Wann waren sie zuletzt in einem Plattenladen? Heute gelten bereits CDs als altmodisch, da scheint der Gang in den Plattenladen wie von vorgestern. Und doch: «Vinyl is not dead!» heisst es auf der Online-Seite der britischen Tageszeitung «The Guardian». Diese stellt zehn der besten Plattenläden weltweit vor, die die Leser besonders begeistert haben. Überraschend zeigt ein Bild das Musikgeschäft «Plattfon» an der Feldbergstrasse. Der Shop habe eine der besten Vinyl-Auswahlen in ganz Europa. Das ist grosses Lob für den kleinen Basler Laden, der seit fünf Jahren an der Feldbergstrasse zu Hause ist. Michael Zaugg hat ihn bereits vor zehn Jahren gegründet, damals war er noch neben dem Restaurant Hirscheneck – ebenfalls im Kleinbasel.

Das Plattenbusiness ist seither nicht einfacher geworden. Michael Zaugg hat die Faszination dafür aber nie verloren. Einzig das Musiksortiment des Ladens musste er anpassen. Es ist heute vielfältiger als noch vor fünf Jahren: «Wir haben uns in den letzten Jahren einem breiteren Spektrum geöffnet. Vielleicht merken wir langsam, dass es sonst halt nicht geht.» Basel sei für experimentelle Musik kein einfaches Pflaster. Trotzdem: «08/15»-Musik sucht man in den Regalen vergebens — dafür findet man auch die Musik, die es sonst nirgends gibt.

Das Geschäft hält sich knapp über Wasser: «Man versucht durchzukommen», sagt Zaugg. Die Anerkennung im «Guardian» war Seelenbalsam für die harten Zeiten. Bereits jetzt kommen einige Kunden aus dem Ausland, ein Ansturm bleibt aber trotz des britischen Lobes aus.

Treffpunkt für Musiker

Muriel de Bros arbeitet seit fünf Jahren im «Plattfon», sie teilt die grosse Leidenschaft für Musik mit Zaugg: «Wir kennen unser Sortiment in- und auswendig und sind beide Musikbegeisterte.» Der Verdienst ist beschaulich, doch die Leidenschaft lässt über das hinwegsehen.

Der Laden sei vor allem auch ein Treffpunkt für Musiker- und Musikbegeisterte. Das Plattensortiment zwischen Techno, Jazz und Punk lockt eine gemischte Kundschaft ins Geschäft. Im Gegensatz zum Internet, kann man in diesem jede Platte anhören und anfassen. Das, was nicht an Lager ist, kann bestellt werden.

Seit 2009 gehört zum «Plattfon» auch die Buchhandlung «Stampa», die Magazine und Bücher über Musik und Jugendkultur verkauft. «Damit bieten wir nicht nur die Musik, sondern ermöglichen auch den Diskurs darüber. Das finde ich wichtig», sagt Zaugg.

Es fragt sich, wie lange sich der Tonträger aus dem letzten Jahrhundert noch halten kann. Zaugg ist zuversichtlich: «In den letzten Jahren gab es in Amerika und Europa einen regelrechten Vinyl-Aufschwung. Ich sehe das optimistisch.» Ob sein Laden davon profitieren kann, wird sich zeigen.

Am Samstag präsentiert «Plattfon» Livemusik am Festival «Klangbasel»: Timoka, DJ Pragajena, Hnatek/Reichen/Ruiz. 16–19 Uhr, Feldbergstrasse 48