«Vater-Unser-Fabrik» oder «Seelen-Silo». Die Übernamen der Kirche St. Anton sind nicht gerade schmeichelhaft, aber bezeichnend. Als die Kirche Ende der 1920er Jahre gebaut wurde, war das Material Sichtbeton, das der Architekt Karl Moser verwendete, noch sehr gewöhnungsbedürftig. Insbesondere wenn es um den Bau einer Kirche ging. Und das durch den Architekten, der zuvor mit dem Badischen Bahnhof und der Pauluskirche einen ganz anderen Stil gepflegt hatte. Das 6'000 Quadratmeter grosse Areal, auf dem die neue Kirche entstand, hatte die Katholische Kirche 1910 gekauft. Für etwa 25 Franken pro Quadratmeter.

Heute müssten an diesen Kaufpreis wohl locker zwei Nullen angehängt werden. Was die moderne Bauweise ermöglichte, war der Einbau einer neuen Sorte von Glasfenstern, die eigentlich Teil der Aussenwand sind. Farbig, wie es sich für Kirchenfenster gehört, aber auch hier in modernem, zeitgenössischem Stil, verleihen sie dem grauen Betonbau je nach Lichteinfall eine leicht farbige Fassade. Im Inneren entsteht bei Sonnenschein ein wahres Lichtspektakel im funktionalen Raum mit seinen acht feinen Säulen, die das Tonnengewölbe tragen.

Bauschulden verzögern Weihung

Einer, dem der Legende nach die Kirche etwas zu modern war, war übrigens der damalige Bischof des Bistums Basel, Josephus Ambühl. Der soll deshalb die feierliche Weihung um vier Jahre verzögert haben, bis 1931. Offizieller Grund waren allerdings die noch nicht abbezahlten Bauschulden.

Die letzte grosse Renovation erlebte die Kirche zwischen 1985 und 1991. Für mehr als neun Millionen Franken wurden die obersten Zentimeter der Fassade abgespitzt und durch neuen Beton ersetzt. Das aufwendige Verfahren wählte man, weil nur so das Problem des dauernden Einsickerns von Wasser in den gestampften Sichtbeton verhindert werden konnte.

Neben dem Hauptschiff der Kirche befindet sich eine kleine Kapelle, die mit dem Hauptbau hochgezogen wurde. Wer sich, sei es vom Ring oder – durch den Innenhof – von der Burgfelderstrasse in den Innenhof des Areals begibt, findet sie, eng an die grosse Schwester geschmiegt. Im Gegensatz zum Hauptschiff geht es hier heimelig zu und her, auch wenn das kräftige Rot, das seit der grossen Sanierung 2012 die Wände prägt, auf den ersten Blick recht ungewöhnlich erscheint. Weil auch die Antoniuskirche in den letzten Jahrzehnten stetig weniger Besucher zu Andacht und Messe empfangen konnte, wurde die St. Theresienkapelle – nicht jene von Avila, sondern die von Lisieux – komplett überholt und ist nun für Gottesdienste in kleinerem Rahmen und als Taufkapelle vorgesehen.

Pfarrer-Problem endlich gelöst

Die Pfarrei St. Anton ist eines der Zentren des Lebens im Iselin. Natürlich vor allem für den katholischen Teil der Bevölkerung, aber auch für all jene, die ihr Glockengeläut hören oder an den zahlreichen Veranstaltungen teilnehmen. Diese waren, wie die Messen und andere spirituellen Aktivitäten zeitweilig etwas in der Schwebe, weil kein Nachfolger für den ehemaligen Pfarrer Jan Bernardic gefunden wurde. Doch Ende März verkündete die Pfarrwahlkommission voller Stolz, mit Pfarrer Stefan Kemmler sei ein neuer Pfarreileiter gefunden worden, der im Advent seinen Dienst aufnehmen werde.

Dagegen scheiterte der Versuch, Pater Shaji Panakkal, der derzeit die priesterlichen Dienste versieht, länger in Basel zu halten. Seine Ordensoberen haben ihn – trotz einer Petition der Gemeinde – zurück nach Indien beordert. Er wird darum die Pfarrei im Juni verlassen müssen.