Auf beiden Seiten des Rheins entstanden die Quartiere ausserhalb der Stadtmauern erst nach deren Schleifung. Im Kleinbasel hatten diese den engen Raum zwischen Klingentalkloster, Theodorsstift und Clarakirche umschlossen. Doch bereits diese Klöster unterhielten Ländereien jenseits der Stadtbefestigungen, im Falle der Clarissinnen sorgte das immer wieder für Ärger: Die Nonnen wollten nicht der Mauer entlang bis zum Bläsitor und wieder zurück. So brachen sie kurzerhand eigene Tore in die Stadtmauer, was wiederum den weltlichen Herren nicht gefiel. Ausserhalb der Mauern erstreckten sich Felder und Matten, von denen noch heute Flurnamen wie «Claramatte» zeugen.

Offiziell heissen die Kleinbasler Aussenquartiere, denen sich die bz die kommende Woche widmet Clara, nach dem erwähnten Kloster, Hirzbrunnen, nach einem Gutshof, Rosental und Wettstein. Der Name stammt aus den 1920er-Jahren, davor hiess die Gegend «Grenzach». Diese Quartiere haben trotz ihrer kurzen Geschichte einen einschneidenden Wandel hinter sich. Ursprünglich als Industriequartiere gebaut, verloren sie nach und nach diesen Charakter immer mehr und wandelten sich zu Wohnquartieren. Eine Ausnahme bildet das eigentliche Wettstein: Hier war die Zweckbestimmung ähnlich wie im Grossbasler Bachlettenquartier. Es sollte ein gehobenes Mittelstandviertel entstehen. Das zeigt sich heute noch stellenweise in grosszügigen Bauten, insbesondere nahe des Rheins und im stadtnäheren Teil der Wettsteinallee.

Entwicklung der Industrieareale

Die beiden prominenten Ausnahmen von der Wohnnutzung sind die zwei ehemaligen Industrieareale, die in den 1990er-Jahren umgenutzt wurden. Das ist zum einen das Gelände der ehemaligen Schreinerei Nielsen-Bohny zwischen Wettsteinallee und Chrischonastrasse. Und zum anderen, grösser, bekannter und augenfälliger, das ehemalige Fabrikareal der Brauerei Warteck. Hier sind neben dem Kulturzentrum und dem Restaurant rund 80 Wohnungen entstanden, dazu kommen die Eigentumswohnungen auf dem rheinnäheren Teil der alten Brauerei an der Alemannengasse.

Rheinaufwärts schliesst sich an die schönen Wohngebiete der Industriepark des Wettstein an: Seit dem Zweiten Weltkrieg hat hier die Roche ihr Gelände immer weiter ausgebaut, in letzter Zeit für alle sichtbar in die Höhe – dank dem Roche-Turm hat das Wettstein den höchsten Turm der Schweiz. Ans Wettsteinquartier schliesst sich das Hirzbrunnen an, dessen namensgebendes Landgut 1928 eine neue Funktion bekam: Hier errichteten die Schwestern des Ingebohl-Ordens das Claraspital. Darum herum blieb viel Grün und entstand viel Wohnraum.

Ganz anders im Rosentalquartier. Der ehemalige Friedhof, von dem nur noch die kleine Abdankungskapelle von Melchior Berri steht, die auf der Rosentalanlage heute als Musikpavillon dient, war ein Industriepark der ersten Stunde. Der erste Badische Bahnhof entstand auf dem heutigen Messegelände. Daneben die grossen Werke der Ciba und der Geigy.

Eine Messestadt entsteht

1917 erbaute die Stadt Basel für die erste Muba die erste provisorische Messehalle. Diese war aus Holz und wurde bereits 1923 durch einen Brand eingeäschert. Kurz darauf entstanden an derselben Stelle die ersten Messehallen aus Stahl und Beton. Das Messezentrum blieb eine Baustelle und wuchs permanent weiter: 1954 weihte die Messe Basel den Rundbau ein, 1965 den Neubau Rosental und 1984 das Kongresszentrum am Riehenring. 1999 ersetzte schliesslich ein Neubau die Messehalle aus den 20er-Jahren. 2003 folgte der Messeturm, 2012 die Citylounge.

Zwischen der Messe und der Kleinbasler Altstadt entstanden innert weniger Jahrzehnte dicht gebaute Wohnviertel aus Mehrfamilienhäusern mit Ladenlokalen im Erdgeschoss, die bis heute das Claraquartier charakterisieren.