Die Kulturveranstalter haben den Wahlkampf geschickt ausgenutzt. Vor drei Wochen organisierten sie einen Medienanlass, an dem sie nach jahrelanger Kritik erneut mehr legale Plakatstellen forderten (die bz berichtete). An ihrer gestrigen Sitzung ist die Basler Regierung darauf eingegangen: Sie setzt sich zum Ziel, 600 bis 900 zusätzliche Stellen für A2-Format-Plakate zu schaffen.

Damit korrigiert die Regierung ihr 2009 erstelltes Kleinplakatierungskonzept. Damals dominierten illegale Kleinplakate das Stadtbild. Die Regierung hat vor drei Jahren mit Zuckerbrot und Peitsche reagiert: Sie kündete strikte Kontrollen an und stellte gleichzeitig zusätzliche Plakatflächen zur Verfügung. Auf Baustellenwänden des Staates darf seither frei plakatiert werden und Eigentümer von Verteilkästen und Spritzschutzwänden erhielten eine Bewilligung zur Plakatierung. Zum Beispiel IWB und BVB vermieten auf diesen Kästen und Wänden seither Plakatrahmen. Das wilde Plakatieren wurde erfolgreich reduziert. Kulturveranstalter protestierten jedoch umgehend: Die Anzahl günstiger Plakatflächen sei viel zu tief. Drei Jahre später geht nun der Kanton darauf ein.

Der Kanton räumt Fehler ein

Niklaus Hofmann, Leiter der Allmendverwaltung, räumt einen Fehler des Kleinplakatierungskonzepts ein: «Man hat nicht bedacht, dass es in der Innenstadt nur wenige Verteilkästen und Spritzschutzwände gibt.» Das Konzept hat er als eine seiner ersten öffentlichen Amtshandlungen vorgestellt. Ausgearbeitet wurde es jedoch bereits vor seinem Amtsantritt. Die Überarbeitung trägt nun Hofmanns Handschrift. Er will Basel auf Zürcher Niveau bringen.

Ein Städtevergleich zeigt, dass Basel im Verhältnis zur Einwohnerzahl mehr Plakatierungsfläche bietet als Bern, Luzern, St. Gallen und Winterthur, aber nur halb so viel wie Zürich. In Basel stehen pro 1000 Einwohner 1,9 Quadratmeter Plakatierungsfläche zur Verfügung. Aufgrund dieser Zahl hat die Verwaltung den Bedarf von 600 bis 900 zusätzlichen Stellen eruiert. Kulturveranstalter haben zwar 1500 neue Plakatrahmen gefordert, begrüssen in einer Mitteilung des Komitees «Kulturstadt Jetzt» aber das «positive Zeichen».

Kanton will Flächen vermieten

Allmendverwalter Hofmann setzt sich das Ziel, die neuen Flächen bis im nächsten Sommer gefunden zu haben. «Aber vielleicht ist das zu ehrgeizig», meint er. Die Verwaltung sucht Standorte auf Allmend und Privatparzellen. Es solle nicht möglichst viel, sondern möglichst wirkungsvoll auf das Kulturangebot aufmerksam gemacht werden können.

Die neuen Plakatrahmen sollen günstig vermietet werden. Hofmann kündet schlankere Strukturen an: «Am einfachsten wäre, wenn der Kanton die Plakatierungsstellen direkt vergeben würde.» Heute werden die meisten Plakatrahmen via BVB und IWB vermietet. Diese bezahlen dem Kanton eine jährliche Bewilligungsgebühr von 32 Franken pro A2-Plakatrahmen. Den Plakatierfirmen stellen sie zusätzlich ihren Aufwand in Rechnung. Diese Kosten fallen bei den neuen Plakatstellen weg, wenn der Kanton die Plakatrahmen direkt vergibt. Hoffmann schätzt, dass Kleinplakatierer nur noch eine einmalige jährliche Gebühr von rund 50 bis 60 Franken bezahlen müssten.

In Genuss dieser staatlich bereitgestellten Werbemöglichkeiten sollen kleine, lokale, subventionierte Kulturangebote kommen, nicht aber die «grosse Kommerzkultur». Die Grenze sei schwierig zu ziehen, sagt Hofmann. «Vielleicht braucht es dazu eine Beurteilungskommission.»