Das Breisgaustädtchen Staufen war schon früh ein wichtiger Markt- und Warenumschlagplatz. Die Burgruine, von der man einen schönen Blick über die Rheinebene und den Ort hat, wurde 1248 erstmals urkundlich erwähnt, dürfte aber 100 Jahre älter sein. Während des 30-jährigen Kriegs wurde sie von den Schweden zerstört.

Heute flaniert es sich als Besucher gut über das Kopfsteinpflaster der verkehrsberuhigten mittelalterlichen 7800-Einwohner-Stadt, die auf überschaubarem Raum eine Fülle von kleinen Läden, Cafés und Beizen zu bieten hat und rund 50 Kilometer nördlich von Basel liegt. Neben den drei Thermalbädern und Freiburg im Breisgau gehört es in Südbaden zu den wichtigsten Ausflugsdestinationen, ohne dass man dabei Angst haben müsste, dass Staufen von Touristen überlaufen ist.

Traditionell badisch essen ist hier kein Problem. Als gutbürgerliches Restaurant mit korrekten Preisen hat sich der «Hirschen» in der Hauptstrasse 19 gehalten. Nicht weit entfernt findet sich die «Krone» in der Hauptstrasse 30, die erstmals 1520 urkundlich erwähnt wurde, während die «Kreuz-Post» in der Hauptstrasse 65 preislich etwas höher liegen mag.

Direkt neben dem Rathaus bietet neu das «Schwarzwaldschön» am Sonntag einen besonderen Brunch und sonst neben Frühstück auch kleine Speisen sowie ein ausgiebiges Feinkostangebot an. Hier kann man auch schön draussen auf dem Rathausplatz sitzen.

Geothermie bringt Risse

Spätestens der Blick auf das Rathaus zeigt allerdings, dass das Städtchen auch Riesenprobleme hat. Bei der Renovierung des Rathauses gab es Sondierungsbohrungen für Geothermiesonden. Dummerweise wurde dabei die Verbindung zwischen Grundwasser, das unter hohem Druck stand, und einer sogenannten Gipskeuperschicht geschaffen. Konsequenz: Es entstand Gips, das Volumen dehnte sich um 60 Prozent aus, die Häuser hoben sich an, und es entstanden Risse.

Heute sind 268 Häuser von den Schäden in Höhe von insgesamt 50 Millionen Euro betroffen. Eine Stiftung versucht unter dem Titel «Staufen darf nicht zerbrechen», den man auch auf etlichen Häusern sieht, die Stadt zu retten. Zumindest dehnen sich die Risse nicht mehr so stark wie zu Beginn aus.

Die Stadt hätte auf die ungewollte Werbung gerne verzichtet. Harmloser, aber ähnlich weit über die Region bekannt, ist die Geschichte von Johannes Faustus. Der Alchemist hatte den Herren von Staufen versprochen, aus unedlem Material Gold herzustellen. Bei einer Explosion soll er 1539 in seinem Zimmer des Gasthauses Löwen, das es heute noch gibt, umgekommen sein. Er ging als Doktor Faust in die Weltliteratur ein und gilt seit Goethe als Inbegriff des Menschen, der nach letzter Erkenntnis strebt.

Edle Schleckereien

Mit edlen Schleckereien lockt seit Jahrzehnten das Café Decker, das sich am Rand der Fussgängerzone direkt neben einer Brücke befindet. Zu empfehlen ist auch die Kaffeerösterei Coffee & More in der St. Johannsgasse 14. Oberhalb des Ortes lockt zwischen Staufen und Ehrenkirchen der «Gotthardhof», eine Sommerfrische am Waldesrand mit schönem Blick auf die Ebene – vor allem bei schönem Wetter ein guter Tipp.

Wer ein Faible für schöne Schuhe hat, sollte im Städtchen bei Bernd Herkenrath vorbeischauen. Er hat an der Hauptstrasse 48 ein wenig versteckt unter dem Namen «Classic Shoes» ein Geschäft für gebrauchte und überholte Edelschuhe aufgemacht (www.classicshoesstaufen.com) Sein Geschäftsmotto lautet: «Erstklassiges aus zweiter Hand.» Die grosse Obstbrennerei Schladerer bietet regelmässig Führungen an – am Donnerstag nach Voranmeldung auch für Einzelpersonen. Schliesslich hat Staufen auch zwei kleine Museen zu bieten und regelmässige Veranstaltungen im Angebot (siehe Box).

Mit der Bahn gut erreichbar

Ein weiterer Pluspunkt des Städtchens: Da es an die Münstertalbahn angeschlossen ist, ist es von Basel über Bad Krozingen mit dem Zug gut zu erreichen. Die Züge brauchen eine Stunde und verkehren im Stundentakt. Wunderschön ist auch eine Wanderung von Staufen nach Sulzburg. Tipp: Dort unbedingt im «Maison Eric» einkehren und übernachten, um am nächsten Morgen nach einem üppigen Frühstück zurückzulaufen (www.la-maison-eric.de). Eine Reservation ist aber unbedingt erforderlich.