Am 6. Dezember spielt der FC Basel den letzten Match in der Europa-League-Gruppenphase gegen die belgische Mannschaft Genk. Das Spiel könnte darüber entscheiden, ob der FCB im Wettbewerb verbleibt oder nicht. Entsprechend dürften zahlreiche rot-blaue Supporter nach Belgien pilgern. Nun gibt aber die belgische Bahn SNCB den Spielverderber: Sie verlangt so hohe Preise, dass sich die FCB-Fans einen direkten Extrazug von Basel nach Genk nicht leisten können.

Centralbahn anstatt SBB

Die Basel-Anhänger wollten bei der Centralbahn AG, einem privaten Zugunternehmen mit Hauptsitz in Basel, einen Zug nach Genk chartern. Zwar wollten auch die SBB die Basler nach Belgien fahren, doch die Fans entschieden sich für die Centralbahn, welche sie beispielsweise auch schon ans Auswärtsspiel gegen Bayern München transportiert hatte. Die Firma verfügt über eigene Waggons und Lokomotiven. Allerdings hat das belgische Schienennetz andere technische Ansprüche als das Schweizer beziehungsweise das deutsche Netz. Deshalb hätte für die Strecke vom deutschen Aachen nach Genk eine belgische Lok kommen müssen. Aber: «Die belgische Eisenbahn hat einen so hohen Preis für die Strecke Aachen-Genk verlangt, dass es sich für die Fans nicht mehr gelohnt hätte», sagt Rolf Wesemann, Geschäftsführer der Centralbahn AG.

Widersprüchliche Argumente

Im Mailverkehr zwischen Wesemann und der SNCB wird dies folgendermassen begründet: «Es müssen besondere Sicherheitsmassnahmen ergriffen werden. Diese zusätzlichen Leistungen müssen vom Organisator des Zugs getragen werden.» Dazu muss man wissen: In Belgien werden für Fantransporte - im Gegensatz zur Schweiz - wegen Vandalismus in der Vergangenheit keine Züge mehr eingesetzt, wie ein SNCB-Sprecher gegenüber der bz erklärt. Die belgische Staatsbahn war nicht mehr bereit, für die von Fans zerstörten Zügen gerade zu stehen.

In diesem Fall hätte dies aber keine Rolle gespielt, weil das Rollmaterial ja aus der Schweiz gekommen wäre. Die Belgier hätten lediglich eine Lokomotive und das Schienennetz bereitstellen müssen. Das Argument der Sicherheit zieht nicht: Jetzt werden die FCB-Fans nämlich individuell mit Privatautos oder mit normalen Zugverbindungen anreisen. Für die belgische Polizei wird es nun um einiges schwieriger, die Fanmassen zu kontrollieren. Das bestätigt FCB-Fan-arbeiter Thomas Gander: «Für die Sicherheit ist es am besten, wenn die Fans zusammen anreisen. Dann ist die Route klar und die Fanarbeiter bei ihnen.»

SBB brachten FCZ-Fans nach Lüttich

Für Centralbahn-Geschäftsführer Wesemann ist der Fall klar: Der Monopolist SNCB wolle keine andere Reiseanbieter in seinem Netz. «Sie wollen vermutlich keine Extrazüge und machen deshalb solche Preise.» Dagegen spricht aber, dass die SBB letztes Jahr die Supporter des FC Zürich mit einem Extrazug ins belgische Lüttich zu dem Qualifikationsspiel für die Champions League gebracht hatten. Warum also ist das bei den FCB-Fans nicht möglich? Darauf weiss auch der SNCB-Sprecher keine schlüssige Antwort. Der zuständige SNCB-Reiseveranstalter und der «Match Commander» der Genker Polizei waren nicht zu erreichen: In Belgien wurde gestern gestreikt.