Eigentlich ist es klar: Wer im Gymnasium am Münsterplatz die Matur besteht, feiert dies im Münster. Schliesslich sind das ehemalige Humanistische Gymnasium und die Basler Hauptkirche ja direkte Nachbarn.

Doch die Jahresabschlussfeier des Gymnasiums wird nicht im Münster stattfinden. Nicht in diesem Jahr und wohl auch nicht in absehbarer Zukunft. Der Grund dafür: Die Schulleitung will keine religiösen Einflüsse an ihrer Feier, die Münstergemeinde ist aber nicht bereit, unter ihrem Dach einer Veranstaltung Platz zu bieten, die die Religion ganz ausschliessen will. Oder wie es in einem internen Protokoll des Gymnasiums steht: «Es kam zu keiner Einigung, weil die Evangelisch-reformierte Kirche (ERK) auf einem Grusswort bestand, das sie für kirchliche PR-Zwecke nutzen möchte.»

Roger Thiriet, der Sprecher der ERK, bestätigt die Absage: «Für die Vermietung des Münsters ist die Münsterkommission zuständig. Und die hat beschlossen, etwas restriktiver zu sein bei kirchenfernen Anlässen.» Grund dafür sei es, dass das Münster sehr beliebt sei. Und darum stelle man gewisse Bedingungen: «Wir versuchen, das Münster vor allzu viel Allotria zu schützen. Sehr viele Veranstalter würden gerne das Münster mieten, die nichts mit der Kirche zu tun haben.»

Im Minimum ein Grusswort

Und deshalb bestehe die Gemeinde darauf, dass sie mindestens mit einem Grusswort als Gastgeberin in Erscheinung treten dürfe. Der Leiter Kommunikation des Erziehungsdepartements – und Neffe des Kirchensprechers –, Simon Thiriet, will die Auseinandersetzung nicht zu schwer gewichten: «Von einem Problem zu reden, ist übertrieben. Es ist jedoch so, dass die Schule politisch und konfessionell neutral sein muss. Deshalb möchten wir an der Maturfeier des Gymnasiums Münsterplatz den Fokus auf die Schülerinnen und Schüler richten und nicht auf religiöse Inhalte.»

Offenbar hatte sogar die höchste Stelle im Departement, Regierungsrat Christoph Eymann (LDP), eingegriffen, sagt zumindest Roger Thiriet: «Es gab inoffizielle Kontakte zu Regierungsrat Christoph Eymann, die Münsterkommission hat darauf erneut über den Antrag beraten, kam aber zum gleichen, negativen Schluss.»

Versuch zur Versöhnung

Beim ED versucht man, die Rolle des Departementsvorstehers klein zu reden: «Eine Vermittlung von Herrn Eymann findet momentan nicht statt, weil die Gespräche auf anderer, direkter Ebene laufen.» Deshalb könne man auch nicht davon reden, dass Eymanns Schlichtungsversuche gescheitert seien: «Wir bieten aber jederzeit Hand zu Gesprächen auf jeder Ebene. Und wir sind zuversichtlich, dass eine für beide Seiten zufriedenstellende Lösung gefunden wird.» Weil die Kirchgemeinden jeweils autonom ihre Entscheide fällen ist es beispielsweise in der Gellertkirche oder der Pauluskirche möglich, Maturfeiern durchzuführen.

Und auch das Gym Münsterplatz weicht in einen anderen Sakralbau aus, wo es von unerwünschten Botschaften verschont bleibt: in die Martinskirche. Allerdings merkt Simon Thiriet an, dass es hier ein Platzproblem gäbe: «Mit der Martinskirche konnte eine Alternativlösung gefunden werden. Schade ist allerdings, dass nun nicht alle Klassen der Maturfeier beiwohnen können, weil der Platz zu knapp ist.» So muss also nicht nur Gott aussen vor bleiben, wenn die Schüler des Gym am Münsterplatz das Ende des Schuljahres begehen, sondern auch ein Teil der Schüler.