Migration
Keine Koordination: Basler Museen zeigen zwei Ausstellungen zum selben Thema

Weil sich die Macher zerstritten, finden unkoordiniert zwei Ausstellungen zum gleichen Thema statt. Ein Beispiel für die fehlende Basler Museumsstrategie.

Christian Mensch
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Grosses Werbebanner über der Freien Strasse für die Ausstellung im Museum der Kulturen – und kein Wort von der Parallelausstellung «Magnet Basel». Nicole Nars-Zimmer

Grosses Werbebanner über der Freien Strasse für die Ausstellung im Museum der Kulturen – und kein Wort von der Parallelausstellung «Magnet Basel». Nicole Nars-Zimmer

Nicole Nars-Zimmer niz

Breite Werbeplakate in Basels Strassen weisen auf die Ausstellung «Migration. Bewegte Welt» im Museum der Kulturen (MKB) hin. Migration ist auch Thema der Ausstellung «Magnet Basel», die gleichzeitig in fünf anderen staatlichen Institutionen stattfindet. Darunter sind das Historische Museum, das Staatsarchiv und das Theater Basel sowie ausserhalb der Stadt das Museum.BL in Liestal und das Dreiländermuseum in Lörrach. Was die eine Ausstellung mit den anderen zu tun hat, ist selbst Kulturmanagern und -politikern wie Claudio Miozzari (SP) nicht bekannt. «Gehören die nicht zusammen?», fragt ebenso ahnungslos Martina Bernasconi von der Basler FDP.

Die Geschichte dahinter: Der Ausstellungsmacher Christoph Stratenwerth hatte die Idee für eine Migrationsausstellung, basierend auf Akten des Staatsarchivs. Er entwickelte das Konzept für «Magnet Basel», sicherte die Basisfinanzierung über Swisslos-Gelder und gewann Partnerorganisationen. Auch mit dem MKB war Stratenwerth vom Sommer 2015 bis zum Frühjahr 2016 im Gespräch. Intensiv wurde im 300 000-teiligen Bestand nach Objekten gesucht. Doch wegen «fehlender, gemeinsamer Basis», so Stratenwerth, wurde die Zusammenarbeit beendet. Zu «kurzfristig» sei seine Planung gewesen, sagt MKB-Direktorin Anna Schmid. Historiker und Ethnologen hätten einfach andere Zugangsweisen.

Damit war das Thema Migration für das MKB aber keineswegs erledigt. Vielmehr entstand nun in Eigenregie eine Konkurrenzveranstaltung mit dem ambitionierten Anspruch, «drängende Fragen zu diskutieren und Antworten zu skizzieren». Für Schmid ist die Doppelspurigkeit kein Problem. Das Thema sei vielfältig genug und die Ansätze unterschiedlich. Dass selbst in der Werbekommunikation mit keinem Wort auf den anderen eingegangen wird, bezeichnet sie als Fehler. Diesen Aspekt habe man einfach «aus den Augen verloren». Stratenwerth quittiert die Nicht-Zusammenarbeit mit dem Nicht-Besuch der MKB-Ausstellung.

Formell ist alles rechtens. Das Basler Museumsgesetz gewährt den kantonalen Museen weitgehende Autonomie. Mit dem Globalbudget können die Direktoren tun und lassen, was sie für richtig erachten. An einer Museumsstrategie, die zwangsläufig eine stärkere kulturpolitische Führung mit sich bringt, haben sie kein Interesse. Dass in der Regentschaft von Guy Morin die über Jahre versprochene Strategie nicht spruchreif wurde, gehört denn auch zu einem ihrer grössten Erfolge.

Ein anderer Wind weht beim Bund. Dieser vergibt seit diesem Jahr Fördergelder nach klaren Vorgaben. Es profitiert nur, wer Kriterien erfüllt und sich mit profilierter Arbeit ausweist. Von einer solchen Regelung ist die Museumsstadt Basel weit entfernt. Einen Anlauf in diese Richtung startet eine von Miozzari, aber auch von Heiner Vischer (LDP) unterzeichnete Motion. Darin ist eine Revision des Basler Museumsgesetzes gefordert: Führung, Steuerung und Kontrolle seien heute nicht klar geregelt, die Verantwortlichkeiten nicht eindeutig zugeordnet. Explizit heisst es: «Staatliche Museen sollen, wo sinnvoll, vertiefte Kooperationen mit anderen Institutionen eingehen.» Doppelte Ausstellungen zum gleichen Thema sollte es damit nicht mehr geben.

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