Die Berner Kulturchefin, Veronica Schaller, vor Jahren Regierungsrätin in Basel, hat sehr eigene Vorstellungen, wie der Berner Brunnen von Meret Oppenheim renoviert werden soll.

Martin A. Bühler, der Neffe von Meret Oppenheim, ist wenig erfreut über dieses Vorgehen. Im Berner «Bund» sagte er Ende Mai «Ich könnte schreien». Tatenlos will er der Berner Aktion nicht zusehen, die Konsequenzen sind vielleicht bald in Basel zu bestaunen.

Berner Pflästerli-Politik

Seit Jahren soll der 1983 auf dem Berner Waisenhaus-Platz errichtete Turm-Brunnen von Meret Oppenheim renoviert werden.

Nicht dass die Statik des Brunnens gefährdet ist, wie viele behaupten, das sogenannte Tuffmoos macht dem Brunnen zu schaffen. Dieses wurde wenige Jahre nach der Erstellung des Brunnens durch Klaus Ammann, damals Dozent für Biodiversität am geobotanischen Institut der Universität Bern, auf den Brunnenwänden angebracht.Im Laufe der Jahre haben die Ausscheidungen zu einer grossen Geschwulst geführt, die nicht die Statik, vor allem aber die Ästhetik des Brunnens beeinträchtigen.

Da die Stadt Bern nun nicht einfach den ursprünglichen Zustand wiederherstellen wollte, wurde zu einem Podium Anfang April geladen, von dem man sich präzisere Vorgaben zum weiteren Vorgehen wünschte. Die Anfang Juni verbreitete Pressemitteilung durch Stadtbauten Bern teilt nicht viel Konkretes mit und Veronica Schaller sagte gegenüber dem «Bund»: «Wir entfernen nur die Kalkablagerungen, welche die Stabilität gefährden».

Zu der von Meret Oppenheim geplanten Hecke meint sie, es sei nicht geklärt, ob Meret Oppenheim tatsächlich eine Hecke wollte - «in der ganzen Diskussion um die Sanierung stand das Hinzufügen einer Hecke jedenfalls nie zur Debatte». In einem Brief an Jean Tinguely schreibt Meret Oppenheim ganz deutlich, dass sie sich wünsche, dass das Wasser in einem Sümpflein fliesse und der Brunnen von Bruchsteinen und einer Hecke umgeben werde.

Bald in Basel?

Das Vorgehen von Stadtbauten Bern und Veronica Schaller hat für Martin A. Bühler nun das Fass zum Überlaufen gebracht. Seit Jahren wirke er darauf hin, dass dieser Brunnen den Wünschen seiner Tante entsprechend behandelt wird und nun dominiere wieder die «Pflästerchen»-Politik, statt endlich ein mutiges Bekenntnis zu diesem Brunnen abzugeben.

Und Bühler schiebt nach: «Ich bin im Besitz der Pläne vom Brunnen und die Rechte liegen auch bei mir und meiner Cousine, wir überlegen uns nun konkret, ob wir diesen Brunnen nicht auch in Basel und an anderen Orten bauen wollen. Und diese Brunnen werden dann so aussehen, wie es Meret Oppenheim wünschte und auch immer wieder betonte.»

Geht es nach dem Willen des Neffen der Künstlerin und es ist nicht einzusehen, was dem im Wege stehen soll, wird eines der grossen Wahrzeichen Berns - der Brunnen ist international gleich bekannt wie der Zytglogge und der Bärengraben - in Bälde auch in Basel auf einem Platz stehen.

Dort, wo er hingehört

Martin A. Bühler erklärt dazu: «Wir sind bereits mit Sponsoren in Kontakt und auch Vertreter der Stadt sind einer solchen Idee nicht ganz abgeneigt. In den kommenden Jahren wollen wir einen solchen Brunnen für Basel realisieren. Er wird in der unteren Hälfte eines sechsstelligen Betrags kosten, doch dafür werden wir Sponsoren finden.»

Emanuel Trueb, Chef der Basler Stadtgärtnerei, zeigt sich auf Anfrage der bz Basel über eine solche Idee persönlich berührt. Immerhin hat er Meret Oppenheim noch persönlich gekannt.

Natürlich müsse man über Einzelheiten noch diskutieren, aber da in Basel in den kommenden Jahren einige Plätze und Parkanlagen neu gestaltet würden, könne man sich die Platzierung eines Oppenheim-Brunnens in Basel gut vorstellen, zumal die Künstlerin ja auch zahlreiche biografische Bezüge zu Basel aufweise.

Es bleibt also spannend um den Basler Oppenheim-Brunnen, und wer den Neffen der Künstlerin kennt, weiss, dass in ein paar Jahren Bern nicht mehr die einzige Schweizer Stadt mit einem Brunnen von Meret Oppenheim sein wird.