Kaum hatten die Hobby-Gärtner auf dem Dreispitz-Areal den kalten Frühling verdaut, folgte schon der nächste Hammer. Eine Bodenanalyse habe ergeben, dass die Erde der rund hundert Gärten stark bleihaltig sei. Entsprechend werde davon abgeraten, Salat, Karotten, Sellerie und weiteres Gemüse anzubauen oder zu konsumieren, schrieb der Vorstand den überraschten Gärtnern.

«Wir wissen auch nicht wirklich, woran wir sind», sagt Vereinspräsident Rudolf Krieg. «Mich würde interessieren, wie hoch die Werte sind.» Die Stadtgärtnerei hält die Resultate noch unter Verschluss. Erst Ende Monat sollen die Gärtner an einer Versammlung informiert werden.

«Ich bin schockiert. Wir und unsere Kinder haben das Gemüse seit über 20 Jahren praktisch täglich gegessen und plötzlich heisst es, das sei giftig», sagt Gärtner Hansruedi Bachmann. «Ich werde auf jeden Fall einen Arzt konsultieren», sagt seine Frau Susanne. Jedes Mal, wenn sie nun einen Salat pflücke, habe sie ein unangenehmes Gefühl in der Magengegend.

Ihr Mann vermutet aber hinter dem Schreiben auch politische Gründe. Die Pachtverträge der Gärtner laufen in den kommenden Jahren aus. Danach soll das Areal überbaut werden. «Ich vermute, man sucht auch Gründe, um uns schneller loszuwerden», sagt Hansruedi Bachmann.

«Untersuchungsbedürftig»

Das Schweizer Fernsehen liess am Mittwoch eine Bodenprobe aus dem Areal von der Zürcher Fachhochschule für angewandte Wissenschaften analysieren. Der Test ergab einen Wert von 1800 Milligramm Blei pro Kilo Erde – ein Vielfaches des normalen Wertes. Da sei sicher eine Gefährdung vorhanden, sagte Rolf Krebs, Professor für Bodenökologie. Aufhorchen lässt aber vor allem ein Nebensatz: «Bedenklich ist vor allem der Staub und wenn Kinder diesen aufnehmen.» Was bisher nicht thematisiert wurde: In der Mitte des Areals steht ein öffentlich zugänglicher Spielplatz. «Das ist sicher heikel. Wenn der Boden dort die gleichen Werte aufweist, besteht Handlungsbedarf», sagt Krebs gegenüber der bz.

Dieser Ansicht ist mittlerweile auch das zuständige Bau- und Verkehrsdepartement: «Es besteht keine akute Gefahr», versichert Sprecherin Nicole Stocker. Dennoch prüfe die Stadtgärtnerei gemeinsam mit dem Amt für Umwelt und Energie aktuell Vorsichtsmassnahmen.

Das Blei ist mittlerweile auch im Kataster der belasteten Standorte des Kantons verzeichnet. Auf der Fläche des Areals prangt ein grosser, blauer Fleck, der für «belastet, untersuchungsbedürftig» steht. Lange habe das Areal als «belastet, weder überwachungs- noch sanierungsbedürftig» erklärt Stocker. In Hinblick auf die Entwicklung des Areals habe Immobilien Basel-Stadt eine Bodenuntersuchung in Auftrag gegeben. Die Resultate zeigten, dass der Boden stärker belastet war als erwartet. In der Folge wurde das Altlastenkataster angepasst und eine Oberbodenuntersuchung veranlasst. Diese wurde im Mai 2017 abgeschlossen.

Wie das Blei in den Boden kam, ist unklar. Vermutlich handelt es sich um Altlasten. Klar ist dagegen: Das Problem der belasteten Gärten dürfte das zuständige Bau- und Verkehrsdepartement so schnell nicht loswerden. Denn als Eigentümer und Vermieter der Gärten haftet der Kanton. Diese Meinung vertritt Heinrich Ueberwasser, Anwalt und SVP-Grossrat. «Als Pächter darf ich davon ausgehen, dass ich giftfreies Land zur Verfügung gestellt bekomme.»

Im Raum stehe auch die Frage nach allfälligen Entschädigungen, sei es für allfällige gesundheitliche Probleme oder den verlorenen Sachwert. Abschliessend beurteilen könne man dies aber erst, wenn die Untersuchungsergebnisse vorliegen. «Die Studie muss sofort auf den Tisch», fordert Ueberwasser. Gestern hat der Parlamentarier eine schriftliche Anfrage eingereicht.

Unter anderem fragt er darin, wie der Kanton seiner Verantwortung, Haftung und Entschädigung gegenüber den Hobby-Gärtnern oder allfälligen Dritten nachkomme und ob man bereit sei, entstandenen Schaden zu ersetzen.