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Klamme Musik-Akademie: Das lange Warten auf die erste Klavierstunde

Dass Kinder und Jugendliche mehrere Monate warten müssen, bis sie an ihrer lokalen Musikschule Unterricht nehmen können, ist an sich nichts Aussergewöhnliches. Bei der Musik-Akademie Basel, die als privatrechtliche Stiftung die Musikschulen betreibt, sind diese Wartezeiten aber besonders lang.

Tobias Gfeller
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Kinder und Jugendliche, die lernen wollen, Klavier zu spielen, müssen sich gedulden. An der Musik-Akademie Basel gibt es bis zu drei Jahre lange Wartezeiten. (Symboldbild)

Kinder und Jugendliche, die lernen wollen, Klavier zu spielen, müssen sich gedulden. An der Musik-Akademie Basel gibt es bis zu drei Jahre lange Wartezeiten. (Symboldbild)

Am längsten müssen sich Kinder und Jugendliche gedulden, die das Klavierspiel erlernen wollen, erklärt Musik-Akademie-Direktor Stephan Schmidt. Bis zu drei Jahre könne die Wartezeit betragen. Bei anderen Instrumenten warten die Unterrichtnehmenden normalerweise ein bis zwei Semester lang.

Die Länge der Wartelisten schwankt, hat sich aber in den einzelnen Fächern in den vergangenen Jahren nur minimal verändert. Einen leichten Rückgang gebe es bei den Holzblasinstrumenten. Auch wenn die Wartelisten für eine grosse Nachfrage nach Musikunterricht sprechen, sei die Musik-Akademie stets bemüht, diese mit den zur Verfügung stehenden Mitteln möglichst kurz zu halten, stellt Schmidt klar.

Überbrückungslösungen für Einsteigende

Am überfülltesten sind die Anmeldelisten für den Einzelunterricht. Laut Direktor Stephan Schmidt «ein wichtiges, wertvolles, aber auch sehr kostspieliges Bildungsgut.» Man könne deshalb nicht selbstverständlich davon ausgehen, dass jeder Zugang sofort auf den Wunschtermin hin erfolgen könne.

Es gebe bei der Musik-Akademie viele andere interessante Angebote – darunter auch Einsteigerkurse in den Musikunterricht und damit wertvolle Überbrückungslösungen bis zu dem Moment, wenn ein Platz im Einzelunterricht frei wird. Schmidt erinnert daran, dass es neben der Musik-Akademie in Basel weitere subventionierte Musikinstitutionen und private Lehrpersonen gibt.

Der Einzelunterricht ist ein wichtiges, aber auch sehr kostspieliges Bildungsgut.

(Quelle: Stephan Schmidt, Direktor Musik-Akademie Basel)

Die Wartelisten bilden die Realität ab, was die begrenzten budgetären Möglichkeiten betrifft, meint Stephan Schmidt. Die Musik-Akademie selbst wird über einen Globalbetrag in Form eines Staatsbeitrags seitens des Kantons Basel-Stadt unterstützt. Diese Subventionen seien zwar eine «wunderbare und grosszügige» Unterstützung, doch setzen sie dem Zugang zum Instrumentalunterricht auch budgetäre Grenzen. Es gehe nicht immer nur ums Budget. «Wenn aber das Innovationspotenzial ausgeschöpft ist und die Nachfrage zunimmt, benötigt es letztlich auch mehr Geld.»

«Herausfordernd», aber nicht «problematisch»

Der Kanton Basel-Stadt entrichtet den Musikschulen der Musik-Akademie in Form eines Staatsbeitrages eine Finanzhilfe. Der vierjährige Vertrag dafür läuft Ende 2020 aus. Dem für den Musikschulunterricht zuständigen Erziehungsdepartement (ED) sind die Wartelisten bekannt. Man führe derzeit Verhandlungen mit der Musik-Akademie, bei denen auch die Wartelisten ein Thema sind, lässt ED-Sprecher Simon Thiriet ausrichten. Der Kanton erachte die aktuelle Situation als «Herausforderung», aber nicht als «problematisch».

Thiriet will sich nicht auf eine konkrete Wartezeit festlegen, die das Erziehungsdepartement für noch akzeptabel empfindet. «Es kommt auch sehr auf das Alter des Kindes an und ob die musikalische Erziehung allenfalls anders begonnen werden kann als mit Einzelunterricht.» Insgesamt gibt sich das ED zurückhaltend, was das Thema Wartelisten bei der Musik-Akademie angeht.

Man schätze die Bedeutung der Musik-Akademie als sehr hoch ein, erklärt Thiriet. «Die Musik-Akademie ist aber nicht alleine in der Musikerziehung in Basel-Stadt. Es gibt unter anderem auch Angebote wie die Musikwerkstatt, die Mädchen- und Knabenkantorei und Privatunterricht.»