Ein Cannabis Social Club ist eine Art Fümoar-Verein für Kiffer. Wer Mitglied ist, kann pro Tag eine limitierte Menge des vom Club selbst angebauten Cannabis legal erwerben. Was in Spanien oder Frankreich schon Realität ist, könnte bald auch in die Schweiz importiert werden. Im Dezember stellten Politiker sämtlicher Parteien in Genf – von den Grünen bis zum rechtspopulistischen Mouvement Citoyen Genevois – die Idee vor. In Basel verfolgt man das Vorpreschen genau.

«Basel und Zürich haben gemeinsam eine Arbeitsgruppe zum Thema Cannabis. Nachdem die Idee der Cannabis Social Clubs in Genf lanciert wurde, haben wir die Genfer eingeladen, um diese Idee vorzustellen», sagt Philipp Waibel, Leiter der Basler Gesundheitsdienste. Beim nächsten Treffen soll auch Bern dazu stossen. Die neue Städte-Allianz will Informationen zusammentragen und gemeinsam neue Wege in der Cannabis-Politik gehen. Das Interesse an den Cannabis-Clubs ist geweckt. «In Genf ist es erst eine Idee, aber sie ist interessant», meint Waibel.

Cannabis: Droge Nummer eins

Nach Ansicht der Experten klaffen Anspruch und Realität bei der Bekämpfung des Cannabiskonsums und -handels längst auseinander. Der Genfer Soziologie-Professor Sandro Cattacin sagt: «Es gibt einen riesigen Leerlauf bei der Polizeiarbeit. Der Aufwand ist enorm.» Cattacin ist Präsident der Initiative hinter den Cannabis Social Clubs in Genf und forscht im Bereich der urbanen Soziologie.

Ein Blick in die Kriminalstatistik des Kantons Basel-Stadt zeigt: Von den illegal konsumierten Substanzen ist Cannabis mit grossem Abstand die Nummer eins. 2012 griffen Polizisten fast ein Viertel mehr Konsumenten auf als 2011.

Gesetz ist schwierig zu umgehen

Die Sorgen sind in allen Städten ähnlich, die Ausgangslage aber verschieden. «In Genf ist es ein Sicherheitsproblem infolge offener Drogenszenen mit entsprechenden Problemen. In Basel und Zürich geht man die Thematik eher unter Präventions- und Jugendschutzaspekten an», sagt Philipp Waibel.

In Basel hat zuletzt 2010 SP-Grossrätin und Strafrechtlerin Tanja Soland die Initiative ergriffen und einen «Pilotversuch zum kontrollierten Verkauf von Cannabis» lanciert. 2012 antwortete die Regierung, dass es in der Schweiz derzeit rechtlich kaum möglich sei, so etwas durchzuführen. «Die grosse Schwierigkeit ist das gesamtschweizerische Betäubungsmittelgesetz. Dieses zu ändern, ist aus unserer Sicht zurzeit nicht realistisch», glaubt Waibel. Solands Vorstoss wurde vom Grossen Rat aber stehen gelassen, die Regierung muss dieses Jahr wieder Stellung nehmen. Die SP-Grossrätin selbst kündet gegenüber der bz an, sich die Genfer Lösung genau anschauen zu wollen und bei der Regierung noch mal nachzufragen.

Hoffen auf «Obama-Situation»

«Eine Möglichkeit, trotz geltendem Betäubungsmittelgesetz eine Ausnahmebewilligung für einen zeitlich beschränkten Versuch zu erhalten, wäre ein wissenschaftlich breit abgestütztes Forschungsprojekt», sagt Waibel. Dafür müsste das Bundesamt für Gesundheit in Bern sein Einverständnis geben. In Genf allerdings will man einen anderen, ungewöhnlicheren Weg gehen. «Wir hoffen, dass eine Obama-Situation entsteht», sagt Cattacin.

In den USA ist seit vergangenem September Cannabis im Staat Colorado frei erhältlich. Gemäss Bundesgesetz ist das zwar illegal. Doch: «Es ist eine Toleranzsituation entstanden. Die regionalstaatliche Souveränität ist wichtiger als die nationalstaatliche», erklärt Cattacin. Ähnliches stellt er sich für Genf vor. Der Soziologie-Professor ist überzeugt: «Es wird sehr viel gehen in den nächsten Monaten.»

Ob Basel sich ebenfalls auf das juristische Experiment wie in Genf herauslassen will, ist fraglich. «Es kann sein, dass in jeder Stadt unterschiedliche Lösungsansätze evaluiert werden», sagt Waibel. Sprich: dass man sich in Basel eine eigene Idee ausdenkt. Unterstützung aus der Politik ist jedenfalls vorhanden. So hat 2010 auch der damalige FDP-Grossrat Baschi Dürr Tanja Solands Liberalisierungs-Vorstoss unterschrieben. Und Dürr ist ja mittlerweile Basler Justizdirektor.