Die Freizeitanlage Dreirosen ist ein Vorzeigeprojekt der Parkgestaltung in Basel-Stadt. Offen, attraktiv, mit Spielplätzen und beliebten Sportanlagen. Dennoch kommt es derzeit häufig zu Eskalationen – zu gewalttätigen sogar, auch tagsüber. So vergangene Woche: Migranten gingen aufeinander los, lautstark und gewalttätig, Blut floss, wenn auch ohne Waffeneinsatz. Das berichtet Marc Moresi von der Jugendarbeit Basel-Stadt, Leiter der Freizeithalle Dreirosen.

Moresi wurde dabei selbst von einer Person aus der Gruppe angegangen, weil er wegen des Vorfalls die Polizei alarmierte. Moresi war aber nicht der Einzige, der die Polizei aufbot: Familien mit Kindern und andere Personen waren Zeugen der Auseinandersetzung.
Doch Moresi ist auch vorsichtig, wenn er von solchen Vorfällen erzählt. Nicht, weil er Repressionen zu befürchten hätte, denn nach über einer Dekade Präsenz auf der Anlage ist er über das Quartier hinaus respektiert, gilt als kompetent und glaubwürdig. Sondern weil die Situation auf der Anlage alles andere als simpel ist.

Die explosive Mischung

Dank ihrer Attraktivität gilt die Dreirosenanlage mit der angeschlossenen Freizeithalle unter dem Kleinbasler Brückenkopf als Oase des Quartiers. Für Eltern, die mit ihren Kindern den Spielplatz aufsuchen, für Schülerinnen und Schüler der angrenzenden zwei Schulen ebenso wie für Kraft- und andere Sportler, aber auch für Dealer, die dort in Kleinmengen vor allem Gras verticken sowie für Migrantinnen und Migranten, einige davon mit abgelehntem oder illegalem Aufenthaltsstatus und dadurch weder erwerbstätig noch anderweitig beschäftigt.

Die Mischung ist explosiv – und zwar so explosiv, dass nicht nur die Polizei kürzlich eine Woche lang mit ihrer Community-Policing-Einheit Präsenz markierte, sondern mehrere Behörden und Anlaufstellen alarmiert sind. Aus gutem Grund, wie Moresi sagt: «In den vergangenen rund sechs Monaten hat sich die Situation zugespitzt.»

Links oder rechts? Die politische Zwickmühle

Das Stadtteilsekretariat Kleinbasel kennt die Situation und sieht Handlungsbedarf, ebenso hat die Polizei die Anlage im Blick und patrouilliert regelmässig. Nutzungskonflikte lautet das Schlagwort, zumal die Nähe zum Rheinbord laufend neue Nutzer bringt. Denn die Dreirosen ist mittlerweile auch zu einem Scheideweg für Heimkehrer vom Hafen-Areal und vom Rheinbord geworden, wie es Theres Wernli vom Stadtteilsekretariat beobachtet. Was je nach Witterung bis spätnachts zusätzlich für Betrieb sorge.

Kommunikativ ist die Sache ebenfalls heikel: Während Linke die regelmässige Polizeipräsenz verurteilen und bei Kontrollen gegen «Racial Profiling» demonstrieren, droht von rechter Seite Instrumentalisierung, um gegen Ausländer zu hetzen. Tatsächlich zeigt sich die Lage aber weitaus komplexer, wie Moresi sagt. So seien etwa Anlage und Freizeithalle gerade bei Migranten beliebt, um lokale Integrationsveranstaltungen durchzuführen, so Moresi.

Entlastung und Handhabe

Eine No-Go-Zone ist die Dreirosenanlage deswegen nicht. Im Gegenteil: Sie ist vielmehr exemplarisch für andere Bereiche der Stadt, welche die Bevölkerung ebenso anziehen. Zum Beispiel das Rheinbord, mit der Ausnahme, dass dort nicht auch noch Kinderspielplätze sind.

Wernli setzt zur Entlastung unter anderem auf die Wirkung neuer Anlagen und Freizeitmöglichkeiten im Kleinbasel, etwa in der Erlenmatt, beim Horburgpark oder neue Möglichkeiten im Klybeck-Quartier, die das Sekretariat seit längerem fordert. Moresi erachtet das als hilfreich, wenn auch nicht als Lösung: «Es braucht Steuerungsmassnahmen, Regeln, aber auch die Möglichkeiten zur Umsetzung». Die Frage sei allerdings, ob man sich das leisten könne und letztlich auch wolle.