Vogel Gryff
Kleinbasler feiern ihren Vogel im Nieselregen

Bundesräte suchte man vergeblich im Kleinbasel – Fotosujets gab es trotzdem genug. Eindeutig noch beliebter als Fotosujet waren aber die tierischen Hauptakteure in den Gassen, auf der Brücke etwa, wo sie punkt 12 Uhr tanzten.

Martina Rutschmann
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Ankunft des Wilde Maa auf dem Floss mit Böller.
14 Bilder
Ankunft des Wilde Maa auf dem Floss mit Böller.
Der Vogel Gryff vor den Hären.
Der Leu vor den Hären.
Der Wild Maa und die Kinderschar zelebrieren das Spiel.
Ankunft und Tanz vor den Merian Spitz Pächtern Urs und Elisabeth Füeg.
Ankunft des Vogel Gryff Zuges auf der Mittleren Brücke.
Ankunft des Vogel Gryff Zuges auf der Mittleren Brücke.
Ankunft des Vogel Gryff Zuges auf der Mittleren Brücke.
Ankunft des Vogel Gryff Zuges auf der Mittleren Brücke.
Ankunft des Vogel Gryff Zuges auf der Mittleren Brücke.
Ankunft des Vogel Gryff Zuges auf der Mittleren Brücke.
Vogel Gryff, Leu und Wilde Maa
Ankunft des Vogel Gryff Zuges auf der Mittleren Brücke.

Ankunft des Wilde Maa auf dem Floss mit Böller.

Martin Töngi

An der Tafel sitzen 75 Personen, drei davon sind Frauen, eine davon heisst Niccel und ist mit dem Komiker Emil Steinberger verheiratet. Sie hebt die Frauenquote von drei auf vier Prozent.

«Zu meiner Zeit haben wir eine Umfrage bei unseren Ehefrauen gemacht, ob sie dabei sein möchten bei den 3E – alle haben abgelehnt», sagt Felix Eymann, Alt-Meister der E.Gesellschaft zum Greifen und Grossrat. Anders sieht das Noch-Grossratspräsident Christian Egeler. Der politisiert als Freisinniger theoretisch ähnlich wie der Liberale Eymann, beim Thema Frauen aber gehen die Meinungen der Mannen auseinander. «Ich finde es schade, dass man solche Traditionen nicht öffnet für Frauen», sagt Egeler. Im Gegensatz zum ehemaligen Wilde Maa Eymann war Egeler zum ersten Mal am Mähli. Und dort empfand er gleich wie der Kollege: Das Herz klopfte, als beim Tanz der drei Ehrenzeichen die Erinnerung an Kindertage erwachte.

Bevor die Kinder zum Zug kommen, rasch eine Anekdote aus dem Innern des Mähli. Dort zückt ein älterer Mann beim Anblick zweier Frauen sein Handy (ein Nokia) und fotografierte die Damen wortlos. Als würde er denken: «Dass mir das noch passieren darf!» Eindeutig noch beliebter als Fotosujet waren aber die tierischen Hauptakteure in den Gassen, auf der Brücke etwa, wo sie punkt 12 Uhr tanzten, natürlich mit dem «Fudi» zum Grossbasel.

Der Gryff soll zum Jäger werden

Dort standen sie in Reih und Glied, die süssen Kinderlein, die das Augenmerk aber mehr auf die Uelis richteten. «Ueli, Ueli, Ueli!», hallte es über die Brücke und zwischendurch hörte man einen Expat «Oh, a Lion!» sagen. Auch ein «FC Basel!» konnte sich einer nicht verkneifen, es spielt eben alles zusammen in unserer Stadt. So verwundern Emils Worte nicht: «Nie mehr zügeln!» Der Luzerner sagt, er lebe gern in der Wahlheimat Basel, «eine Freude» sei es. Und das Mähli, das für ihn eine Premiere darstellte, sei «eine tolle Tradition», die so viele Eindrücke böte, dass er diese zuerst verarbeiten müsse.

Als weiterer Ehrengast reiste Nationalratspräsident Ruedi Lustenberger (CVP) aus dem Luzernischen Entlebuch an, im Gegensatz zum anderen gebürtigen Luzerner allerdings ohne weibliche Begleitung. Dafür mit ein paar flotten Sprüchen, die er dem Saal vortrug. Er erzählte von der Jagd und davon, dass diese in seiner Heimat trotz anderslautenden Bestimmungen betrieben werde. Gern würde er den Vogel Gryff als Jäger holen, «die rohe Kost wäre bekömmlicher als das ganze Jahr die Läckerli von Miriam Blocher zu essen.»

Der Vorsitzende Meister René Thoma (Ehrengesellschaft zum Hären) liess in seiner überzeugenden Rede die Welt ins Kongresszentrum fliessen. Alles hinge zusammen, entsprechend müssten die Probleme gemeinsam angegangen werden, mahnte er. Aber nicht irgendwann, sondern «am beschte scho hütt!» Die Mannen nahmen sich die Worte zu Herzen – in die Hand nahmen sie zunächst aber nur das Glas. Denn mit dem Ende des Mähli war der Tag längst nicht zu Ende – sondern erst um Mitternacht. Nach viel Wein, vielen Tänzen – und noch mehr Herzklopfen.