Wegen angeblich «rassistischen, islamophoben und rechtspopulistischen Inhalten» in der «Weltwoche» möchte der Studierendenrat der Universität Basel, dass die Zeitung künftig nicht mehr in den Räumen der Universität aufgelegt wird. In diesem Zusammenhang hat der Studierendenrat dem Vorstand der studentischen Körperschaft (Skuba) den Auftrag erteilt, das Rektorat davon zu überzeugen, die Auflage der Gratisausgaben der Zeitung in der Universität zu unterbinden.

Junge SVP ist schockiert

In einer gemeinsamen Medienmitteilung äussert sich die Junge SVP Basel-Stadt und Baselland zu diesem Antrag: «Die Junge SVP Basel-Stadt und Baselland sind schockiert über die Intoleranz, die der Studierendenrat mit seinen Forderungen an den Tag legt.»
Die Forderung zeuge ausserdem von Unduldsamkeit gegenüber Andersdenkenden und sei irritierend, da der Studierendenrat die Aufgabe habe, alle Studierenden der Universität Basel zu repräsentieren, heisst es in der Mitteilung. Gerade von einem Gremium aus «gebildeten jungen Menschen» könne erwartet werden, dass es sich auch mit «anderen Meinungen, als der eigenen» auseinandersetzt. Ausserdem werfen die beiden Jungparteien einigen Mitgliedern des Gremiums vor, ihre Position zu missbrauchen, um ihre «aktiv linkssozialistischen Ansichten und ihre eigene Agenda durchzusetzen.

Die Medienmitteilung ist von den Präsidentinnen und Vizepräsidentinnen der Jungen SVP Basel-Stadt und Baselland gezeichnet, unter ihnen die Baselbieter JSVP-Präsidentin Daria Liach, die bis vor rund einem Jahr Präsidentin der Skuba war.

Köppel wiederholt in der Kritik

Die beiden bürgerlichen Jungparteien weisen den Studierendenrat ausserdem unter Nennung des entsprechenden Gesetzesartikels auf die Informations- und Medienfreiheit hin und fordern das Rektorat auf, «in keinster Weise auf diesen Beschluss einzugehen».

Die «Weltwoche» und ihr Chefredaktor und SVP-Nationalrat Roger Köppel geben an der Universität Basel immer wieder Anlass für Kritik. Bereits im Dezember 2016, als Köppel über «Trump, Brexit und die Folgen für die Schweiz» in der Aula des Kollegiengebäudes referierte, wurde dies kontrovers diskutiert. Damals kritisierten SP-Grossrätin Sarah Wyss und Aktivistinnen und Aktivisten der Juso gemeinsam mit einzelnen Studierenden unter anderem, dass die Veranstaltung nicht von der Universität organisiert wurde, sondern von der «Weltwoche» selbst, die diese Räumlichkeiten im Kollegienhaus für ihre Zwecke gemietet hatte.

Antrag hat keine hohe Priorität

Der Leiter Kommunikation und Marketing der Universität Basel, Matthias Geering bestätigt, dass das Rektorat Kenntnis von dem Antrag des Studierendenrates hat und diesen prüfen wird. «Oberste Priorität hat der Antrag allerdings nicht», sagt Geering. Ausser der «Weltwoche» liegen in den Räumen der Universität neben den Basler Regionalzeitungen und grossen Zeitungen aus Deutschland auch politisch links orientierte Zeitungen wie die «WOZ» aus. «Bis jetzt gab es noch nie spezifische Einschränkungen betreffend des Zeitungsangebotes», sagt Geering.

Was an der Universität gelesen werden darf und soll und mit welchen Begründungen bestimmte Texte ausgeschlossen werden, sei unabhängig von dem aktuellen Antrag des Studierendenrates an der Universität immer wieder ein Thema. «Wir gehen aber grundsätzlich davon aus, dass die Studierenden und Dozierenden mündige Bürger sind und sich beim Lesen der verschiedenen Zeitungen selbst eine Meinung bilden können und sollen», sagt Geering.