Der Brief des Erziehungsdepartements kommt wenige Tage vor dem Schulbeginn nächste Woche. Der Inhalt hat es in sich: Statt wie bisher ein Jahreszeugnis vor den Sommerferien wird künftig auf der Sekundarstufe (siebtes bis neuntes Schuljahr) jedes Semester ein Zeugnis ausgestellt. «Mit jedem Zeugnis ist ein Wechsel in einen Leistungszug mit höheren oder tieferen Anforderungen möglich», schreibt Dieter Baur, Leiter Volksschulen.

Konkret werden damit die Bedingungen für die Basler Sek-Schülerinnen und -Schüler härter: Während bisher ein schlechtes Semester durch ein gutes wieder ausgebügelt werden konnte, werden die Schüler neu bei einem ungenügenden Zeugnis direkt einen Leistungszug heruntergestuft. Gefordert ist ein Zeugnis mit einem 4er-Schnitt und höchstens drei ungenügenden Noten. Zudem muss jede Ungenügende doppelt kompensiert werden – für eine 3,5 braucht es einen 5er.

Seit der Schulreform Harmos folgen in Basel-Stadt nach sechs Jahren Primarschule drei Jahre Sekundarschule. Dabei werden die Schüler in drei Leistungszüge eingeteilt: A (allgemeine Anforderungen), E (erweiterte Anforderungen) und P (hohe Anforderungen).

«So erhöht man den Druck auf die Schüler»

Für einen Wechsel in ein höheres Bildungsniveau ist umgekehrt ein Zeugnis mit einem Schnitt von 5,25 oder höher nötig. Dann war ein Stufenwechsel bereits bisher auch im Winter möglich. «Das wollten wir angleichen», sagt Simon Thiriet vom Erziehungsdepartement. Schliesslich sei eine verbesserte Durchlässigkeit die Grundidee der Einführung der Sekundarschule gewesen.

Beschlossen hat die Basler Regierung diese Verschärfung an ihrer zweitletzten Sitzung vor den Sommerferien, kommuniziert wurde sie nur verklausuliert. Umso überraschender kam der Brief für die Eltern: «Ich wurde schon von vielen wütenden Eltern kontaktiert», sagt GLP-Grossrätin Katja Christ. Die Bildungspolitikerin ist klar gegen die Neuerung: «Schwächelt man in einem halben Schuljahr, gehts gleich runter in das tiefere Niveau. Keine erste Mahnung, keine gelbe Karte, keine Vorwarnung.» Gerade bei Jugendlichen in der Pubertät könne es auch mal schulisch schwächere Monate geben, sagt sie. «So erhöht man den Druck auf die Schüler.»

Christ vermutet hinter der Verschärfung Kalkül: «Man will die hohe Gymnasialquote runterbringen.» Statt über grundsätzliche, wichtige Bildungsfragen zu sprechen, setze man einmal mehr das falsche Zeichen. Tatsächlich dreht der Erziehungsdirektor Conradin Cramer nicht zum ersten Mal an der Schraube, um die hohe Gymnasialquote in Basel-Stadt zu senken. Zuerst wurde die Primarschule ins Visier genommen. In der 6. Klasse gelten seit einem Jahr sowohl das Winter- als auch das Sommerzeugnis für jene, die ans Progymnasium gehen wollen.

Zudem führte Cramer das sogenannte Notenband ein. Der Zeugnisschnitt einer Schulklasse darf an der Sekundarschule nicht über 5,0 liegen – dies als Reaktion auf Lehrer, die allzu milde benoteten. Die Massnahmen zeigten Wirkung: Im vergangenen Schuljahr schafften lediglich noch 38,62 Prozent der Primarschüler den Sprung in den Leistungszug P – fünf Prozent weniger als im vergangenen Jahr. Das Notenband hatte zur Folge, dass statt 48 Prozent nur noch 43 Prozent der Progymnasiasten eine Beförderung ans Gymnasium bekamen.

«Verschärfungen wenig sinnvoll»

Verschiedene Bildungspolitikerinnen kritisieren die Verschärfungen: «Das bringt viel Unruhe ins System. Als Schüler muss man die ganze Zeit fürchten, die Klasse wechseln zu müssen», sagt SP-Grossrätin Franziska Reinhard. Und auch für die Lehrer werde es bei so schwieriger, kontinuierlich zu arbeiten.

Auch Basta-Grossrätin Messerli hält wenig von der Neuerung: «So wird dauernd eine hohe Leistung verlangt, und das in einem nicht gerade einfachen Lebensabschnitt der Schülerinnen und Schüler.» Sie halte jede weitere Verschärfung der Laufbahnverordnung für wenig sinnvoll und für nicht sehr pädagogisch, so Messerli.