Radikaler Schritt

Knapp bei Kasse: Jetzt will Reformierte Kirche Basel-Stadt Pfarrhäuser verkaufen

Die Evangelisch-Reformierte Kirche Basel-Stadt leidet unter Geldnot. Sie verkauft deshalb einige Pfarrhäuser für mehrere Millionen Franken.

Den Kirchen geht es nicht gut. Ihnen laufen die Mitglieder davon, die Finanzen darben. Die Evangelisch-Reformierte Kirche Basel-Stadt (ERK) hat nun einen radikalen Schritt vollzogen, der zumindest vorübergehend für Entlastung in finanzieller Hinsicht sorgen wird. Gleich vier Pfarrhäuser hat sie gemäss Informationen der «Schweiz am Wochenende» in ihr Finanzvermögen übertragen.

So wird ein Verkauf der Liegenschaften ermöglicht. Es handelt sich unter anderem um die Pfarrhäuser an der Realpstrasse, der Schönenbuchstrasse und der Müllheimerstrasse. Das ist nur möglich, weil die Pauluskirche, die Oekolampadkirche und die Matthäuskirche keine Gotteshäuser mehr sind oder diesen Status bald verlieren. Die Gleichung ist einfach: Es braucht keine Pfarrer mehr und damit auch keine Pfarrhäuser.

Abreissen ist kein Thema

Neben den genannten Schwierigkeiten machen auch Verbindlichkeiten wie die Pensionskasse den Kirchen Probleme. Die PK belastet auch die Rechnung der ERK schwer. «Die Synode hat den Auftrag verabschiedet, die ehemaligen Pfarreihäuser an die Bau- und Vermögensverwaltung (BVV) zu übertragen», sagt Matthias Zehnder, der Kommunikationsbeauftragte der ERK. Das sage aber noch nichts darüber aus, was mit den Gebäuden geschieht. «Ob ein Verkauf oder eine Vermietung angestrebt ist, ist sekundär.

Wichtig ist: Es sollen flüssige Mittel generiert werden», führt er an. Mittel, die die ERK dringend braucht. Die Übertragung vom Betriebs- ins Finanzvermögen stärkt das Eigenkapital der BVV: Und damit steigt automatisch auch die jährliche Abführung aus der Kasse der BVV an die Gesamtkirche. Wichtig für die Kirche, die in ihrem Budget 2018 erneut ein Minus von 2,3 Millionen Franken budgetiert hat.

Zudem könnte es nötig werden, den aktiven Versicherten der kirchlichen Pensionskasse unter die Arme zu greifen, wenn der Umwandlungssatz erneut gesenkt wird. Verbucht hat die Kirche die Liegenschaften zum Versicherungswert von fast sechs Millionen Franken. Doch alleine der bereits erfolgte Verkauf des Paulus-Pfarrhauses an der Realpstrasse dürfte weit mehr erbracht haben als die hier veranschlagte knappe Million. An ähnlicher Lage und in ähnlicher Grösse erzielen Liegenschaften derzeit rund das Doppelte.

Katholiken: Ausverkauf unmöglich

Zum Verkauf und der Vermietung von ehemaligen Pfarreihäusern und anderer Wohnliegenschaften kommen auch grössere Projekte. Zwar ist noch nicht klar, was mit der Pauluskirche geschehen soll und wie sie in Zukunft genutzt werden wird. Beim Gemeindehaus St. Markus im Hirzbrunnen, zu dem auch ein Pfarrhaus gehört, ist die Lage anders. Hier wüsste man genau, was man tun will, nämlich abreissen und ein Mehrfamilienhaus bauen.

Doch derzeit legt ein Einspruch des Heimatschutzes dieses Projekt lahm. Abreissen ist auch bei den Pfarrhäusern kein Tabu, sagt Zehnder. Wichtig sei eine sinnvolle und ertragbringende Nutzung des Immobilienbesitzes. In Baselland hat die Kirche mit den gleichen Problemen zu kämpfen.

Die Baselbieter Katholiken haben jüngst in Laufen ebenfalls ein Grundstück im Baurecht an die Baloise abgegeben. Hier entstehen sechs Mehrfamilienhäuser. Eine weitere Veräusserung steht an. Um welche es sich handelt, will Dominik Prétot, Informationsbeauftragter der Römisch-Katholischen Landeskirche, noch nicht sagen. Er verrät aber, dass sie das Thema der Liegenschaftsveräusserungen künftig vermehrt beschäftigen werde. Das Immobilienportfolio ist ein finanzielles Ruhekissen.

Alleine die 26 Pfarrhäuser der Baselbieter Katholiken haben einen Versicherungswert von 40 Millionen Franken – von 70'000 Franken für jenes in Blauen bis zu 4,5 Millionen für die denkmalgeschützten Domhäuser in Arlesheim. Verkauft werden könnten die Liegenschaften um einiges teurer.

Ein Ausverkauf der Kirchenbauten muss nicht befürchtet werden. Das Bistum Basel hat im vergangenen Jahr Richtlinien dazu erlassen. Hier hält es fest, dass die «Veräusserung oder veräusserungsähnliche Rechtsgeschäfte im Bereich des Verwaltungsvermögens» durch das Bistum genehmigt werden müssten. Strenger sind die Kriterien für den Verkauf eines der 141 Sakralbauten im Baselbiet, also die Kirchen oder Kapellen. Das Bistum stellt klar, dass diese Gebäude nur dann verkauft werden sollen, wenn im Kaufvertrag «der Umgang mit dem Raum» sowie «Nutzungseinschränkungen» und «Rückfallklauseln» definiert werden.

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