Relaunch

«Knabenmusik» wird wegen der vielen Mädchen zur «Jugendmusikschule»

In der Knabenmusik Basel spielen heute mehrheitlich Mädchen – einen neuen Namen soll sie aber nicht nur deshalb erhalten.

In der Knabenmusik Basel spielen heute mehrheitlich Mädchen – einen neuen Namen soll sie aber nicht nur deshalb erhalten.

Die Knabenmusik Basel kann auf über 170 Jahre Vereinsgeschichte zurückschauen. Der Vorstand möchte den Traditionsverein an die heutige Zeit anpassen und denkt deshalb an einer ausserordentlichen Generalversammlung über eine Namensänderung nach.

«Nach über 170 Jahren Vereinsgeschichte ist so ein Entscheid nicht einfach», sagt Josef Anderrüti. Er ist Vize-Präsident der Knabenmusik Basel 1841. Der Verein wird sich an der kommenden, ausserordentlichen Generalversammlung umbenennen – so plant es zumindest der Vereins-Vorstand.

«Basler Jugendmusikschule 1841» soll die Knabenmusik neu heissen. Ein «geschlechtsneutraler» Name, so wie es Brigitta Gerber (Grüne) 2009 im Grossen Rat forderte, als es um die Subventionsverteilung ging. Die Forderung warf in Basel damals hohe Wellen. Kritiker hinterfragten, inwieweit der Grosse Rat sich überhaupt in die Vereinsangelegenheiten einmischen darf und hoben hervor, dass die Knabenmusik unter diesem Namen zu einer Marke geworden sei, die man nicht aufgeben wolle.

Hauptamtlich eine Musikschule

Der Verein aber setzte sich konkret mit einer Namensänderung auseinander. Einerseits, weil die Subventionen plötzlich zur Diskussion standen und der Verein ohnehin finanziell nicht auf Rosen gebettet ist. Andererseits, weil man sich «so oder so einen Relaunch der Marke überlegt» habe, wie Anderrüti sagt.

Zwar sei der Begriff Knabenmusik tatsächlich sehr bekannt gewesen. «Aber was fast niemand wusste: Hauptamtlich sind wir eine Musikschule», meint Anderrüti. Das Orchester – einst mit stolzen 70 Mitgliedern – zählt heute noch rund 10 Musikanten und Musikantinnen. Dafür besuchen gegen 100 Schülerinnen und Schüler Instrumentalunterricht bei der Knabenmusik, die Mehrheit davon Mädchen.

Neuorientierung durch Namenswechsel

Immer wieder sei vereinsintern über den Namen diskutiert worden, sagt Anderrüti. Der politische Druck sei daher «vielleicht gar nicht so schlecht». Der Entscheid, den Verein tatsächlich umzubenennen, sei ein sachlicher gewesen. «Wir wollen das gleich zu einer Neuorientierung nutzen und uns als Musikschule wieder bekannter machen», hält Anderrüti fest.

Die Neuorientierung stellt für den Verein eine finanzielle Herausforderung dar. Auch im vergangenen Jahr schrieb die Knabenmusik rote Zahlen. Jetzt rechnet Anderrüti mit 20'000 bis 25'000 Franken, die bei einer Umbenennung für ein neues Logo und entsprechende Werbemassnahmen eingesetzt werden müssten.

Abstimmung steht noch aus

Bevor es aber so weit ist, müssen die Vereinsmitglieder an der extra angesetzten Generalversammlung am 20.Juni dem Vorhaben zustimmen. Eine Zwei-Drittel-Mehrheit ist dazu nötig. «Ich hoffe schon, dass es klappt», sagt Anderrüti. «Wir wissen nicht, wie der Kanton sonst reagieren würde. Ohne Subventionen stünde der Verein finanziell vor dem Aus.» Allerdings müsste – «wie bei einer Volksabstimmung» – auch ein Nein der Vereinsmitglieder akzeptiert werden, so Anderrüti.

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