Kleinbasel
Blick ins frühe Mittelalter: Bauarbeiten legen reich geschmücktes Mädchengrab frei

Es ist nicht das erste frühmittelalterliche Grab, das bei den Bauarbeiten für das neue Fernwärmenetz rund um den Wettsteinplatz entdeckt wurde. Doch dieses Mädchengrab überrascht mit seinen reichhaltigen Beigaben.

Mona Martin
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Die Bauarbeiten für den Ausbau des Fernwärmenetzes in den Quartieren rund um den Wettsteinplatz werden von der Archäologischen Bodenforschung eng begleitet.

Die Bauarbeiten für den Ausbau des Fernwärmenetzes in den Quartieren rund um den Wettsteinplatz werden von der Archäologischen Bodenforschung eng begleitet.

Philippe Saurbeck, Archäologische Bodenforschung Kanton Basel-Stadt

Bei den Bauarbeiten für ein neues Fernwärmenetz rund um den Wettsteinplatz in Basel seien immer wieder neue Gräber zutagegekommen. Zuletzt aber eines, das besondere Aufmerksamkeit weckte, berichtet die Kantonsarchäologie Basel-Stadt in einer Mitteilung am Donnerstagvormittag.

Bei einem Mädchengrad konnten auffallend viele und wertvolle Beigaben geborgen werden. Dazu gehören eine eiserne Taschenschnalle, ein eiserner Gürtelverschluss mit Goldeinlagen und viele Perlen. Aussergewöhnlich sei dabei auch schon alleine der Fakt, dass diese Gegenstände noch so gut erhalten seien. Hinzu komme die grosse Vielfalt an Farben und Formen.

Sogenannte Segmentperlen mit eingelegter Gold- und Silberfolie sind höchst kunstvoll geschaffen.

Sogenannte Segmentperlen mit eingelegter Gold- und Silberfolie sind höchst kunstvoll geschaffen.

Philippe Saurbeck, Archäologische Bodenforschung Kanton Basel-Stadt

Die Archäologinnen und Archäologen vermuten, dass die Perlen nicht als einzelne Stücke ins Grab mitgegeben wurden, sondern womöglich Teil eines «komplexen Perlenkragens» waren oder mehrere Halsketten bildeten. Denkbar sei auch, dass einzelne Perlen auf dem Gewand oder einem beigelegten Täschchen aufgenäht waren.

Dank den gefundenen Gegenständen wisse man, dass das Mädchen im 6. Jahrhundert begraben worden sein muss. Da es für die Zeit des Frühmittelalters keine schriftlichen Quellen gebe, seien diese Funde «die einzigen Zeugen für die Besiedlung Kleinbasels während dieser Epoche».

Auch diese Gürtelschnalle fand man im Mädchengrab.

Auch diese Gürtelschnalle fand man im Mädchengrab.

Philippe Saurbeck, Archäologische Bodenforschung Kanton Basel-Stadt

Es gebe Hinweise auf weitere Gräber, teilt die Kantonsarchäologie Basel-Stadt mit. Ihm Rahmen der Bauarbeiten wurden auch bereits Überreste neueren Datums zutage befördert. So zum Beispiel die Fundamente des im 13. Jahrhundert als Teil der Stadtbefestigung errichteten Riehentores und Teile einer mittelalterlichen Wasserversorgung. Weitere spannende Funde werden erwartet, denn die Arbeiten werden noch bis in den Herbst 2022 archäologisch begleitet.