«Wir wollten nur etwas klären», betonte der 19-jährige Angeklagte am Freitag mehrmals vor dem Basler Strafgericht. Im Streit sei die Sache dann ein wenig eskaliert, so seine Version der Geschichte. Im August 2013 ist er zusammen mit drei Kumpeln kurz nach Mitternacht im Gundeldinger Quartier unterwegs gewesen, dabei klingelten sie bei einem Bekannten.

Der dort wohnende Bekannte schilderte allerdings vor Gericht, er sei von den vier Männern verprügelt worden, nachdem er die Haustüre aufgeschlossen hatte. «Niemand von uns hat getreten oder geschlagen», meinte der 19-Jährige dazu kopfschüttelnd. «Und wieso sind sie zu viert dahingegangen, wenn sie nur reden wollten?», fragte Einzelrichterin Dorrit Schleiminger den Mann. «Weil ich nicht alleine dorthin wollte», war die simple Antwort.

Das Opfer sprach von einem Pfefferspray-Einsatz gegen ihn, danach habe es im Treppenhaus Schläge gegeben. Der Angeklagte hingegen meinte, der Bekannte sei vielleicht auf der Treppe gestolpert. Wäre tatsächlich eine Abreibung geplant gewesen, hätte er es sicher nicht geschafft, sich wieder zurück in die Wohnung zu retten und einzuschliessen.

Dorrit Schleiminger stufte die Äusserungen des Opfers indes als glaubwürdig ein: Die dokumentierten Verletzungen seien stimmig, und auch die herbeigerufene Polizei habe beispielsweise bestätigt, dass man den Pfefferspray im Treppenhaus noch habe riechen können.

Die drei Kumpel blieben bislang nicht identifiziert, deshalb sass der 19-Jährige am Freitag alleine vor Gericht: Wegen Körperverletzung sprach das Gericht eine teilbedingte Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu 30 Franken aus: 1500 Franken muss der Mann bezahlen, die restlichen 3000 Franken werden hingegen nicht fällig, wenn er in der Probezeit von zwei Jahren keinen Unsinn mehr anstellt. Dem Opfer muss er eine Genugtuung von 500 Franken bezahlen.

Der Mann ist kein unbeschriebenes Blatt: Wegen Brandstiftung geriet er bereits im März 2012 in den Fokus der Jugendanwaltschaft, im Dezember 2012 erneut wegen eines versuchten Raubes sowie Hehlerei. Im vergangenen März erhielt er kurz nach seinem 18. Geburtstag seine erste bedingte Geldstrafe als Erwachsener wegen Besitzes von Ecstasy. Unklar blieb, ob er auch damit gehandelt hatte.

Diffus blieb auch der Verlauf des Streit mit dem Opfer im Gundeli: Der 19-Jährige hatte betont, jener sei ein Kokain-Dealer. Schleiminger hatte daraufhin gekontert, seinen Vorstrafen nach zu urteilen, sei er dafür ein Ecstasy-Dealer. Er widersprach, wollte aber darüber nicht detailliert argumentieren.

Inzwischen hat der Verurteilte eine feste Arbeitsstelle. Vor Gericht sagte er zudem, er habe auch eine konkrete Aussicht auf eine Lehrstelle. Die Staatsanwaltschaft hatte wegen der Prügelei eine unbedingte Freiheitsstrafe von neun Monaten für den Mann beantragt. Beide Seiten können das Urteil noch weiterziehen.