Gesundheit

Kein Platz: Unispital lässt 90-Jährigen mit Atemnot per Taxi ins Bruderholzspital verfrachten

Mit dem Taxi von der Basler Notfallstation ins Bruderholzspital: Bei hoher Bettenbelegung kann das durchaus vorkommen. Juri Junkov

Mit dem Taxi von der Basler Notfallstation ins Bruderholzspital: Bei hoher Bettenbelegung kann das durchaus vorkommen. Juri Junkov

Wegen eigenem Bettennotstand lieferte das Basler Unispital einen Patienten ins Bruderholzspital ein – per Taxi, weil kein Platz mehr da war. Doch auch auf dem Bruderholz beklagt man Engpässe.

Nach dem Röntgen direkt ins Taxi: Der neunzigjährige Beat Koller* erlebte am Dienstagnachmittag eine ungewöhnliche Situation, als er wegen Atemnot die Notaufnahme des Basler Unispitals aufsuchte. Nach einem EKG und zweimaligem Röntgen wurde er darüber informiert, dass das Spital voll besetzt sei: «Man sagte mir, ich müsse im Spital bleiben, es gebe aber keinen Platz für mich.» Der Senior erhielt einen Taxigutschein und wurde mit dem Taxi kurzum ins Baselbieter Bruderholzspital gefahren. Seit drei Tagen ist er nun dort stationiert.

Tatsächlich ist das Unispital momentan voll besetzt, wie Mediensprecher Thomas Pfluger bestätigt: «Das USB ist seit Jahren und mit wenigen Ausnahmen voll ausgelastet.» In der Regel handle es sich um Engpässe bei den Betten. So auch aktuell. Es sei in den vergangenen Tagen deswegen zu zwei Verlegungen ins Bruderholzspital gekommen. Die wenigen Betten, die noch frei waren, seien laut Pfluger für «besonders schwer erkrankte Patienten» bereit gewesen.

Auch das Bruderholzspital ist stark ausgelastet

Zum spezifischen Fall von Beat Koller möchte sich Pfluger nicht äussern. Er betont aber, vor einer Verlegung finde immer eine sorgfältige Prüfung des Gesundheitszustands des Patienten statt. «Es gehört zu den Kernkompetenzen unserer Fachleute im Notfallzentrum, das gesundheitliche Risiko einzuschätzen und entsprechend zu entscheiden.»

Wenn möglich würden Patienten, welche die Notfallstation des Unispitals aufsuchen, auch im selben Haus behandelt. Zu einer Verlegung in ein anderes Spital in der Region komme es nur, wenn dies medizinisch vertretbar sei und Platz für noch schwerer erkrankte Menschen reserviert werden müsse. «Die Verlegung erfolgt immer nach Rücksprache mit dem Patienten sowie mit dem aufnehmenden Spital», so Pfluger. Auch Patient Koller betont, er sei mit der Verlegung einverstanden gewesen: «Das kann eben passieren, wenn das Spital überfüllt ist.» Er sei nun eben ein bisschen weiter von seinem Wohnsitz in Basel entfernt, aber dies sei ja «kein Ding».

Zum Glück: Bett frei auf dem Bruderholz

Der Senior hatte allerdings Glück, dass im Bruderholzspital überhaupt genügend Platz vorhanden war. Denn auch das Kantonsspital Baselland ist beim Standort Bruderholz nahezu vollbesetzt, wie Sophie Thum, Sekretärin des Verwaltungsrates, auf Anfrage schreibt: «Das KSBL ist am Standort Bruderholz aktuell zu 90 Prozent ausgelastet», die Belegung sei damit «ebenfalls hoch». Sowohl eine Auslastung der Betten als auch Engpässe beim Personal können laut Thum zu saisonalen Spitzenzeiten vorkommen, also während «der Grippezeit im Winter und den Hitzeperioden im Sommer».

Die hohe Belegung der beiden Spitäler sei denn auch keine Überraschung, so CVP-Grossrat Remo Gallacchi, Mitglied der Basler Gesundheits- und Sozialkommission: «Solche Fälle wird es immer wieder geben.» Für ihn stellen sich nun zwei Fragen: «Haben wir genug oder zu viele Betten? Und was tun wir bei Spitzenzeiten?» Es sei normal, dass mit einer Durchschnittsbelegung gerechnet werde. «Sonst wäre der Spitalaufenthalt ja noch weniger bezahlbar.»

Dringende Bedarfsabklärung

Eine Auffassung, die auch Kommissionspräsidentin und SP-Grossrätin Sarah Wyss teilt. «Stehen die Spitäler jeweils zu zehn Prozent leer, dann entstehen wahnsinnige Kosten, die schlussendlich die Patienten tragen müssen.» Für Wyss gibt es daher nur eine Lösung: «Es braucht eine Bedarfsabklärung, die wir gemeinsam mit dem Kanton Baselland im Rahmen des Staatsvertrags I durchführen müssen.» Dabei müsse insbesondere die Frage der Finanzierung geklärt werden.

Auch Gallacchi betont, gerade nach dem Nein zur Spitalfusion brauche es eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen den Nachbarkantonen: «Wir müssen die regionale Zusammenarbeit nun umso mehr fördern. Daher begrüsse ich diese Kooperation grundsätzlich.»

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*Name geändert

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