Basel

Kleinbasler Bierrevolutionäre werden 40 Jahre alt

Die neuen Tanks in der Kleinbasler Brauerei von Ueli Bier glänzen noch. Sie wurden letzten Herbst eingebaut. Ralph Dinkel/ZVG

Die neuen Tanks in der Kleinbasler Brauerei von Ueli Bier glänzen noch. Sie wurden letzten Herbst eingebaut. Ralph Dinkel/ZVG

1974 lehnte sich Ueli Bier gegen das Bierkartell auf, weil er ein Basler Bier ausschenken wollte. Chefin Anita Treml erklärt, was von dem Geist erhalten blieb.

Frau Treml, vor 40 Jahren stand Ueli Bier für Widerstand und Eigensinn. Heute ist es selbst eine etablierte Marke, oder?

Anita Treml: Ja das kann man sagen. Wir sind eine sehr starke Marke. Das merken wir in der Gastronomie. Wir beliefern einige Restaurants in der Stadt und ausserhalb. Wir zeigten, dass wir kontinuierlich Qualität abliefern können.

Gründer Hans Jakob Nidecker lehnte sich gegen das Bierkartell auf ...

Eigentlich wollte er 1974 nur, dass er das damals in Basel gebraute Warteck ausschenken kann. Das ging aber nicht. Das Bierkartell hatte ihm ein anderes Bier zugewiesen. Das war so üblich damals. Die Brauereien teilten sich den Markt auf. Als liberaler Geist wollte ihm das nicht einleuchten. Deshalb gründete er Ueli Bier.

Weht dieser Geist immer noch durch die Brauerei?

Für mich schon. Wir sind eigenständig, also eine Familien-AG, und wir sind auch so aufgestellt, dass wir das beibehalten können. Meinem Schwiegervater – ich bin ja eingeheiratet – ging es nicht nur um das Bier. Für ihn war Ueli Bier ein Gesamtkonzept.

Wie zeigt sich das?

Er pflegte die Bierkultur. Zum Beispiel, indem er für jede Biersorte ein anderes Glas oder die Ueli-Karaffe herstellen liess. Solche haben heute alle Brauereien. So wird das Bier würdig präsentiert. Auch liess er als erster in einer Schweizer Brauerei ein Weizenbier produzieren. Mein Schwiegervater schuf zudem in der Liegenschaft der Brauerei auch günstigen Mietraum.

Wie hat sich der Biermarkt im Vergleich zu früher verändert?

Es gibt heute sehr viel mehr Kleinbrauereien. Diese machen zwar immer noch nur einen kleinen Anteil im Markt aus, aber die Vielfalt hat sich stark vergrössert. Das ist den kleinen und mittleren Brauereien zu verdanken, die vor allem in den 90ern entstanden sind. Damals wurde das Bierkartell zerschlagen.

Und bezüglich der Konsumenten?

Die Ansprüche der Bierliebhaber sind gestiegen. Das begrüsse ich sehr. Aber auch der Heimkonsum nimmt zu, die Leute trinken heute ihr Bier lieber für sich am Rhein. Darunter leidet die Gastronomie.

Der Markt wird beherrscht von Carlsberg – zu denen etwa Feldschlösschen und Warteck gehören – und Heineken. Wie stehen Sie zu denen?

Man kennt sich. Die Grossen lassen die Kleinen leben. Wir Kleinen sind flexibler und können Spezialitäten anbieten. Das ist gut für die Bierkultur und somit auch für die grossen Player.

Ueli Bier war etwas sehr Innovatives. Haben Sie das Gefühl, dass viele Konkurrenten ihr Konzept kopieren?

Es war etwas Einmaliges, das stimmt. Neu gegründete Brauereien gab es damals nicht. Brauereien wurden jahrhundertelang übernommen oder gingen ein. Ueli Bier stand 1974 völlig quer in der Landschaft und war seiner Zeit voraus. Oft wurden wir tatsächlich kopiert – aber erst 20 Jahre später. Die meisten anderen kleinen Brauereien sind wie wir sehr regional ausgerichtet. Es ist doch toll, wenn andernorts die Leute auch frisches Bier trinken können.

In Basel haben Sie Konkurrenz von Unser Bier. Bald soll es das Volta-Bräu geben. Wie gehen Sie damit um?

Es fordert uns. Aber es spornt uns an. Wir haben gut nebeneinander Platz in Basel.

Ihre Marke ist stark auf Basel ausgerichtet. Ist das nicht auch ein Nachteil, wenn man in andere Städte expandieren will?

Wir haben uns das gar nie als strategisches Ziel vorgenommen. Vielmehr mussten wir schauen, dass wir uns die Altstadt als Standort überhaupt leisten können. Wir haben in den letzten Jahren sehr viel investiert, dass wir im Kleinbasel bleiben können. Dafür sind wir jetzt für die kommenden Jahre gut aufgestellt.

Es heisst, der Biermarkt ist gesättigt. Wie können Sie wachsen?

Er ist gesättigt, das stimmt. Wir Kleinen wachsen aber trotzdem, und das schon seit Jahren. Die Nachfrage nach einem lokal gebrauten Bier wird immer grösser.

Verkaufen Sie eigentlich mehr Bier wegen der Fussball-WM?

Wir hoffen schon, dass wir profitieren können. Bei den letzten Turnieren kamen viele Leute zu uns, um ihre Karaffen zu füllen. Und auch die Restaurants, die Public Viewing anbieten – etwa der Teufelhof – haben einen grossen Absatz.

Und wo steht Ueli Bier in 40 Jahren?

Dann bin ich leider nicht mehr dabei (lacht). Aber wir wollen sicher eine starke Marke und im Kleinbasel verankert sein. Vielleicht sind wird dann noch ein bisschen präsenter ausserhalb der Region.
Das Jubiläumsfest «40 Jahre Ueli Bier» findet heute Nachmittag statt.

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