Coronavirus
Kein Spielraum für Maskenverweigerer: Beim Einkaufen ist die Maske Pflicht – in Basel wie ennet der Grenze

Die meisten Einkaufstouristen im Weiler Rheincenter beachten die Maskenpflicht. Am Anfang meckerten die meisten, wenn sie eine Maske tragen mussten. Doch das hat sich mittlerweile gelegt. Manche Probleme bleiben jedoch weiterhin bestehen.

Boris Burkhardt
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Ayse Esen (Mitte) verkauft neben ihrem Ladengeschäft weiterhin Masken an Kunden des Rheincenters.

Ayse Esen (Mitte) verkauft neben ihrem Ladengeschäft weiterhin Masken an Kunden des Rheincenters.

Boris Burkhardt

Ayse Esen sitzt alleine im grossen Windfang des Haupteingangs des Rheincenters in Weil am Rhein. An ihrem Tischchen bietet sie Mundschutzmasken in allen Farben, Mustern und Materialien zum Verkauf. «Bitte Maske aufsetzen!», sagt sie freundlich zu einem vorbeigehenden Herrn, dessen erschrockene Reaktion deutlich macht, dass er diesmal tatsächlich nur vergessen hat, den Mund-Nasen-Schutz aufzuziehen.

Seit in der ganzen Schweiz im öffentlichen Verkehr und in Basel-Stadt auch in allen Geschäften Maskenpflicht gilt, ist ein gewichtiges Argument verloren gegangen, nicht in Deutschland einzukaufen: Der Basler und der deutsche Detailhandel kämpfen sozusagen wieder mit gleich kurzen Spiessen.

Ob jetzt tatsächlich mehr Schweizer im Rheincenter einkaufen als noch vor wenigen Wochen, als der Mundschutz in der Schweiz lediglich eine Empfehlung des Bundesamts für Gesundheit war, können Alev Kahraman und Alexander Müller nicht mit Zahlen bestätigen oder widerlegen.

An den heissen Tagen im August seien sowieso deutlich weniger Leute in Kauflaune gewesen; erst in den letzten Tagen habe die Nachfrage wieder angezogen, berichten die Centermanagerin und der Geschäftsleiter des grössten Mieters Marktkauf. Noch vor zwei Monaten gab es im Eingangsbereich des Rheincenters weitere Verkaufsstände für Einweg- und Stoffmasken.

«Am Anfang war es katastrophal»

Damals war es der Schweizer Kundschaft erst seit kurzem wieder möglich, in Deutschland einzukaufen. Viele wussten zu jenem Zeitpunkt noch nichts von der Maskenpflicht in Deutschland – oder spielten zumindest ihre Unkenntnis vor. Denn immer wieder gab es Gerüchte und gelegentliche Medienberichte von renitenten Schweizern, die prinzipiell keine Maske aufsetzen wollten, weil sie das auch im eigenen Land nicht müssten.

Das wiederum können Kahraman und Müller kaum bestätigen. Anfangs seien zwar viele Schweizer Kunden noch nicht informiert gewesen: «Aber den Schweizern konnte man es einfach erklären; und sie waren einsichtiger», sagen beide und lassen dabei unausgesprochen, welche andere verbliebene Nation im Dreiländereck in dieser Hinsicht «nachlässiger» war.

«Alle haben gemeckert und wollten keine Maske tragen.»

(Quelle: Ayse Esen)

Esen gehört der kleine Handyladen direkt hinter dem Haupteingang des Centers. Centermanagerin Kahraman fragte sie an, ob sie den Maskenstand übernehmen würde. «Am Anfang war es katastrophal», hat sie deutlich andere Erfahrungen gemacht, als Kahraman und Müller zu Protokoll geben: «Alle haben gemeckert und wollten keine Maske tragen.»

Einige Renitente wurden mit Hausverbot belegt

Vormittags und zwischen 16 und 18 Uhr sei die Maskendisziplin auch heute noch recht lasch, hat sie festgestellt; vor allem bei Jugendlichen. Einen solchen, kaum 14 Jahre alt, aber deutlich über dem Maskenpflichtalter von sechs Jahren, ermahnt sie eben, als er vorbeigeht. Widerwillig zieht er seine Maske auf, während er weiter in das Gebäude geht, will sie dann gleich wieder absetzen, ist aber durch die Fotokamera des Journalisten verunsichert – und behält sie doch noch eine Weile auf.

Mark Biga kennt solche Typen, die die Maske unters Kinn ziehen, sobald sie den Eingang passiert haben. Die gebe es unabhängig von der Nationalität. Biga ist der Inhaber der gleichnamigen Sicherheitsfirma, die in der Zeit nach der Grenzöffnung ständig mit sechs Mann vor Ort war. Inzwischen reichen unter der Woche drei Security-Mitarbeiter aus. «Handgreiflichkeiten gab es mit Maskenverweigerern noch nie», sagt Biga: «Aber wir mussten schon ein paar Hausverweisungen aussprechen. Wir merken uns die Gesichter.» Biga hat bei Schweizer Kunden eine deutliche Veränderung festgestellt: «Es ist sehr, sehr viel besser geworden, seit die Schweizer auch bei sich Masken tragen müssen. Es gibt fast keine Diskussionen mehr.»

Kahraman und Müller erläutern noch einmal, warum sie die Maskenpflicht streng kontrollieren müssten: Zum einen würden sie selbst regelmässig vom städtischen Ordnungsamt inspiziert, ob sie die Maskendisziplin durchsetzen, sagt Kahraman. Zum anderen habe er auch eine Fürsorgepflicht gegenüber seinen Mitarbeitern, sagt Müller. «Es gibt immer renitente Menschen, auch bei anderen Themen», fügt Kahraman an: «Das sind wir uns gewohnt. Solche Menschen wollen sich aufregen.»

Im Windfang vor dem Tischchen von Ayse Esen hat ein älteres Ehepaar mit einem Einkaufswagen angehalten. Sie trägt den Mundschutz bereits; er packt seinen gerade geduldig aus einer Plastiktüte in seiner Tasche aus. Es sind Schweizer, wie sie auf Nachfrage bestätigen, allerdings aus Bern und dementsprechend das erste Mal seit einem Jahr im Rheincenter. Die Maske tragen sie schon lange freiwillig – und wünschten sich, in Bern gebe es dazu eine Pflicht wie neuerdings in Basel.

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