PRAY. Vier Lettern fassen zusammen, um was es geht. Freundlich prangt der Befehl in Neonfarben auf der digitalen Anzeigewand über dem Eingang zur Messehalle. Sie ist derzeit Kirche und Gemeindehaus für 5800 Jugendliche auf der Suche nach Gott. Das Praise Camp ist das grösste freikirchliche Jugendfestival der Schweiz.

Freikirchen umgibt einen speziellen Nimbus gelebter Frömmigkeit. Sie werben abseits der Strukturen der Landeskirchen um Schäfchen. Basel nimmt da eine besondere Rolle innerhalb der Schweiz ein. «Nirgendwo leben mehr Konfessionslose», sagt Georg Schmid von der Informationsstelle Relinfo, «das macht Basel attraktiv für die Mission.»

Gleichzeitig sind Glaubensgemeinschaften pietistischer Prägung – also mit einer persönlichen Beziehung zwischen den Gläubigen und Jesus oder Gott – stark verwurzelt. Bekannte Beispiele sind die Basler Mission, die Chrischona-Bewegung, oder in jüngerer Vergangenheit auch die International Christian Fellowship, vielen geläufiger als ICF. Das Praise Camp bietet einen Einblick in den Pop-Glauben der Freikirchen: Während sechs Tagen vertiefen Jugendliche in Gebeten und Gesprächen ihren Glauben.

«Ey, dorum geits»

Mehr und mehr Jugendliche strömen zum Kongresszentrum. Es ist Freitagmorgen und der nächste Programmpunkt steht an: Die «Toolbox» soll ihnen unterschiedlichste Formen des Gebets vermitteln. Überhaupt klingt alles jung und hip und sowieso Englisch hier. Book statt Bibel. Worship statt Lobpreis. Pop statt Litanei. Es ist ein auf Jugendliche zugeschnittenes Programm: Ein Sänger steht auf der Bühne, erklärt seine Liebe zu Gott in einem Song, den er in einer schwierigen Zeit in Berlin geschrieben habe. «Ey, und genou dorum geits. Gott isch für mi da gsi», schreit er in Berndeutsch euphorisiert ins Mikro.

Die Botschaft kommt an. «Das Praise Camp ist jeweils ein Highlight», sagen Silas und Marco. Beide nehmen schon zum dritten Mal teil. Manchmal, da kämen ihm schon Zweifel am Glauben, sagt Silas. «Deshalb ist das hier so wichtig, da gehe ich wieder bestärkt nach Hause.» Jaël, Jael und Rahel schwärmen vom Gemeinschaftsgefühl. «Alle sind so nett zu einander, so rücksichtsvoll», erzählen sie.

Bei einem Augenschein in einem Schlafsaal kann man sich das gut vorstellen: Hunderte Schlafsäcke liegen nebeneinander, füllen einen ganzen Stock in der Rundhofhalle. Ein gigantisches Klassenlager, mit den üblichen Dynamiken: Romanzen entstehen hier, erzählt Daniel Stähli, die schon zu Familien geführt haben. Der Pressechef führt beflissen über das Camp-Gelände. Zwar übernachten die Jugendlichen nach Geschlechtern getrennt. Doch oben, in den Lounges, dürfen sich die Volljährigen abends austauschen. Zumindest bis halb eins, dann gilt auch für die Ältesten die Nachtruhe.

Seit Donnerstag brummt das Festival. Nicht Kirchenglocken sondern Stromgitarren haben das Praise Camp eingeläutet. Konzerte, Ansprachen und Gesang bilden jeweils die Abendveranstaltungen, die alle gemeinsam besuchen. An den Morgen stehen Gruppengespräche an. Zu sechst oder siebt sitzen die Jugendlichen am Boden, reden über die Welt und vor allem über Gott. Es gibt Cafés und einen Secondhand-Shop für Kleider. Die Jungs tragen Hoodies mit der Aufschrift «One God» und Baseball-Caps mit einem grossen Kreuz auf der Stirnseite; die Mädchen ihre Haare offen und auffallend oft Röcke.

Wenig erinnert an ein herkömmliches Musikfestival. Viel mehr ist es ein riesiges Camp zur Persönlichkeitsentwicklung mit unterschiedlichsten Workshops. In geführten Rollenspielen gelangen die Teenager in Kontakt mit Schattenseiten des Lebens: Menschenhandel, Armut, Verfolgung, «auch Prostitution», sagt Daniel Stähli. Wenn er «Prostitution» sagt, spricht er das Wort leiser aus. Solche Rollenspiele können «ganz schön heftig werden», erklärt Stähli. «Manchmal fliessen auch Tränen.»

Am Ende aber folgt das einordnende «Debriefing»: Eine junge Frau ergründet in einem Einzelgespräch das Potenzial der jungen Menschen. «Das Ziel ist, die persönliche Berufung zu finden», erläutert sie. Fünf Themengebiete decken diese Rollenspiele ab. Die Begegnung mit anderen Kulturen gehört auch dazu. Auf einer Stellwand steht der Themenkomplex «Unerreichte». Um was geht es da? «Beispielsweise: Wie ist man Freund mit einem Muslim?» , sagt die junge Frau.

Weniger Teilnehmer

Allen beseelten Gesichtern zum Trotz: Stähli kann nicht verbergen, dass ihn die deutlich geringere Teilnehmerzahl als noch vor zwei Jahren enttäuscht. «Es sind 700 Jugendliche weniger, das stimmt. Wir werden das nach dem Camp analysieren», sagt er. Die Organisatoren versprechen sich durch eine Öffnung mehr Publikum: An einem Abend steht das Festivalgelände auch jenen Besuchern offen, die nicht sechs Tage hier fristen wollen.

Am Marketing kann der Besucherschwund kaum liegen. In einem eigens dafür eingerichteten Raum reihen sich etwa zwei Dutzend Computer. Vor den Bildschirmen sitzen junge Menschen, die Videos schneiden, Bilder zusammenstellen, die Ansprachen in drei Sprachen über den Äther lassen. Überall liegt hochwertiges Equipment, das verspricht: Diese Medienarbeit muss den Vergleich mit anderen Messen in diesen Hallen nicht scheuen.