In Lörrach und sogar in der alten Arbeiterstadt Weil, in Grenzach-Wyhlen, und in den Wahlkreisen in und um Müllheim wie auch Freiburg – überall kommen die Grünen bei den Europawahlen vom Sonntag in Südbaden auf Rekordergebnisse. In Freiburg erhalten sie mit 39 Prozent sogar deutlich mehr Stimmen als SPD und CDU zusammen (siehe Grafik). Dabei wurde hier der regierende grüne Oberbürgermeister erst von einem Jahr von einem SPD-nahen Politiker abgelöst. Selbst in Weil verweisen die Grünen die nationalen Regierungsparteien, wenn auch bei der CDU nur knapp, auf Rang zwei und drei.

Die Klimadebatte hat eindeutig Wirkung gezeigt und die Resultate der Umweltpartei nach oben getrieben. Josha Frey, grüner Landtagsabgeordneter aus Lörrach, sagt: «Wir haben im Wahlkampf neben dem gesellschaftlichen Zusammenhalt den Klimaschutz als unsere Kernkompetenz in den Mittelpunkt gestellt.»

Auch im Elsass legen Grüne zu

Früchte getragen zu haben scheint die Klimadebatte auch im Elsass. In Saint-Louis (siehe Grafik) kommen die Grünen zwar im Vergleich auf eher bescheidene 8,1 Prozent, in vielen anderen Städten wie Huningue, Altkirch, Guebwiller oder Thann erreichen sie aber doppelt so viel. In Mulhouse waren es 13,7 Prozent und in Strassburg gar 20,7 Prozent. Frey kann sich vorstellen, dass diese Erfolge neben der Klimadebatte darauf zurückzuführen sind, dass die Jahrzehnte zerstrittene Umweltpartei sich endlich zusammen gerauft hat. Stellt sich die Frage, ob die Klimadebatte auch bei den anstehenden eidgenössischen Wahlen eine derart grosse Rolle spielen wird.

Ansonsten muss man im Elsass konstatieren, dass die Region weiter eine Hochburg der Rechtspopulisten von Marine Le Pen bleibt. In den Vogesentälern, am Rhein, im Herzen des Sundgaus und in Teilen des Kalibeckens bei Mulhouse sind ihre Hochburgen, in Städten wie Cernay, Guebwiller oder Thann nähern sie sich der 30-Prozent-Marke an. Generell schneidet sie im Süden des Elsass besser ab als im Norden der Region. Die südelsässischen Grenzgänger, die vor allem in den beiden Basel arbeiten, scheint ihr Status als Ausländer in der Schweiz noch nie davon abgehalten haben, zu Hause ausländerfeindlich zu stimmen.

Die dem Rassemblement national von Le Pen nahe stehende AfD musste sich in Südbaden hingegen mit Ergebnissen von um die zehn Prozent begnügen. Im grün-alternativen Freiburg reichte es sogar nur für 5 Prozent.

Regionale Verankerung Macrons

Macrons La République en marche, die sich mit den Zentristen zusammengeschlossen hatte, schnitt mit 27,8 Prozent in Strassburg am besten ab. In Städten wie Sélestat und Colmar lag Marcon vor Le Pen, in den meisten aber musste er sich wie im übrigen Frankreich mit Rang zwei begnügen. Die Verantwortlichen der Partei freuten sich trotzdem, dass es ihnen nur zwei Jahren nach der Gründung gelungen war, sich regional zu verankern.

Desaster für die Bürgerlichen

Ein Desaster waren die Wahlen für Les Républicains. Die grosse Mehrheit der bürgerlichen, elsässischen Nationalräte, der Députés, und Senatoren, die in Paris im Parlament sitzen, gehören dieser Partei an. In der Schweiz ist sie vergleichbar mit der FDP oder gemässigten SVP-Positionen. In den allermeisten Städten erreichte die Partei nicht einmal zweistellige Resultate. Besonders bitter: Fabienne Keller, die bürgerliche Ex-Bürgermeisterin von Strassburg, zog auf einer Macron-Liste als Zentristin ins Europaparlament ein.

Die traditionell im Elsass schlecht vertretene Parti socialiste dümpelte bei vier oder fünf Prozentpunkten vor sich hin. Was für ein Abstieg für die ehemalige, stolze Regierungspartei. Sie wurde zudem regelmässig auf ihrer Linken von La France insoumise überholt.