Die Titanwurz – die grösste Blume der Welt – macht ihrem Namen alle Ehre. Das berühmte Exemplar im Botanischen Garten der Universität Basel gedeiht so prächtig, dass sie diesem schon bald zu gross werden könnte. «Schon jetzt fehlen nur noch wenige Zentimeter bis zur Decke. Sie ist schon zwischen die Heizungsröhren gewachsen», sagt Bruno Erny, Betriebsleiter des Botanischen Gartens. Das Blatt sei mit 3,4 Metern Höhe und 9 Quadratmetern ausgewachsen, aber: «In der nächsten Vegetationsphase besteht die Gefahr, dass das Blatt noch grösser wird.» Bis dann muss eine Lösung für den Stolz des Botanischen Gartens gefunden werden. «Wir überlegen uns Szenarien, aber die sind mit Investitionen verbunden», sagt Erny.

Blatt wächst höher als die Blüte

Das Problem: Die Titanwurz ist eine heikle Pflanze. Sie verlangt viel Wärme, Licht und Feuchtigkeit. In der Nacht darf es nicht kälter als 24 Grad, am Tag nicht wärmer als 35 Grad werden. «Beträgt die Temperatur so um die 30 Grad und die Luftfeuchtigkeit 90 bis 100 Prozent, findet sie das toll», erklärt Erny. Die Basler Titanwurz ist deshalb separat im Orchideengewächshaus untergebracht, welches nun aber zu klein zu werden droht.

Rückblende: Im November des letzten Jahres blühte die Basler Titanwurz zum zweiten Mal nach 2011. Das Interesse war so gross, dass Besucher teilweise bis zu zwei Stunden anstanden, um einen Blick auf die stinkende Blüte zu erhaschen. Im Dezember wurde die Knolle dann frisch eingetopft, seither befindet sich die Pflanze in der Vegetationsphase. In dieser bildet sich ein einziges, riesiges Laubblatt. Nach etwa 12 bis 20 Monaten stirbt dieses ab. Wenn die Knolle dann ein Gewicht von rund 20 Kilo erreicht hat, tritt die Titanwurz in die Blütephase ein.

Nächsten Sommer soll sie blühen

Beim Botanischen Garten geht man davon aus, dass die Titanwurz nächstes Jahr wieder blühen wird. «Plusminus Sommer 2014», sagt Erny. Kritisch könnte es danach werden, wenn das Blatt der Pflanze wieder in die Höhe wächst. Möglich wäre, dass man die Titanwurz ins Tropenhaus umplatziert. Aber: «Dort müssten wir sie vor Bodenschädlingen schützen.» Ausserdem ist es im Tropenhaus im Winter mit rund 18 Grad eigentlich zu kalt. Eine andere Möglichkeit wäre ein separates Gewächshaus für die eigenwillige Pflanze. Entschieden ist noch nichts. «Zum Glück haben wir noch ein bisschen Zeit», sagt Erny und betont: «Es ist immer noch eine Pflanze. Sie macht nicht immer das, was wir erwarten.»

Der Chef des Botanischen Gartens freut sich schon jetzt auf nächstes Jahr, wenn die Titanwurz – die eigentlich im indonesischen Sumatra beheimatet ist – wieder blühen wird. Der Rhythmus von zwei Jahren sei normal. «Wenn man die Pflanze unter optimalen Bedingungen hält, ist das so.» Der Botanische Garten plant bereits für das rare Grossereignis, wenn nächstes Jahr die Titanwurz-Blüte wieder für ein paar Tage zu bestaunen sein wird.

«Es war ein wahnsinniger Aufwand», sagt Erny, wenn er auf letzten Herbst zurückblickt. 50 Leute seien im Einsatz gestanden. Trotzdem gab es lange Warteschlangen. Die Besucher wurden nur tröpfchenweise zur nach Aas riechenden Blüte gelassen. «Wir überlegen uns einen anderen Zugang zur Pflanze, damit es keine Wartezeiten mehr gibt.»

2014 wäre nach 2012, 2011 und 1936 das vierte Mal, dass eine Titanwurz in der Schweiz blüht.