Basel
Klybeck-Hafen: Verein Shift Mode baut eine Bar für wetterfeste Besucher

Auf dem Ex-Migrol-Areal will der Verein Shift Mode Ende dieser Woche eine Bar eröffnen. Neben weiteren kulturellen Projekten ist auch eine «Food Sharing»-Stelle vorgesehen, wo abgelaufene Lebensmittel kostenlos abgegeben werden.

Annika Bangerter
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In diesem Container befindet sich eine Bar. Läuft alles nach Plan, schenkt der Verein Shift Mode Ende kommender Woche hier die ersten Getränke aus.

In diesem Container befindet sich eine Bar. Läuft alles nach Plan, schenkt der Verein Shift Mode Ende kommender Woche hier die ersten Getränke aus.

Kenneth Nars

«Das ist der vierte Spontanbesuch heute», freut sich Katja Reichenstein vom Verein Shift Mode. Der Besucher, ein Industrie-Designer, möchte Sitzbänke auf der ehemaligen Migrol-Brache aufstellen. Zahlreiche Ideen wie diese gelangen direkt vor Ort zu den Betreibern der Zwischennutzung, der Shift Mode, im Hafenareal. «Dieser Platz wird reich beschenkt mit Vorschlägen. Das Potenzial ist riesig», sagt Reichenstein.

Wetterfeste Besucher nötig

Neben dem Aufgleisen der einzelnen Projekte steckt der Verein mitten in eigenen Bauarbeiten. Vor knapp zwei Wochen ist die Baubewilligung für die Bar und den Pavillon reingeflattert. Klappt alles wie geplant, können Ende dieser Woche die ersten Drinks beim neu geschaffenen Biotop ausgeschenkt werden. Ab dann ist die – noch namenlose – Bar täglich bei schönem Wetter geöffnet. Sie ist kein Sommerprojekt, wie die anderen Buvetten am Rhein. Sinkt das Thermometer, servieren die Baristas Punsch oder heisse Schokolade. «Der Betrieb ist grösstenteils unter freiem Himmel, dafür braucht es wetterfeste Besucher», sagt Reichenstein. Darüber macht sie sich aber keine Sorgen: «An der Uferstrasse spazieren bei fast jeder Witterung viele Menschen.»

Die Arbeitsfläche der Bar ist in einem Container untergebracht. Ansonsten wünscht sich der Verein aber vor allem «organische» Bauten. «Es wird sicherlich keine Überbauung aus Metall und Eisen werden. Wir fördern Holzkonstruktionen», sagt Reichenstein. Auch der Pavillon, der zurzeit gezimmert und zusammengesetzt wird, ist aus Holz. Darin entsteht einerseits eine öffentliche Bühne, anderseits informiert der Verein über die aktuellen Projekte und Veranstaltungen.

Diese werden vorgängig von Shift Mode auf ihre Realisierbarkeit geprüft und anschliessend begleitet. «Bei uns sind alle willkommen, die nicht auf eine Kommerzialisierung abzielen», sagt Reichenstein. Bis jetzt hat der Verein noch keinem Projekt abgesagt. «Bei ähnlichen Ideen bringen wir die Initianten zusammen. Die Bereitschaft, gemeinsame Projekte auf die Beine zu stellen, ist der eigentliche Zauber dieser Zwischennutzung.»

Viele der Ideen sind bereits konkret. So ist unter anderem ein sogenannter Generationengarten in Planung. Dessen Pflanzen, Blumen und Gemüse sollen das ganze Areal begrünen – und von unterschiedlichsten Menschen gepflegt werden. In einem ausrangierten Flughafenbus wird ein Proberaum für Theaterproduktionen geschaffen. Kunstateliers und Werkstätten sollen ebenso ihren Platz auf dem ehemaligen Migrol-Areal finden wie Orte für Yoga- und Massagen. Zudem entsteht eine «Food Sharing»-Stelle. Statt Lebensmittel auf dem Müll landen, werden sie dort kostenlos abgegeben.

«Faire, ja symbolische Mietpreise»

Für den genutzten Platz bezahlen die Initianten Shift Mode eine Miete. Dies mindere die anfängliche Euphorie häufig, aber: «Wir verfügen über keine finanziellen Mittel zur Unterstützung. Indem wir Teile des Areals zu sehr fairen, teilweise gar symbolischen Preisen vermieten, decken wir unsere administrativen Aufwendungen», sagt Reichenstein. Sie schätzt, dass die ersten Projekte auf dem Ex-Migrol-Areal Anfang 2015 realisiert werden. Für alle Bauten ist eine Baubewilligung nötig. Der Verein hofft, dass die Stadt solche Verfahren für Zwischennutzungsprojekte bald vereinfacht. «Unsere Bauart ist nicht mit jener eines Hauses zu vergleichen. Bei uns stehen die Objekte nur für eine gewisse Zeitdauer», sagt Reichen-stein. Mit der eigenen Bauphase begann Shift Mode im Juli.

Mehrere Wochen lang sahen die Spaziergänger an der Uferstrasse kaum Resultate. «Ausser einem Stromhäuschen gab es keine Infrastruktur», betont Reichenstein. Deshalb mussten erstmals die unterirdischen Leitungen für Wasser, Strom und die Kanalisation gezogen werden. In dieser Zeit fand eine leise Annäherung mit den Wagenleuten statt. Die Wut nach der Räumung sei zwar spürbar gewesen, sagt Reichenstein. «Seitdem wir hier aber die Schaufel in die Hand nehmen und unter Schweiss arbeiten, ist den Wagenleuten klar geworden, dass wir hier für alle etwas Schönes schaffen wollen.»