Thomas Gander kann die Basler Regierung nicht verstehen. «Als Sportinteressierter wäre mir nichts lieber, als wenn möglichst viele Baslerinnen und Basler Sport treiben», sagt der SP-Grossrat. Auch gesundheits- und sozialpolitische Gründe würden dafür sprechen.

Die Regierung sieht das indes anders. Sie wehrt sich gegen Begehren aus dem Kantonsparlament und vom Dachverband «Sport Basel». Beklagt wird, dass stetig steigende Gebühren für die Nutzung kantonaler Sportanlagen das Budget aller Vereine zunehmend belasteten. Diese Kostenlast gefährde nicht nur attraktive Mitgliederbeiträge, sondern die Existenz vieler Vereine – zumal es immer schwieriger werde, Drittmittel zu generieren.

Sport Basel und der Panathlon Club beider Basel haben deshalb Ende Juni eine Petition mit 5358 Unterschriften eingereicht. Ziel: Die Sportvereine sollen für die Nutzung der kantonalen Sport- und Bewegungsanlagen von Kosten und Gebühren befreit werden. Einen breit abgestützten Vorstoss mit derselben Stossrichtung hat Gander im Grossen Rat eingereicht.

Kosten sind der Basler Regierung zu hoch

Die Regierung aber will davon nichts wissen. In einer umfassenden schriftlichen Antwort führt sie gleich eine ganze Liste von Gründen auf, die gegen eine Gebührenbefreiung für die Stadtbasler Sportvereine sprechen. So sei für Kinder und Jugendliche die Nutzung schon heute kostenlos. Viel wichtiger sind für die Regierung aber die zu erwartenden Ausfälle und Mehrkosten, die auf die Staatskasse zukommen würden. Diese seien «gemessen am Nutzen zu hoch.» Mit bis zu 3,3 Millionen Franken rechnen die Behörden.

Gleichzeitig könne eine kostenlose Nutzung zu einer vermehrten Nachfrage führen, möglicherweise gar zu Verlagerungen von Nutzungen aus Nachbargemeinden. Das hätte weitere Mehrkosten zur Folge, gibt die Regierung zu bedenken. Ausserdem könne eine höhere Nachfrage dazu führen, dass zusätzliche Sportanlagen gebaut werden müssten. Und zu schlechter Letzt könnte eine kostenlose Nutzung zu einer Ungleichbehandlung führen. «Andere Vereine wie Chöre oder Fasnachtscliquen dürften es als stossend betrachten, dass sie weiterhin Gebühren für die Nutzung von Schulanlagen ausserhalb der Schulzeiten entrichten müssen», argumentiert die Regierung.

Sie zeigt sich aber zumindest bereit, das Thema mit einem weniger verbindlichen Anzug näher zu prüfen. Denn, wenn der Grosse Rat die sportliche Betätigung der Kantonsbevölkerung fördern wolle, gäbe es «deutlich bessere Alternativen», ist die Regierung überzeugt. So will sie Sportvereine lieber weiter nach Mitgliederzahl fördern. Sinnvoll könne es aber auch sein, die Gebührenstrukturen zu überprüfen mit dem Ziel, dass die bestehenden Anlagen besser ausgelastet werden.

«So schnell geben wir sicher nicht auf»

Das aber reicht Sportpolitiker Gander nicht. Der SP-Grossratsfraktionschef ist klar der Meinung, «dass die Mehrkosten für die vermeintliche Sportstadt Basel finanzpolitisch verträglich sind». Auch Marco Liechti ist überzeugt, dass sich der Kanton das leisten könne, betont der Präsident von Sport Basel. Wolle man Jugendliche zum Sport führen, müsse man diesen eben auch entsprechend zusätzlich fördern.

Gander wie Liechti möchten deshalb unbedingt an ihrer Forderung festhalten. «Für uns bedeutet das nun Fleissarbeit», sagt Liechti. Der Dachverband wolle in den kommenden Wochen und Monaten unter den Mitgliedern des Grossen Rats kräftig lobbyieren. «So schnell geben wir sicher nicht auf», sagt Liechti.