«Die AfD macht mir Angst.» «Das gibt Krieg im Bundestag.» «Ich bin enttäuscht und wütend.» Die Reaktionen auf das Wahlergebnis der Alternative für Deutschland (12,6 Prozent) unter der Wählerschaft sind eindeutig. In Friedlingen, direkt hinter der Schweizer Grenze, herrscht am Morgen nach der Bundestagswahl Katerstimmung. Viele haben das Ergebnis zwar erwartet. Jetzt, wo es da ist, fragen sie sich, wie es dazu kommen konnte.

«Weil die CDU immer linker geworden ist, hat sie jetzt viele Wähler an die AfD verloren», meint ein Rentner. «Die Politik ist für viele Leute zu kompliziert geworden. Deswegen haben einfache populistische Wahlversprechen, wie sie die AfD macht, zunehmens Erfolg», sagt eine junge Frau.

Wahlsieger Armin Schuster (CDU, 39,3 Prozent) liest aus dem Ergebnis keinen Wahlerfolg der AfD, sondern den Erfolg einer Protestpartei ab: «Die Wähler haben uns einen Denkzettel verpasst. Das müssen wir ernst nehmen. Erfreulich finde ich, dass die AfD in meinem Wahlkreis mit 10,6 Prozent schlechter abgeschnitten hat als im Bundesschnitt», sagt Schuster.

Das mag für den gesamten Wahlkreis Lörrach/Müllheim stimmen, in Weil am Rhein (AfD-Anteil 13,7 Prozent) und speziell in Friedlingen (21,3 Prozent) erhält die Partei jedoch deutlich mehr Zuspruch.

Mehr als jeder fünfte Friedlinger hat sein Kreuzchen am Sonntag hinter die AfD gesetzt. Schon bei der Landtagswahl vor einem Jahr stimmten 24,4 Prozent für die AfD, was hauptsächlich auf den hohen Ausländeranteil von 32 Prozent zurückzuführen ist. Aber am Morgen nach der Wahl gibt es von der rechten Wählerschaft noch keine Spur.

Sieger nicht alleine nach Berlin

Auch AfD-Kandidat Wolfgang Fuhl ist am Montag nicht erreichbar. Mit 9,6 Prozent der Erststimmen hat er im Wahlkreis Lörrach/Müllheim zwar sechs Prozent mehr als 2013, aber insgesamt nur die viertmeisten Stimmen erhalten. Fuhl gehört auch nicht zu den 87 AfD-Kandidaten, die auch über die Landesliste in den Bundestag nachrücken. Trotzdem geht Wahlsieger Armin Schuster nicht als einziger aus dem Wahlkreis Lörrach/Müllheim nach Berlin.

Er wird begleitet von Christoph Hoffmann (FDP, 8,7 Prozent), der über die Landesliste ins Parlament nachrückt. Gerhard Ziegenheiner (Grüne, 15,0 Prozent) bleibt dagegen zu Hause. Er war auf Rang 14 der Landesliste geführt. Nur 13 Grüne rückten aus Baden Württemberg nach. Auch Jonas Hoffmann (SPD, 21,1 Prozent), Polit-Neuling und erster Herausforderer von Schuster, wird weder von den Wählern, noch von der Partei nach Berlin geschickt.

Keine Angst vor Nazis

Zurück nach Friedlingen. Dort sitzen zwei junge Männer auf einer Parkbank am Rhein. «Wer die AfD wählt, hat seine Gründe», sagt einer der beiden. Die Frage nach seinen persönlichen Beweggründen will er nicht beantworten. Zwischen den Zeilen lässt er durchblicken, dass er die AfD gewählt hat.

Auch aus anderen Gesprächen entsteht der Eindruck, dass sich der AfD-Wähler nicht gerne als solcher outet. «Ein Mitarbeiter von mir hat sicher die AfD gewählt», sagt Bernd (Name geändert). «Ihm geht es eigentlich gut. Er hat ein Haus und gehört zur Mittelschicht. Aber er hat Angst, dass Ausländer ihm sein bisheriges Leben wegnehmen könnten. Deswegen wählt er AfD», sagt Bernd und fügt hinzu: «Für mich sind das Nazis.»

In den vielen ausländischen Geschäften in Friedlingen sorgt weder das Wahlergebnis, noch der Fakt, dass jeder fünfte Friedlinger ausländerfeindlich ist, für Angst und Schrecken. «Ich finde das Resultat nicht gut, aber Angst habe ich nur vor dem Kapitalismus», sagt Mehmet Bural vom Grillpalast. Auch Ahmet Mendes vom Kebab-Imbiss Antep Sofrasi schliesst sich BuralsMeinung an. «Rassismus gibt es überall. Auch in Deutschland. Schon in der Schule oder im Fussballverein habe ich das am eigenen Leib gespürt. Jetzt gibt es halt eine neue Partie, die von solchen Leuten Stimmen bekommt. Doch Politiker sind alle gleich. Auch die AfD wird nichts ändern», sagt Mendes.