Zweiter Wahlgang

Knappe Entscheidung: Die SVP schafft den Einzug in den Riehener Gemeinderat

Die SVP zieht erstmals in den Gemeinderat von Riehen ein: Grossrat Felix Wehrli ist im zweiten Wahlgang am Sonntag gewählt worden. Weiter im Gemeinderat bleibt Guido Vogel (SP). Nicht mehr wiedergewählt wurde Annemarie Pfeifer (EVP).

«Sensation. Wahnsinn!» Die Superlativen reihen sich am Stehtisch mit den SVP-Vertretern aneinander. Nach mehreren gescheiterten Versuchen zieht die SVP in Riehen in den Gemeinderat ein. Detektiv Felix Wehrli verdrängt im zweiten Wahlgang Annemarie Pfeifer (EVP) aus der Exekutive und schafft für die Volkspartei Historisches. Im zweiten Wahlgang kämpften mit Guido Vogel (SP) und Annemarie Pfeifer die zwei Bisherigen gegen Felix Wehrli und Aussenseiterin Katja Christ (GLP) vier Kandidierende um die zwei übrig gebliebenen Sitze.

Gerade mal zwölf Stimmen lagen am Ende zwischen Pfeifer als Drittplatzierte und Wehrli als strahlenden Wahlsieger. Vogel schaffte den Wiedereinzug in den Gemeinderat mit dem hauchdünnen Vorsprung von zwei Stimmen gegenüber Annemarie Pfeifer, die acht Jahren Riehener Gemeinderätin ist. Katja Christ kam auf 1915 Stimmen und lag gut tausend Stimmen hinter dem Trio zurück. Die Wahlbeteiligung lag bei hohen 49,5 Prozent.

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Der erste Wahlgang:

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Einbrüche halfen Wehrli

Es war ein Zufallsergebnis, das am Ende die Riehener Wahlen entschieden hatte. Die bürgerliche Allianz funktionierte im Gegensatz zu vor vier Jahren bis zum Ende perfekt. «Ein Freudentag für mich und die SVP im Kanton Basel-Stadt», jubelte Felix Wehrli, bevor er sogleich wieder einen pragmatischen und fast schon staatsmännischen Ton annahm, den er schon während des ganzen Wahlkampfes pflegte. «Ich bin eine Person, die parteiübergreifend für alle ein offenes Ohr hat. Ich respektiere und akzeptiere andere Meinungen. Das bleibt auch als Gemeinderat so.»

Dieses Versprechen nahmen ihm die Riehener Wähler ab. Wehrli, auch Grossrat und Einwohnerrat, wurde für einen engagierten Wahlkampf belohnt. In die Karten spielten ihm wohl auch die vielen Meldungen der vergangenen Wochen über Einbrüche und Überfälle in Riehen. Er war von Beginn weg einer der lautesten Kritiker der nächtlichen Schliessung der Polizeiwache. «Es scheint, als hat die Bevölkerung gespürt, dass ich für die Sicherheit in Riehen einstehe und entsprechende Erfahrung mitbringe.»

Nach Jahren der lauten Oppositionspolitik ist die SVP nun gefordert. Dies betont auch Gemeindepräsident Hansjörg Wilde (parteilos): «Die SVP muss nun beweisen, dass sie exekutivfähig ist.» Wilde zeigt sich ob dem Wahlresultat zufrieden. «Alle Blöcke und Parteien sind nun im Gemeinderat vertreten. Ich bin überzeugt, dass dies eine gute Legislatur wird.»
SVP-Präsident Eduard Rutschmann, selber vor vier Jahren als Gemeinderatskandidat klar gescheitert, gibt sich stolz. «Endlich kann die SVP Verantwortung in der Regierung übernehmen und vielleicht gewisse Projekte schon dort stoppen.» Die SVP werde sich aber trotz des Erfolgs nicht gross ändern. «Die SVP bleibt die SVP!»

Guido Vogel (SP) wusste nicht so recht, ob er sich über seine Wahl freuen oder wegen Annemarie Pfeifer enttäuscht sein soll. Er bleibe jemand, der versuche, die Sache in den Vordergrund zu stellen und konsensorientiert zu politisieren, kündigt er an. «Die neue Zusammensetzung im Gemeinderat wird für mich wohl nicht viel ändern.» Katja Christ wurde von den beiden Blöcken «zerquetscht». Mit ihrem persönlichen Resultat sei sie aber den Umständen entsprechend zufrieden, so Christ.

Zäsur für die EVP

Konsternation, gar Schockzustand herrscht bei der EVP, die während Jahrzehnten die Riehener Politik geprägt hat und nun nur noch mit Christine Kaufmann im Gemeinderat vertreten ist. «Das ist für uns eine Zäsur», analysierte der ehemalige Präsident und Einwohnerrat Philipp Ponacz. Die fehlenden Stimmen von Annemarie Pfeifer seien wohl auch bei Katja Christ gelandet. «Dazu kommt die starke Mobilisation bei den Bürgerlichen und der kritische Artikel in der «Basler Zeitung» über einen Sozialhilfefall im Politbereich von Annemarie Pfeifer. Diese drei Komponenten haben die Wahl entschieden», glaubt Ponacz. Riehen verliere damit eine erfolgreiche Politikerin, die schweizweit für ihre Arbeit im Bereich Gesundheitswesen und Alterspolitik Wertschätzung erhalten hat.

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