Es ist wie in einem Zirkus, bloss ohne Zelt; wie auf einem Platz mit Gauklern und Strassenmusikanten, aber ohne Platz. Es ist eine Gasse, in der sich Menschen staatlich verordnet begegnen sollen. Das tun sie, schon länger, und jetzt, zur besinnlichen Zeit, erst recht. Autos dürfen längst keine mehr fahren, nur jene der Rettungskräfte, weshalb die Stände an zentimetergenauen Abstand halten müssen. Das sieht man nicht als Gast, es ist nicht steril und nichts ist gleich, eher zusammengewürfelt, zufällig unzufällig. Kein Weihnachtsmarkt ab Stange, Individualität ist gefragt, der Slogan so verwirrend wie das Gewusel: «Mehr als Kitsch und Kommerz.»

Denn Kitsch gehört zu Weihnachten, was auch die zwei Chefinnen der Adväntsgass und deren rechte Hand, der männliche Ansprechpartner für alle, anerkennen – die drei tragen Merry-Christmas-Pullis und bringen so zum Ausdruck: Jeder ist willkommen, egal, wie schräg er ist, sagt Eva Matt vom Team. Kollegin Christine Wälti macht Werbung für das, was kommt.

Veganes Curry, Raclette, Fisch, Bier, Glühwein und alles, was halt glücklich macht. Hier geht es ums leibliche Wohl, ums seelische auch, die Herzen sollen glühen, die Handtaschen nicht viel schwerer sein, wenn der Abend zu Ende geht, ausser, es ist «Gässli Märt», der Pop-Up Store in der Garage hat geöffnet, oder das Fondue-Caquelon für den gesponserten Massen-Plausch ist mit im Handgepäck.

Musikalisches im Fokus

Im Fokus der vierten Ausgabe: Musik in allen Variationen. Für die Kleinen gibts Märchenstunden. Und was wäre eine Gasse ohne Fenster mit neugierigen Anwohnern dahinter? Früher haben diese noch gemotzt, zu laut, zu stinkig und überhaupt, inzwischen sitzen sie auch im Adventsboot, machen mit, bespielen sie gar, ihre Fenster und es ist tatsächlich etwas kitischig, wie sich Menschen die Hand geben in einer Gasse, die gern Dorfplatz wäre und sich auch so anfühlt, deren einziger Platz aber jener beim Arbeitsamt ist, ausgerechnet. Dort wurde am Dienstag das Festbier angestochen, wie immer von einem Promi.

Diesmal war es Schauspielerin Caroline Rasser, die die Ueli-Bier-Sonderkreation zum Fliessen brachte und dazu von «Männerstimmen Basel» besungen wurde. Singen und darbieten werden jenste Leute, solange die Gasse im Advent ist, vorbeikommen und staunen, empfehlen die Organisatorinnen, und sei es, um ein Ohr voll Schlager zu nehmen. Schräg, eben.

Adväntsgass Bis 23. Dezember, Mo – Fr, 17 bis 22 Uhr, Sa/So 14 bis 22 Uhr. www.advaentsgass.ch