Basel-Stadt

Kinderspital-Parking im Gegenwind: Wessels Pläne dürften in der neuen Regierung durchfallen

Unter der Tschudi-Matte soll das umstrittene Parking entstehen.

Unter der Tschudi-Matte soll das umstrittene Parking entstehen.

Beim UKBB herrscht Parkplatzmangel. Gemeinsam mit der Basler Regierung plant das Kinderspital nun ein Parking unter dem Tschudi-Park. Gestern Mittwoch stellte der zuständige Regierungsrat Hans-Peter Wessels (SP) die Pläne vor. Sein Pech ist, dass im Herbst gleich drei Parkhaus-Gegner in die Basler Regierung gewählt wurden.

Es ist unbestritten: Beim Universitäts-Kinderspital beider Basel (UKBB) herrscht Parkplatzmangel. Umstritten ist hingegen, wie man diesen beheben soll. Das Kinderspital und die Basler Regierung wollen ein Parking unter dem Tschudi-Park im Basler St.-Johann-Quartier bauen. Es soll Platz für insgesamt 230 Autos bieten.

Zum gestrigen Start der Planauflage betonte der Basler Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger (CVP) vor den Medien, wie wichtig das Parking für das Spital sei. Er räumte ein, dass man die Parkplatzsituation bei der Eröffnung des UKBB vor zehn Jahren unterschätzt habe.

Auch wenn insgesamt rund 80 Parkplätze des Cityparkings an der Klingelbergstrasse zur Verfügung stünden, habe es nicht genügend Platz für alle Angehörigen von UKBB-Patienten sowie die Mitarbeiter, welche teilweise im Schichtbetrieb arbeiteten und ausserhalb Basels wohnten. UKBB-Chef Marco Fischer betonte zudem, dass das Cityparking für das Kinderspital nicht optimal sei. Vom Parkplatz bis ins Spital brauche man mit Kindern zwischen 15 und 20 Minuten. Und weil das UKBB eben ein «Leuchtturm» (Engelberger) sei, reisten viele Patienten aus der ganzen Schweiz an – mit dem Auto statt mit dem ÖV.

Verein gegen das Parking gegründet

Ob das Parking aber je gebaut werden kann, ist höchst ungewiss. Die Quartierbevölkerung aus dem St.Johann hat sich gegen das Parkhaus formiert, eine entsprechende Petition mit dem Namen «Kein Parkhaus unter dem Tschudi-Park» verfehlte im Grossen Rat hauchdünn die Mehrheit. Für den Baudirektor Hans-Peter Wessels (SP) Grund genug, das Projekt zu «redimensionieren», wie er an der gestrigen Medienkonferenz betonte.

«Das Projekt hat sich stark verändert und ist um einen Drittel kleiner geworden», meinte er. Anfänglich war das Parkhaus für 350 Autos auf drei Geschossen angedacht. Nun sollen zwei Etagen reichen– bei rund 150 Parkplätzen weniger. Die Quartierbevölkerung soll entlastet werden, indem ihr dreissig Parkplätze zur Verfügung stehen. Nachts und an den Wochenenden sollen die Parkplätze den Quartierbewohnern vorbehalten sein.

Das Komitee «Kein Parkhaus unter dem Tschudi-Park» konnte man damit nicht besänftigen. In einem Newsletter bestätigt es, dass man Einsprachen gegen die Planauflage einreichen werde. Ein jüngst gegründeter Verein soll den Widerstand bündeln. Renato Moesch vom Komitee sagt, die Kritik sei facettenreich. So widerspreche es unter anderem den Basler Klimaschutzzielen, neue Parkhäuser zu bauen. Auch bedeute es für die anliegende Schule eine starke Lärmbelastung. Moesch ist zudem der Meinung, dass die Alternativen nicht ernsthaft geprüft worden seien. Etwa, ob neben dem Spital Notfallparkplätze gebaut oder im Cityparking mehr Parkplätze reserviert werden könnten.

Regierungsmehrheit dürfte dagegen sein

Ob es den Widerstand der Bevölkerung überhaupt braucht, ist aber nach den Wahlen vom Herbst ohnehin fraglich. Gleich drei Parkinggegner wurden in Basel in die Regierung gewählt. Kaspar Sutter (SP), der künftige Vorsteher des Wirtschafts-, Sozial- und Umweltdepartements (WSU), stimmte im Grossen Rat für die Petition «Kein Parkhaus unter dem Tschudi-Park». Genauso Esther Keller (GLP), die Wessels’ Departement übernehmen wird.

Der künftige Regierungspräsident Beat Jans (SP) unterschrieb 2018 die Petition. Jans und Sutter wollten gestern auf Anfrage nichts sagen. Und Keller meinte: «Es ist üblicherweise so, dass man sich als gewählte Regierungsrätin zwischen Wahl und Amtsantritt nicht zu politischen Geschäften äussert, insbesondere wenn es sich um das künftige Departement handelt.» Der neuen Regierung, die im Februar die Arbeit aufnehmen wird, obliegt die Ausarbeitung der Projektvorlage. In der jetzigen Konstellation, in welcher die genannten Parkinggegner dank Tanja Soland (SP) die Mehrheit stellen, wäre es eine Überraschung, wenn das referendumsfähige Projekt den Weg in den Grossen Rat finden würde.

Hans-Peter Wessels scheint das nicht aus der Ruhe zu bringen. Er meint nur: «Ich kenne Kaspar, Esther und Beat schon lange. Es sind grundvernünftige Leute. Ich vermute deshalb, dass sie den richtigen Entscheid treffen werden.»

Meistgesehen

Artboard 1