Interview
Knall bei der Basler FDP: Präsident Luca Urgese und seine Vize Nadine Gautschi treten zurück

Die Basler FDP braucht eine neue Parteispitze. Präsident Urgese und seine Vize Nadine Gautschi haben am Montag ihren Rücktritt angekündigt.

Jonas Hoskyn
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Luca Urgese gab am Montagabend seinen Rücktritt bekannt.

Luca Urgese gab am Montagabend seinen Rücktritt bekannt.

Herr Urgese, wie frustriert sind Sie?

Luca Urgese: Selbstverständlich ist eine gewisse Frustration und Enttäuschung da. Ich bin davon überzeugt, dass wir in den vergangenen Jahren viel geleistet und erreicht haben, aber am Ende des Tages wird man in der Politik an Wahlergebnissen gemessen. Und da befindet sich die FDP Basel-Stadt, das muss man ganz offen sagen, an einem historischen Tiefpunkt. Das kann und will ich nicht schönreden.

Sie haben das Präsidium übernommen, als 2015 der Nationalratssitz der FDP an die LDP verloren ging. Mittlerweile hat die Basler FDP auch keinen Regierungsrat mehr und im Parlament ist sie die schwächste Fraktion.

Ich habe die Partei in der Tat bereits in einer sehr schwierigen Situation übernommen. Von Beginn weg habe ich mit meinem Team viel Zeit investiert, um die Partei neu aufzustellen. Natürlich ist deshalb die Enttäuschung da, dass es uns noch nicht gelungen ist, die Früchte dieser Arbeit zu ernten, sondern dass wir noch weitere Rückschläge entgegen nehmen mussten.

Ich bin fest davon überzeugt, dass es die FDP auch in Zukunft braucht.

(Quelle: )

Die Wahlen haben doch gezeigt: In Basel braucht es die FDP nicht mehr. Diese Wählerschaft wird abgedeckt von LDP und GLP.

Das sehe ich nicht so. Ich bin fest davon überzeugt, dass es die FDP auch in Zukunft braucht. Wir setzen uns wie keine andere Partei für die persönliche Freiheit und Eigenverantwortung der Menschen ein. In dieser Ausprägung wie bei uns finden Sie das in den anderen Parteien nicht. Deshalb bin ich auch sehr optimistisch, was die Zukunft der Partei betrifft.

Sie haben versucht, die FDP inhaltlich neu aufzustellen, weg von Parkplatzdiskussionen. Sie haben neue Schwerpunkte gesetzt. Diese Strategie ist gescheitert.

Auf jeden Fall ist uns eine inhaltliche Neuausrichtung gelungen. Wir haben etwa viel investiert, die Digitalisierung des Kantons voranzubringen. Dass die Steuererklärung ab Frühling komplett digital ausgefüllt werden kann, ist beispielsweise auf einen FDP-Vorstoss zurückzuführen. Wir haben wirtschaftspolitisch vorwärts gemacht. Es ist uns jedoch noch nicht gelungen, die neuen Inhalte nach aussen zu tragen. Daran werden wir weiter arbeiten müssen.

Wir müssen daran arbeiten, die Köpfe dieser Partei stärker zu zeigen.

(Quelle: )

Lohnt es sich, an diesem Kurs fest zu halten oder müsste man nicht etwas anderes versuchen?

Ich glaube, es stehen andere Baustellen im Vordergrund. Wir müssen daran arbeiten, die Köpfe dieser Partei stärker zu zeigen. Wir haben profilierte Mitglieder, die vernetzt und auch sozial engagiert sind.

Stichwort Köpfe: Sie haben im FDP-Vorstand kaum Mitglieder, die auch im Parlament vertreten sind.

Wie genau das neue Team aufgestellt sein wird, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Was wir brauchen, sind Leute, die bereit sind, sich für den Freisinn zu engagieren – egal, ob sie im Parlament sind oder nicht.

Es wird ein unglaublich spannender Job frei, bei dem man viel bewegen kann.

(Quelle: )

Wie schwer wird die Suche nach Ihrem Nachfolger oder Ihrer Nachfolgerin?

Im Hinblick auf die Generalversammlung vom 10. Mai wird eine Findungskommission eingesetzt. Diese wird Gespräche führen und ein neues Führungsteam suchen. Es wird auch mehrere personelle Veränderungen im Vorstand geben. Das Präsidium ist ein arbeits- und zeitaufwendiges Amt, aber auch ein sehr interessantes. Ich habe das nun fünf Jahre lang mit viel Einsatz ausgefüllt. Es braucht jetzt aber neue Leute, die bereit sind, sich zu engagieren. Es wird ein unglaublich spannender Job frei, bei dem man viel bewegen kann.

Wie sehen Sie persönlich Ihre Zukunft in der Politik?

Wir sind künftig im Grossen Rat eine kleinere Fraktion. Das bedeutet, die gleiche Arbeit verteilt sich auf weniger Personen. Ich kann nun meine Leidenschaft für Sachpolitik voll ausleben und die FDP unterstützen. Ich werde mich mit voller Kraft dafür einsetzen, dass die FDP als moderne, erfolgreiche und urbane Partei wahrgenommen wird.

Wann hat die Basler FDP wieder einen Nationalrat und einen Regierungsrat?

Wir kämpfen für 2023 und 2024.