Bettingen

Kirche markiert Präsenz: Das Türmchen wird höher als das Silo

Die Bettinger Kirche ist der erste Basler Kirchen- Neubau seit fünfzig Jahren.

Die Bettinger Kirche ist der erste Basler Kirchen- Neubau seit fünfzig Jahren.

Der neue Bettinger Kirchturm wird zwei Meter höher gebaut als bisher geplant. Er soll damit im Dorf eine bessere Wirkung finden.

Die ersten Pläne sahen vor, dass die neue, kleine Kirche in Bettingen einen Glockenturm von zwölf Metern Höhe erhält. Die vor Ort gültige Wandhöhe von acht Metern wäre damit um einen Drittel überschritten worden. Dafür fehlte dann doch der Mut: Im Baugesuch, das die evangelisch-reformierte Kirche im November einreichte, war die Höhe auf zehn Meter begrenzt.

Nun folgt ein Wiedererwägen, wie aus einem neuen Baubegehren hervorgeht. Der Turm soll doch zwölf Meter hoch werden. Die Bauherrschaft argumentiert: «Es besteht ein Interesse, die Kirche als öffentliches Gebäude seinem Zweck entsprechend im Dorfbild zu kennzeichnen.»

Die Kennzeichnung von Sakralbauten mit Türmen habe eine lange Tradition, «die in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit verankert ist». Die Planänderung erfolgte nach Aussprache mit der Dorfbildkommission.

Vergleichsmessungen hätten ergeben, dass ein Zehn-Meter-Türmchen nicht nur kleiner wäre als das gegenüberliegende Landwirtschaftsgebäude, das eine Firsthöhe von 11,2 Metern hat. Mehr noch: Es wäre selbst überragt worden von den drei Futtersilos des nahe gelegenen Bauernhofs, die inklusive den technischen Einrichtungen eine Höhe von 10,8 Metern erreichen.

Mit zwölf Metern Höhe hat die Evangelische Kirche wieder die Lufthoheit in Bettingen. Damit werde auch nach Ansicht der Dorfbildkommission «eine bessere Gesamtwirkung erreicht». Und stören sollte es die Anwohner nicht, da der zu erwartende Schattenwurf ausschliesslich Allmend betrifft.

Nähere Abklärungen haben allerdings ergeben, dass auch ganz profane Argumente für das Aufstocken sprechen. Schliesslich werden in Bettingen die drei Glocken der abgerissenen Markuskirche eingebaut. Doch deren technische Installationen für Betrieb und Wartung – Schwungräder, Antriebsmotoren und Glockenjoche – benötigen einen Raum, der im ursprünglich eingereichten Projekt gar nicht vorhanden gewesen wäre. So heisst es im neuen Gesuch, die Dimension des zwölf Meter hohen Turms sei «erforderlich».

Akustisch gedämpft

Dass es sich bei diesem erstmaligen Neubauprojekt der Evangelischen Kirche seit fünfzig Jahren um einen Prozess der rollenden Planung handelt, zeigt sich auch an der Ausgestaltung des Turms.

Glockentechnik-Spezialisten hätten «dringend» empfohlen, keinen offenen Glockenstuhl zu realisieren. Dies zur «Justierung der Akustik in Bezug auf Klang und Emissionen», was heisst, dass ohne Abschirmung die Markus-Glocken in Bettingen einen zu lauten Glocken-Brei verbreiten würden. In Zusammenarbeit mit einem Künstler lasse sich aber sicher «eine künstlerische Ausformulierung» finden, wie etwa mit bearbeitetem Glas die Schallwellen moduliert werden können.

Allzu häufig werden die Glocken aber ohnehin nicht klingen dürfen. Denn der Gemeinderat hat sich festgelegt, dass das Bettinger Schulglöckchen weiterhin für den Stundenschlag zuständig ist. Um das «akustische Gesamtbild» nicht zu gefährden, werden die Markus-Glocken deshalb nur bei kirchlichen Anlässen zum Einsatz kommen. Nach aktuellem Vorschlag: eine Glocke bei Abdankungen, das volle Glockenwerk bei Gottesdiensten, kirchlichen Feiertagen und Hochzeiten. Die definitive «Läutordnung» wird dem Gemeinderat noch zur Stellungnahme vorgelegt.

Ein Fest für 357 Seelen

Der Kirchenbau wird rund drei Millionen Franken kosten, wobei Spender aus dem Dorf innerhalb eines Jahres über zwei Millionen zusammengetragen haben. 400'000 Franken werden von der Ortsgemeinde beigesteuert, der Rest von der Kantonalkirche. Läuft alles rund, wird die Kirche an Weihnachten 2020 eingeweiht. Nach letzter Zählung freuen sich darauf 357 Seelen der Bettinger Kirchgemeinde.

Autor

Christian Mensch

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