Und wieder hat er es getan. Wieder hat Roger Federer einen Tennis-Rekord gebrochen. Kein Spieler ist besser als unser «Basler Bub». Und trotzdem werden die Menschen der Region ihren «King» nicht hautnah feiern können. Bilder wie jene vor neun Jahren auf dem Basler Marktplatz bleiben nach Federers 8. Wimbledon-Sieg aus. Damals holte er bei den Olympischen Spielen in Peking Gold. Und die Massen strömten zum Rathaus. Es herrschte eine Stimmung, wie Basel sie sonst nur nach Siegen des FC Basel kennt.

Federer wird 2008 nach seinem Olympiasieg mit Stan Wawrinka in Basel gefeiert.

Federer wird 2008 nach seinem Olympiasieg mit Stan Wawrinka in Basel gefeiert.

Mit dabei ist auch Fabian Cancellara, Rad-Olympiasieger.

Als dieser im vergangenen Frühling den 20. Meistertitel gewann und einen zweiten Stern erhielt, beklebten Ladenbetreiber ihre Scheiben mit Goldsternen. Und jeder, der konnte, hängte eine Fahne vors Fenster. So mancher Stern klebt jetzt noch – und auch Fahnen wehen noch einige. Und Roger? Wo klebt und weht der?

Keine Chance für Federer-Airport

Sein Name wird in absehbarer Zeit an keinem neuen Ort prangen, das steht fest. Strassen und Plätze werden bei uns sowieso erst postum nach Prominenten benannt. Und auch für wichtige Bauten wie etwa den Euro-Airport sieht es nicht gut aus. Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann, die im Verwaltungsrat des Flughafens sitzt, hält es für keine gute Idee, diesen nach Federer zu benennen.

Roger Federers Wimbledon-Rekorde:

Ihr Regierungskollege Christoph Brutschin, auch er Verwaltungsrat beim Euro-Airport, ist gleicher Meinung – aus demselben Grund wie Ackermann, die sagt: «Es wäre wohl schwierig, die französische Seite von einer Namensänderung in Roger-Federer-Airport zu überzeugen.»

Die Reaktion von Jean-Marie Zoellé, Maire von Saint-Louis und ebenfalls Verwaltungsrat, beweist, dass die Regierungsräte richtig vermuten: «Das ist eine schöne Schnapsidee», sagt er. Aber klar, in Basel selber verdiene Federer Anerkennung.

Familie, Freunde, Royals: Roger Federer wird in Wimbledon gefeiert

Familie, Freunde, Royals: Roger Federer wird in Wimbledon gefeiert

Gäbe es im Baselbiet einen Flughafen, fiele das grenzüberschreitende Problem weg. Und eigentlich könnte Roger ja auch im Liestaler Stedtli empfangen werden. Doch auch die Baselbieter winken ab. «Ein Empfang ist in den kommenden Wochen nicht möglich, da Herr Federer seinen Kalender nun auf die US-Open in New York ausrichtet, die Ende August beginnen und ihn – hoffentlich – 14 Tage beschäftigen werden», sagt Landschreiber Peter Vetter.

Der Superstar der beiden (!) Basel

Der Basler Regierungssprecher Marco Greiner begründet die ausbleibende Siegesfeier ebenfalls mit Federers Agenda, sagt aber: «Vielleicht kommt das Thema ja nach den Sommerferien auf.» Offenbar ist der «King» hinter den Regierungskulissen sehr wohl Thema. Mehr als je ein Gratulationsschreiben liegt trotzdem nicht drin. Die Briefe liegen der bz vor – und siehe da, sie fallen, verglichen mit sonstigen offiziellen Briefen, ziemlich euphorisch aus.

Es fehle ihr «das Vokabular, um diesen Sieg zu beschreiben», schreibt die Basler Regierung – und wird dann sehr blumig: «elegant», «variantenreich», «unwiderstehlich», «fantastisch» und «grossartig» steht da. Vor allem dieser baselspezifische Satz dürfte Federer freuen: «Der ehemalige Junior des Tennis Clubs Old Boys Basel ist eine Sportlegende, die mit unsterblichen Grössen wie Muhammad Ali, Pelé oder Eddy Merckx in einem Atemzug genannt wird.»

Gänsehaut-Momente: Alle 8 Wimbledon-Siege von Roger Federer im Video

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Auch die Baselbieter gratulieren schriftlich, ohne die positiven Auswirkungen auf den eigenen (Halb-)Kanton zu verschweigen: «Als Sportsmann von Weltruf sind Sie buchstäblich in allen Ländern der Erde der herausragende Botschafter unseres Kantons», schreibt die Regierung.

Basel Tourismus lässt Federer aus

Weniger schnell auf den Rekord reagiert haben die Betreiber der Läden in der Innenstadt. Die Manor präsentiert an bester Lage im Parterre nach wie vor Skateboards und Wickelfische und nicht etwa T-Shirts mit dem «RF»-Logo oder dergleichen.

Auch der Nike-Laden in der Steinenvorstadt hat zu Ehren ihres berühmtesten Werbeträgers weder ein Bild des Maestro ins Schaufenster gestellt noch dieses mit Tennisbällen geschmückt. Das einzige, was in der Stadt gestern immer wieder ins Auge stach, war ein Kiosk-Aushang, der typisch ist für seinen Urheber: «Roger Federer, 8. Weltwunder», titelte der «Blick».

Zu diesen zählt Federer bei Basel Tourismus nicht, sogar bei den «17 Gründen, Basel zu lieben» fehlt er. Der FCB schafft es immerhin auf Platz 12. Ganz vom Tisch scheint eine nachhaltige Ehrung des Tennisgottes aber nicht zu sein.

«Es gäbe geeignetere Objekte als eine bi-nationale Infrastruktur, die nach ihm benannt werden könnten», sagt Brutschin – um den Ball dann mit einer Frage den Baselbieter zuzuspielen: «Aber warum eigentlich nicht im Kanton Basel-Landschaft, da kommt Roger Federer ja ursprünglich her, nicht?»