster. Die Angst vor Lärm sei zu gross.

Grossräten von links bis rechts lassen sich durch diesen Entscheid nicht abschrecken, sofern sie überhaupt davon wissen. Unter Federführung des «Kulturstadt Jetzt»-Aktivisten Sebastian Kölliker (SP) fordern die Politiker die Regierung in einem soeben eingereichten Anzug auf, zu tun, was Wessels damals angekündigt hatte: Zu prüfen, ob die Mauer entfernt werden und «aus einer engen und bedrückenden Situation etwas Grosszügigkeit» entstehen kann.

Nach den Sommerferien zeigt sich, ob die Politiker den Rat überzeugen können – und der Brunnen wieder Thema wird.