Es war kein völlig erstklassiger Freispruch für den 25-jährigen Mann aus dem Kosovo. "Der Freispruch bedeutet nicht, dass das Gericht Ihnen in allen Punkten Glauben schenkt", machte Gerichtspräsident René Ernst dem Mann am Montag klar.

Im September 2017 wurde er in Mazedonien festgenommen und an die Schweiz ausgeliefert, seither sass er in Untersuchungshaft. Der Vorwurf:

Er soll vor fast genau einem Jahr im Club 59 in der Steinentorstrasse in Basel eine Frau kennengelernt und dann bei ihr zuhause trotz einer vollständigen Widerstandsunfähigkeit der Frau mit ihr Sex gehabt haben.

Danach soll er ihr auch noch eine Digitalkamera sowie eine goldene Omega-Uhr im Wert von 3200 Franken geklaut haben.

Der 25-Jährige stritt die Vorwürfe ab: Man habe miteinander im Club geplaudert, geflirtet und getanzt, er habe ihr ein oder zwei Drinks spendiert, und dann habe man gemeinsam bei ihr zu Hause eine wilde und schöne Nacht verbracht. Richtig betrunken sei die Frau nicht gewesen.

Auch bestohlen habe er sie nicht. "Als ich in Mazedonien festgenommen worden bin, dachte ich erst, ich hätte irgendwo eine Busse offen. Ich kann mir nicht mal vorstellen, das, was mir hier vorgeworfen wird, einer Frau anzutun", sagte der Mann.

Die Frau hingegen hatte nach ungefähr dem zweiten Drink in dem Club einen Filmriss: Sie wachte am nächsten Tag nackt in ihrem Bett auf, wobei sie betonte, insbesondere im Winter schlafe sie immer im Pyjama und mit Wollsocken. Sie wurde am Montag im Basler Strafgericht nochmals zu jener Nacht befragt, für diese "indirekte Konfrontation" musste der Beschuldigte während der Befragung in einem Nebenraum Platz nehmen.

Keine Spur von K.o.-Tropfen, Falschbeschuldigung möglich.

Das aus zwei Richterinnen sowie dem Präsidenten zusammengesetzte Gericht hatte erhebliche Zweifel an der Version der Frau:

Videoaufnahmen des Clubs zeigen das Paar offensichtlich flirtend und eng umschlungen auf der Tanzfläche, und auch eine Freundin der Frau schilderte die Vorkommnisse im Club völlig anders. Die hatte behauptet, sie habe sich schon im Club durch die aggressive Art des 25-Jährigen belästigt gefühlt. "Ich bin eine glückliche Frau in einer Beziehung", betonte sie vor Gericht.

Das Insitut für Rechtsmedizin rechnete die Alkoholisierung der Frau zum Tatzeitpunkt aus, auch hier ergaben sich massive Widersprüche bei den Angaben. Anzeichen für K.o-Tropfen gab es nicht, bei der Untersuchung am nächsten Abend gegen 17 Uhr wären sie indes eh nicht mehr nachweisbar gewesen. Ein Überwachungsvideo zeigt laut Ernst auch, wie beide sicheren Schrittes vom Club wegspazieren.

Eine Falschbeschuldigung sei in diesem Fall nicht völlig auszuschliessen, fand das Gericht. "Die Knutschflecke hat man gut gesehen, und die hätte Sie ihrem Freund nicht erklären können", sagte René Ernst dazu. Insgesamt habe das Gericht erhebliche Zweifel an den Vorwürfen der Schändung wie auch der Diebstähle und kam deshalb zu Freisprüchen.

Allerdings war der Mann bereits zum dritten Mal illegal in die Schweiz eingereist und ist auch wegen Körperverletzung vorbestraft. Das Gericht verdonnerte ihn daher zu drei Monaten Freiheitsstrafe, die er in der Untersuchungshaft bereits abgesessen hat. Eine Entschädigung für die restlichen zwei Monate erhielt er aber nicht, da das Gericht frühere bedingte Geldstrafen widerrief und damit faktisch anrechnete.

Der Freispruch ist zwar noch nicht rechtskräftig, doch Staatsanwältin Anita Allenspach verzichtete auf eine sofortige Beschwerde zur Haftverlängerung. Damit wurde der 25-Jährige bereits am Montagabend in die weniger restriktive Ausschaffungshaft verlegt, worüber er sichtlich erleichtert war: Bald dürfte er im Flugzeug nach Pristina sitzen.