Satte zwei Stunden lang begründete Gerichtspräsident René Ernst am Freitag Abend das Urteil: Die Akten des Falles waren umfangreich und verwirrend, und die Beweislage im Detail nicht immer klar.

Dennoch gab es grundsätzlich Schuldsprüche: Insbesondere die zwei «Köpfe» der Cannabisbande müssen jeweils für 24 Monate ins Gefängnis. Rund die Hälfte davon haben sie bislang bereits in der Untersuchungshaft abgesessen. 

Zwei weitere Angeklagten erhielten als Helfer oder Drogenläufer bedingte Freiheitsstrafen von jeweils 13 und 15 Monaten. Der Fünfte im Bunde hingegen erhielt wegen einer schlechten Prognose eine unbedingte Freiheitsstrafe von 13 Monaten, dazu kommt noch der Widerruf einer früheren bedingten Strafe von 18 Monaten.

Trotz einiger Zweifel war für die drei Richter klar, dass die fünf Leute hauptsächlich in den Jahren 2015 und 2016 mehrere Kilo an Cannabis mit hohem THC-Gehalt im Kleinbasel verkauft und ausgeliefert haben. Dazu betrieben sie ein Bestelltelefon, Geschäfte, Lager und gründeten gar eine GmbH.

Freisprüche gab es allerdings punkto Geldwäscherei, die Staatsanwaltschaft hatte dazu zuwenig Beweise geliefert. Auch war für das Gericht nicht klar nachgewiesen, dass die Bande auch an Minderjährige geliefert hat.

Ein EU-Bürger, ein Härtefall und ein Landesverweis

Beim 46-jährigen Hauptangeklagten ging es auch um die Frage eines Landesverweises: Beim in Deutschland eingebürgerten Türken braucht es wie bei allen EU-Bürgern eine «schwerwiegende Gefährdung», was laut Gerichtspräsident bei Marihuana schwerlich anzunehmen sei. «Ginge es hier um Gewaltdelikte, dann hätten wir keine Hemmungen. Aber nicht jedes Delikt, dass einen Landesverweis auslöst, setzt automatisch das Freizügigkeitsabkommen ausser Kraft», sagte Ernst dazu.

Er warnte den in Weil am Rhein wohnenden Mann allerdings, dass er garantiert einen Landesverweis erhalten werde, wenn er die Reststrafe im Schweizer Gefängnis nicht antrete. Das Gericht sah nämlich keine Fluchtgefahr mehr und wollte die Männer am Freitag auch gleich aus der Sicherheitshaft entlassen. Staatsanwältin Sabine Lustenberger erhob allerdings dagegen sofort Einspruch, somit bleiben die Männer vorläufig in Haft, nun muss das Appellationsgericht die derzeitige Fluchtgefahr einschätzen.

Beim zweiten Kopf der Bande, einem 42-jährigen Mann mit türkischer Staatsbürgerschaft, verzichtete das Gericht ebenfalls auf einen Landesverweis: Er sei sprachlich gut integriert und lebe seit 27 Jahren in Basel, damit gelte er als Härtefall. «Das Gefährdungspotential ist bei Ihnen nicht besonders hoch», sagte Ernst.

Ein weiterer 37-jähriger Mann aus der Türkei hingegen muss das Land verlassen: Er sei beruflich nicht integriert, und seine Ehe mit einer Schweizerin eh zerrüttet. Das Gericht sprach einen Landesverweis für fünf Jahre aus. Auf einen Eintrag im Schengen-System hingegen wird explizit verzichtet: Das Verbot gelte damit nur für die Schweiz, nicht aber für den restlichen Schengenraum, so das Gericht. Alle Urteile können noch weitergezogen werden.