Mit der Verkürzung des Gymnasiums wird es eng für die Basler Gymnasiallehrer, denn es wird weniger Lehrer brauchen. Seit Kurzem sind die Gespräche abgeschlossen, die mit dem Personal geführt wurden, um herauszufinden, wie sich der Personalbedarf durch die Schulreform verändert.

Durch die Verkürzung von fünf auf vier Jahre wird es weniger Lehrpersonal brauchen. Kommt hinzu, dass es ein erklärtes Ziel der neuen Sekundarschule ist, die Anzahl Übertritte ins Gymnasium von heute 38 auf 30 Prozent zu senken - was den Bedarf nochmals verringert.

Kleineres Pensum rettet Kollegen

In den letzten Wochen sei ein Ruck durch die Basler Gymnasien gegangen, beschreibt CVP-Grossrat Oswald Inglin, selber Gymnasiallehrer und Konrektor des Leonhardsgymnasiums, die Situation: «Es gibt eine grosse Solidarität.»

In Fachgruppen hätten Lehrer überlegt, wer wo Stunden abgeben kann, damit andere nicht den Job verlieren. «So konnte die Kündigungsangst unter den Festangestellten ein wenig gedämpft werden, die so die Durststrecke überstehen können.» Mit Durststrecke sind insbesondere die Schuljahre 2017/18 bis 2019/20 gemeint.

Dann werden wegen des Aufbaus der neuen, dreijährigen Sekundarschule keine neuen Schülerinnen und Schüler ans Gymnasium übertreten. Dagegen wurde eine staatliche Abfederungsmassnahme ergriffen: Diesen Sommer starten parallel je ein langer, fünfjähriger, und ein verkürzter, vierjähriger, Matura-Zug. Insgesamt vier Übergangsjahrgänge werden in diesen unterschiedlich schnellen Gymnasialzügen geführt.

Im Schuljahr 2021/2021 werden dann definitiv nur noch vier Jahre Gymnasium die Regel sein in Basel. Die meisten unbefristet Angestellten müssen davon ausgehen, dass ihre Verträge nicht verlängert werden.

«Der Kanton Basel-Stadt will auch in schwierigen Zeiten ein guter Arbeitgeber sein», sagt Hans Georg Signer, Leiter der Basler Mittelschulen und der Berufsbildung. Er bestätigt die Solidarität unter den Lehrerinnen und Lehrern. «Diese nützt viel, weil die grosse Stellenknappheit zeitlich auf wenige Jahre befristet ist.» Wie viele Stellen durch Pensenreduktionen und durch den Abbau von angesparten Stunden gerettet werden könne, sei schwierig abzuschätzen, sagt Signer.

Sicher ist, dass bisher noch keine Entlassung an einem Basler Gymnasium ausgesprochen wurde. «Und meines Wissens ist auch keine geplant», ergänzt Signer. Unberechenbar sei auch die Entwicklung der natürlichen Fluktuation. «Darum können wir nicht abschliessend planen, sondern werden jedes Jahr aufs neue die Personalsituation evaluieren müssen.»

Wechsel auf andere Stufen

Neben Solidarität, Stundenabbau und den doppelten Gymnasialzügen hat der Kanton ein weiteres abfederndes Angebot: Wer am Gymnasium keine Stelle mehr findet, soll auch auf die neu geschaffene Sekundarstufe I wechseln können. Und das wird auch passieren: «Es sind Wechsel an die Sekundarschule, an ein Gymnasium im Baselland, an die Fachmaturitäts-Schule und in die Berufsbildung nötig und zum Teil auch schon beschlossen.»

Während also im Kanton Baselland Sekundarlehrer wegen der Verkürzung von vier auf drei Jahren Sekundarschule um ihre Stellen fürchten, fängt Basel-Stadt mit Wechseln auf diese Stufe die Engpässe auf, die durch die Verkürzung des Gymnasiums entstehen. «Man kann hier die Kantone nicht gegeneinander ausspielen», betont Signer. Das Basler Personalgesetz schreibe vor, dass nach Möglichkeit innerhalb des Kantons Lösungen angeboten werden müssten, bevor eine Lehrperson entlassen werde.

Was es nicht geben wird, ist eine erleichterte Frühpensionierung. Dafür sieht die Regierung keine Möglichkeit, wie sie in ihrer Antwort auf eine schriftliche Anfrage von CVP-Grossrat Oswald Inglin schreibt. Er wollte wissen, ob mit einer Frühpensionierungsaktion ab dem Alter von 57 Jahren die Konsequenzen der Gym-Verkürzung abgefedert werden könnten.

Die Regierung begründet ihr nein mit der rechtlichen Situation. Zudem wäre das teuer.Pro vorzeitiger Pensionierung entsteht bei einem Gymlehrer mit vollem Pensum eine Deckungslücke von 500 000 Franken. Laut dem geltenden Personalgesetz seien vorzeitige Pensionierungen ab dem Alter von 58 Jahren mögliche, jedoch nicht im Sinne einer Aktion, die der Kanton einer grösseren Gruppe von Gymnasiallehrpersonen anbiete, schreibt die Regierung weiter.