Mangelndes Kontaktnetz, traumatisierende Erlebnisse und die Angst vor kulturellen und sprachlichen Missverständnissen. Viele Flüchtlinge fühlen sich einsam, hilflos und verloren, wenn sie in Basel ankommen. Die meisten von Ihnen haben Mühe damit, sich einzuleben — sie fühlen sich weder wertvoll noch willkommen. «Wir wollen, dass Flüchtlinge, die in Basel ankommen, Hoffnung und Energie für den weiteren Weg sammeln können. Sie sollten nicht Tag für Tag in einem Warteprozess verharren, sondern ihren Alltag mit gemeinsamen Aktivitäten mitgestalten», sagt Lukas Faesch, Bürgerrat und Präsident der Christoph Merian Stiftung.

Das Projekt wurde im Mai 2015 umgesetzt. Die offene Kirche Elisabethen bietet den Flüchtlingen damit eine Tagesstruktur, wo sie auch mit Schweizern in Kontakt kommen können. So möchten sie versuchen, den Asylsuchenden und Flüchtlingen in Basel eine Chance zu geben — eine Chance anzukommen und weiterzugehen. «Wir haben gemeinsam Velofahren gelernt, gebastelt und gekocht. In Zukunft werden wir auch einmal pro Monat Ausflüge unternehmen», sagt Nicole Schwarz, die Projektmanagerin.

Im Zentrum stehen nach wie vor die vier Jahreszeitenfeste, an denen die Flüchtlinge Gemeinsames erleben und feiern können. Dafür finden wöchentlich Workshops und ein Chorsingen statt. Grundsätzlich richten sich die Themen jeweils nach den Jahreszeiten und den damit verbundenen Traditionen und bestehenden Bräuchen in der Schweiz.

610 000 Franken Grundkapital

Der Grundstein für dieses Projekt wurde vor etwa zwei Jahren gelegt. Rund 70 Prozent der gesamten Kosten werden von der Christoph Merian Stiftung aus dem Ertragsanteil der Bürgergemeinde finanziert. Weitere Beiträge leisten die Römisch-katholische Kirche und die Evangelisch-reformierte Kirche Basel-Stadt.

Die Räumlichkeiten des Ensembles befinden sich nun im ehemaligen Pfarrhaus der Elisabethenkirche. Das Gebäude wurde von der Christoph Merian Stiftung erworben. «Mit dem Kauf dieser Liegenschaft wollten wir einerseits sicherstellen, dass die Immobilie weiterhin als Pfarrhaus für die offene Kirche Elisabethen genutzt werden kann — zudem wollen wir, dass das Haus verstärkt für soziale Zwecke genutzt werden kann», meint Faesch. Bezogen wurden die renovierten Räumlichkeiten im August.

Im Innern gibt es Sitzmöglichkeiten, eine Küche und einen grossen Esstisch, «Der Tisch nimmt hier eine wichtige Rolle ein», meint Schwarz. In den Aufenthaltsräumen hängen selbstgemalte Bilder und Gebasteltes.

Soziales Basel

Unterstützung gibt es reichlich. Zurzeit helfen 16 Freiwillige mit. «Weitere Helferinnen und Helfer werden auf das neue Projekt ‹Freiwillige für Flüchtlinge› verwiesen, welches sich auch bei uns im Haus befindet. Dort gibt es auch Projekte, wo sich Helfer engagieren können. Im Moment haben wir hier wirklich genug Helfer», meint Nicole Schwarz.