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Kinderspital beider Basel will unterirdische Parkplätze – Anwohner wehren sich dagegen

Unter dem Tschudi-Park, direkt gegenüber dem Haupteingang des Universitätskinderspitals beider Basel (UKBB), soll ein Parking entstehen. Dagegen formiert sich jetzt Widerstand.

Wenn der Sohnemann schwer krank ist oder die Tochter vom Baum gefallen ist und das Blut nur so herunterläuft, dann will man sofort einen Arzt sehen und nicht erst noch einen Parkplatz suchen. Soweit, so verständlich die Argumentation für ein Parking beim Universitätskinderspital beider Basel (UKBB). Dieses soll unter dem Tschudi-Park, direkt gegenüber dem Haupteingang des UKBB, zu liegen kommen und Platz für 347 Autos bieten. Darüber informierten Vertreter des Bau- und Verkehrsdepartements und des UKBB die Anwohner diese Woche. Und stiessen dabei auf viel Widerstand.

Eine Gruppe rund um den Architekten Renato Mösch hat nun eine Petition lanciert. Gegen das Parking. Sie finden es unnötig, wollen nicht noch eine Grossbaustelle in ihrem Quartier, das seit Jahren unter der Entwicklung des Campus Schällemätteli leide.

Und sie wollen nicht auf ihren Tschudi-Park verzichten, diesen «wichtigen Grün- und Freiraum für die Quartiere Am Ring, St. Johann und Vorstädte», wie sie es im Petitionstext formulieren. Er könnte bei einem Parkhausausbau während dreier Jahre nicht genutzt werden. Das neue Parking sei unnötig, finden sie. Im City-Parking habe es immer freie Plätze, und dessen Eingang sei nur wenige Gehminuten vom UKBB entfernt.

Problem schon länger erkannt

Bis anhin muss, wer mit einem fiebernden Kind auf dem Arm in den Notfallempfang gestürmt kam, immer auch die Frage beantworten: Haben sie vor der Türe parkiert? War die Antwort Ja, so hiess es: Da darf man nur 15 Minuten stehen bleiben. Zur Kontrolle dieser Regel steht tagein, tagaus ein Security-Mitarbeiter vor der Türe des UKBB: So muss ein Elternteil das Auto umparkieren, am besten eben ins benachbarte City-Parking. Das geht, wenn man zu zweit beim Kind ist; wer alleine kommt, der muss den Fieberzwerg kurz alleine lassen. Dieser Zustand sei ein Missstand, befand schon kurz nach Eröffnung des UKBB 2011 der liberale Kinderarzt und Grossrat Raoul Furlano und reichte auch schon einen Vorstoss zum Thema ein.

Doch die Regierung beharrte zunächst auf ihrer Haltung, es brauche keine unterirdischen Parkplätze, wie sie dies bereits beim Bau des UKBB 2005 festgehalten hatte.
Danach begann, was es in Basel immer gibt, wenn es um Parkplätze geht, ein politischer Infight unter den Parteien. Und es gab bei Regierung und UKBB-Leitung einen Meinungsumschwung: Schon im September 2016 habe die Regierung von einem Bericht des UKBB Kenntnis genommen, in dem dieses ein Parking unter dem Tschudi-Park plant.

Neugestaltung inklusive

Der Bericht sei bis heute unveröffentlicht, kritisieren die erbosten Anwohner, die erst jetzt, zwei Jahre später, informiert worden sind. An einer gut besuchten Anwohnerversammlung vergangene Woche zeichnete sich bereits starker Widerstand ab. Da vermögen auch die Pläne der Stadt nicht zu versöhnen, oberirdisch rund 30 Parkplätze aufzuheben und den Tschudi-Park zu einer durchgehenden Grünanlage zu vergrössern, die auch noch neu gestaltet werden soll. Dagegen ist kein Widerstand auszumachen, aber gegen das Parking laufen die Anwohner nun Sturm. Mit der Petition versuchen sie, einen Grossratsbeschluss für einen Bebauungsplan bereits im Vorfeld zu verhindern.

Es gehe nicht nur um den Park, sondern auch darum, dass er direkt neben dem Pausenplatz des Schulhauses St. Johann liege. Ein Parking führe immer auch zu Mehrverkehr, unter dem das Quartier – und die Schüler – dann zu leiden hätten. Die Regierung muss nun dem Grossen Rat einen Bebauungsplan für Parking und Oberflächengestaltung vorlegen. Auch über die Petition wird der Grosse Rat dann befinden oder sie zumindest zur Kenntnis nehmen.

Autor

Nicolas Drechsler

Nicolas Drechsler

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